Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wal-Wurm frisst auch Vogelknochen

08.12.2010
Fossile Spuren liefern neue Einblicke in die Entwicklung des Tiefseewurms Osedax

In rund 3.000 Metern Wassertiefe lebt der Wurm Osedax. Der Tiefseewurm ernährt sich von den Knochen toter Wale. Bisher wurde angenommen, dass sich Osedax parallel zu seiner wichtigsten Nahrungsquelle, den Walen, entwickelt hätte.

Doch möglicherweise hat der Tiefseewurm die Meere bevölkert, lange bevor sich Wale überhaupt entwickelt haben. Molekularbiologische Untersuchen legen nahe, dass Osedax bereits in der Kreidezeit existiert haben könnte.

Diese Theorie wirft jedoch die Frage auf, was der Wurm nach dem Aussterben der großen Meeresreptilien am Ende der Kreidezeit vor etwa 65,5 Millionen Jahren und vor der Evolution der Wale gefressen haben soll. Eine neue Studie unter der Leitung des Paläontologen Dr. Steffen Kiel von der Universität Göttingen hat ergeben, dass sich Osedax auch von den Knochen Pinguin-artiger Tauchvögel ernährt hat. Die Ergebnisse sind in der Internetausgabe der Fachzeitschrift Naturwissenschaften erschienen und werden im Januar in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht.

Die Studie zeigt, dass Osedax bei der Nahrungssuche nicht auf Säugetierknochen beschränkt ist. Zudem gibt es bereits seit der Kreidezeit Meeresvögel – diese könnten dem Tiefseewurm nach dem Aussterben der großen Meeresreptilien das Überleben gesichert haben. Die von den Forschern untersuchten Vogelknochen sind etwa 30 Millionen Jahre alt und zeigen auf ihrer Oberfläche kleine Bohrlöcher. Diese sind bis zu drei Millimeter tief und bilden im Inneren des Knochens ein weites Netzwerk. „Diese Bohrlöcher sind identisch mit Osedax-Bohrlöchern, die wir aus heutigen und fossilen Walknochen kennen“, erklärt Dr. Kiel.

Überraschend ist aus Sicht der Forscher nicht nur, dass Osedax offenbar Vogelknochen fressen konnte. Auch die Größe des Vogels, in dessen Knochen die Wissenschaftler die Bohrlöcher entdeckt haben, ist bemerkenswert. Er war nicht mehr als 80 Zentimeter groß. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass Osedax große Walknochen, die lange auf dem Tiefseeboden liegen, leicht entdecken und besiedeln kann. Die vergleichsweise kleinen Vogelknochen, so die bisherige Annahme, wurden zu schnell von Sediment bedeckt oder von Aasfressern verschleppt, um Osedax als Nahrung zu dienen. „Aber offensichtlich ist dieser Wurm ein schneller und effizienter Nahrungssucher“, so Dr. Kiel. Allerdings sind die Bohrlöcher in den Vogelknochen nur eine erste Spur. Noch ist unklar, ob es den Tiefseewurm wirklich bereits in der Kreidezeit gab. „Die wenigen Plesiosaurier und Ichtyosaurier, die ich bisher in Museen untersucht habe, zeigten keine Bohrlöcher“, erklärt Dr. Kiel. „Aber eine systematische Suche nach den Spuren von Osedax steht noch aus.“

Originalveröffentlichung: Steffen Kiel et al. Osedax traces in fossil marine bird bones. Naturwissenschaften, advance online publication. DOI: 10.1007/s00114-010-0740-5 (2010).

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos zum Thema haben wir unter http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3730 zum Download bereitgestellt.
Kontaktadresse:
Dr. Steffen Kiel
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Geowissenschaften und Geographie – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-10954, Fax (0551) 39-7918
E-Mail: skiel@uni-goettingen.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.geobiologie.uni-goettingen.de/people/skiel/index.shtml
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3730

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie