Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Wachstum des Herzens bremsen

12.03.2013
Wenn das Herz zu sehr belastet wird, wächst es. Das kann am Ende zu einer weit verbreiteten Krankheit führen, der chronischen Herzschwäche. Wie es auf molekularer Ebene dazu kommt, erforscht Kristina Lorenz, neue Professorin an der Uni Würzburg.

Das Herz eines Profisportlers ist in der Regel größer als bei einem untrainierten gesunden Menschen. Denn das Herz wächst, wenn es unter erhöhter Belastung steht. Das passiert allerdings auch dann, wenn die Belastung durch eine Krankheit verursacht wird, zum Beispiel durch chronisch erhöhten Blutdruck.

„Mit dem Wachstum versucht das Herz, seine Leistung auch bei höherer Belastung konstant zu halten“, erklärt Kristina Lorenz, Professorin für Molekulare Pharmakologie an der Uni Würzburg. Bis zu einem gewissen Grad gehe diese Strategie auf. Wächst das Herz aber zu stark, dann sterben Herzmuskelzellen ab, das Gewebe vernarbt und wird dauerhaft geschwächt – eine chronische Herzschwäche hat sich entwickelt. „Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, ein übermäßiges Wachstum des Herzens zu verhindern“, sagt Lorenz. „Das geht am besten, indem man in die ursächlichen Mechanismen eingreift.“

Zwei Enzyme von Bedeutung

Diese Mechanismen erforscht die neue Professorin. „Wir haben unter anderem herausgefunden, dass die Enzyme ERK1 und ERK2 in den Herzmuskelzellen für die Entstehung des übermäßigen Wachstums von besonderer Bedeutung sind, und wir haben auch einen neuen Steuermechanismus dafür entdeckt.“ Für diese Erkenntnis bekam Lorenz 2010 den renommierten Galenus-von-Pergamon-Preis verliehen.

Derzeit ist das Team von Lorenz dabei herauszufinden, wie man den Mechanismus stoppen kann, über den die beiden Enzyme das Herzwachstum stimulieren. Gelingt das, so eröffnen sich neue Perspektiven für die Vorbeugung und Behandlung des krankhaften Herzwachstums.

Kristina Lorenz befasst sich nicht nur mit dem Herzen. Die Enzyme ERK1 und ERK2 spielen beim Krebswachstum, bei der Gefäßverkalkung und anderen Krankheiten ebenfalls eine Rolle. Darum erforscht die Wissenschaftlerin auch, wie die Enzyme bei diesen Erkrankungen fehlgesteuert werden.

Werdegang von Kristina Lorenz

Kristina Lorenz, 1972 in Kassel geboren, hat Pharmazie an der Uni Würzburg studiert. Nach der Approbation als Apothekerin begann sie 1999 eine Doktorarbeit bei Professor Martin Lohse in der Würzburger Pharmakologie und schloss sie 2004 mit der Promotion ab. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie.

Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität in Rochester (USA) kehrte Lorenz 2009 an die Uni Würzburg zurück. Hier leitete sie wissenschaftliche Projekte im Sonderforschungsbereich 688, am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz und am Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin.

2012 wechselte Lorenz dann an die Technische Universität Dresden. Dort war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pharmakologie und Toxikologie sowie Stellvertreterin von Institutsleiterin Ursula Ravens. Im Januar 2013 folgte sie einem Ruf zurück an die Universität Würzburg, wo sie seitdem eine Professur für Molekulare Pharmakologie innehat.

Kontakt

Prof. Dr. Kristina Lorenz, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg, T (0931) 201-48533, lorenz@toxi.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie