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Vorsicht bei konjugierten Linolsäuren! Nahrungsergänzungsmittel regt Insulinausschüttung an

01.04.2011
Konjugierte Linolsäuren, vielgepriesene Schlankheitsmittel, stimulieren in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin, haben Forscher der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit Tübinger Kollegen herausgefunden.

Was passiert, wenn jemand die Substanz über viele Jahre einnimmt, ist nicht abzusehen, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine denkbare Folge: Diabetes. Die Studie erscheint am 8. April in dem Fachmagazin Journal of Biological Chemistry (doi: 10.1074/jbc.C110.200477).

„Viele Leute schlucken große Mengen dieser Substanzen, weil sie glauben, dass sie ihnen gut tun“, sagt Professor Dr. Evi Kostenis. „Aber wie wir jetzt gesehen haben, beeinflussen konjugierte Linolsäuren auch die Bauchspeicheldrüse. Es ist gut möglich, dass die Zellen dadurch auf Dauer Schaden nehmen.“

Konjugierte Linolsäuren, CLA abgekürzt, sind bestimmte Arten von Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommen. Hochdosierte Kapseln dieser Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten und lassen sich im Internet bestellen. „Sie werden quasi als Allheilmittel angepriesen“, erläutert Prof. Kostenis. „Sie sollen Fett verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen, sogar Krebs vorbeugen.“ Die Werbung verspricht viel, doch endgültig bewiesen ist bisher keine dieser Wirkungen.

Einige klinische Studien haben hingegen bereits gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln. „Jetzt kennen wir auch den Mechanismus, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken“, sagt die Wissenschaftlerin. Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an − ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden vermehrt Insulin aus. Das haben die Forscher an Mäuse- und an Menschenzellen gezeigt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn derjenige konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch hingegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, da sie keine so hohen Mengen enthalten.

Diabetes-Risiko ist noch unklar

„Wir wissen nicht, ob Menschen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen schlucken, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln“, sagt Prof. Kostenis. Denkbar ist auch das Gegenteil: Vielleicht tut den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation gut. Möglicherweise eignen sich CLA damit auch als Arzneimittel gegen Diabetes Typ II. Das alles müssen zukünftige Studien erst zeigen.

„Bisher wollen wir nur sagen: Leute, passt auf!“ mahnt Prof. Dr. Evi Kostenis. „Diese Substanzen wirken wie ein Arzneimittel und sind damit nicht ungefährlich.“ Die Wissenschaftlerin fordert endlich seriöse Langzeitstudien am Menschen. Bisher gab es dazu keine einzige. Das Forscherteam hat jetzt eine Langzeitstudie mit Mäusen initiiert. Sie wird wertvolle Hinweise liefern, welche Langzeitwirkungen von CLA beim Menschen zu erwarten sind.

Konjugierte Linolsäuren werden als natürliche Substanzen angepriesen. Aber natürlich heißt nicht automatisch harmlos, warnt die Forscherin: „Die Natur macht auch viele schöne Gifte − denken Sie nur an Knollenblätterpilze!“ Ihr Fazit: „Man sollte nicht alles unbesehen glauben, was die Werbung verspricht.“

J. Schmidt, K. Liebscher, N. Merten, M. Grundmann, M. Mielenz, H. Sauerwein, E. Christiansen, M.E. Due-Hansen, T. Ulven, S. Ullrich, J. Gomeza, C. Drewke, E. Kostenis: Conjugated Linoleic Acids Mediate Insulin Release through Islet G Protein-coupled Receptor FFA1/GPR40, The Journal of Biological Chemistry, 2011.

Kontakt:
Prof. Dr. Evi Kostenis
Pharma-Zentrum Bonn
Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2678
E-Mail: kostenis@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

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