Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärmere Ozeane verursachen Migration von Meeresbewohnern

27.08.2013
Laut einer internationalen Studie, die im August im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht wurde, wirkt sich die Erwärmung der Ozeane auf Vorkommen, Fortpflanzung und Lebensraum der Meeresflora und -fauna aus. Während sich die verschiedenen Arten an den Klimawandel anpassen, werden Lebensräume neu geordnet.

Das internationale Team um Co-Autor Winthrop Professor Carlos Duarte des Oceans Institute and School of Plant Biology an der University of Western Australia – fußte seine Ergebnisse auf eine Synthese weltweiter, von Experten geprüfter Veröffentlichungen, die mehr als 1700 Veränderungen identifizierten, inklusive 222 Aufzeichnungen zum australischen Meeresleben.

Das Team stand unter der Leitung des CSIRO’ Climate Adaption Flagship und den Meeresökologen Elvira Poloczanska und Anthony Richardson von der University of Queensland.

Die Studie fand heraus, dass Meeresbewohner ihre geographische Verteilung weiter polwärts verlagern und dies weitaus schneller vornehmen als landgebundene Tiere. Obwohl die Ozeane 80 Prozent der zusätzlichen Wärme des globalen Klimasystems absorbiert haben, erwärmen sich die Wasserschichten an der Wasseroberfläche aufgrund der Wärmekapazität der Ozeane drei Mal langsamer als die Lufttemperaturen über Land.

„Die Spitze oder ‚vorderste Front’ der Distribution einer Meeresart bewegt sich im Durchschnitt alle zehn Jahre rund 72 Kilometer in Richtung der Pole, was bedeutend schneller ist, als an Land lebende Arten, die rund sechs Kilometer pro Jahrzehnt polwärts wandern,“ sagte Dr. Poloczanska. „Dies ist der Fall, obwohl sich Wasseroberflächentemperaturen drei Mal langsamer erwärmen als Landtemperaturen.“

„Die schnelle Polwanderung der Meereslebewesen verfolgt die polgerichtete Migration von Isothermen durch den Ozean und zeigt die Anstrengungen der Meeresbewohner, in Wärmeregionen zu bleiben, an die sie angepasst sind. Sie meiden wärmere Gewässer und solche, die Hitzewellen erfahren und das Meeresleben beeinflussen,“ erklärte Professor Duarte.

Das Forscherteam studierte auch Veränderungen im Lebenszyklus der Arten, wie beispielsweise Fortpflanzungszeiten, und stellte fest, dass sich diese ebenfalls verändern, wenn sich die Meere erwärmen.

Professor Richardson erklärte, dass im Durchschnitt der Zeitpunkt von Fortpflanzung und Wanderung in den Meeren viel früher liege: Meereslebewesen schritten in der Hinsicht alle zehn Jahre 4,4 Tage voran, was ebenfalls viel schneller sei als bei an Land lebenden Arten, die ihre Fortpflanzungsperiode rund 2.3-2.8 Tage pro Dekade früher beginnen würden.

Wenngleich die Studie globale Auswirkungen nachzeichnet, gibt es gewichtige Beweise für Veränderungen in der australischen Meeresumwelt.

Dr. Poloczanska sagte, dass Australiens südost-tropische und subtropische Fisch-, Weichtier- und Plaktonarten durch das Tasmanische Meer viel weiter südlich wandern würden. Im Indischen Ozean zeige sich eine Wanderung von Seevögeln nach Süden und eine starke Verminderung von Kaltwasser-Seegräsern aus Regionen nördlich von Perth.

„Wir beobachten eine weit verbreitete Reorganisation der Meeresökosysteme – mit wahrscheinlich entscheidenden Auswirkungen für die Dienste, die diese Ökosysteme dem Menschen leisten,“ sagte Dr. Poloczanska.

„Die veröffentlichte Analyse stellt eine Grundlage dar, um Veränderungen in der Distribution von Meereslebewesen vorherzusagen, und sie kann helfen, dynamische Meeresschutzgebiete zu entwickeln. In diesen Schutzgebieten können Arten beobachtet und erhalten bleiben, und sie helfen dem Fischereiwesen, Verschiebungen der Fangarten vorauszukalkulieren, was andernfalls dessen wirtschaftlichen Kollaps zur Folge hätte,“ sagte Professor Duarte.

Das internationale Team umfasste 19 Forscher aus Australien, USA, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Europa und Südafrika.

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email:berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593
oder
W/Prof Carlos Duarte
Director/Winthrop Professor
UWA Oceans Institute
The University of Western Australia
Tel.: (+61 8) 6488 8123
Emai: carlos.duarte@uwa.edu.au
Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt
28.03.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen
28.03.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

28.03.2017 | Medizintechnik

Elektrische Spannung: Kaiserslauterer Ingenieure erforschen Versagen bei Kugellagern

28.03.2017 | Maschinenbau