Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Völlig neuer Ansatz: Mechanismen der Alterung errechnen

08.07.2011
Warum vermindert sich im Alter die Regenerationsfähigkeit, lassen Organfunktionen nach und reduzieren unweigerlich die Lebensqualität?

Ein breit angelegtes Forschungsprojekt an der Universität Ulm soll in den kommenden fünf Jahren diese Fragen beantworten. Ein Fernziel: Die Entwicklung molekularer Therapien zur Verbesserung der Stammzellfunktion und der Regenerationsfähigkeit von alternden Geweben.

Der ganz neue Ansatz dabei: Neben Medizinern, darunter Kliniker und Grundlagenforscher, und Biologen werden hier Bioinformatiker und Mathematiker zusammenarbeiten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit rund 7,4 Millionen Euro.

„Meines Wissens beschäftigen sich in Deutschland bisher nur zwei BMBF-geförderte Forschungskerne zentral mit dieser Thematik, einer in Kooperation mit dem Max Planck-Institut in Köln und einer in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut in Jena“, sagt der Koordinator des Ulmer Projekts, Professor Karl Lenhard Rudolph, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Leiter der Ulmer Max Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung. „Wir sind hier also in sehr guter Gesellschaft und die BMBF-Zusage unterstreicht, dass wir zu den Spitzenstandorten auf diesem Gebiet gehören.“

Mit dem Leibniz-Preisträger von 2009 freut sich Co-Koordinator Dr. Hans Kestler vom Institut für Neuroinformatik, verantwortlich für den systembiologischen Part des Mammutprojekts: „Unser Konsortium bildet einen starken wissenschaftlichen Verbund, in dem Vertreter unterschiedlicher Disziplinen in diesem thematischen Bereich zusammenarbeiten.“

Aus gutem Grund, wie Projektleiter Rudolph erklärt: „Wir wollen grundlegende molekulare Mechanismen der Alterung aufklären. Über den systembiologischen Vergleich der Alterung des Menschen, der Fliege und der Hefezellen könnte es gelingen, zentrale Steuerungssysteme der Alterung zu identifizieren.“ Denn Genveränderungen bei der Alterung seien schließlich nicht nur im menschlichen Gewebe zu verzeichnen. Darüber hinaus wollen die Forscher verschiedene Gewebe untersuchen, Muskeln etwa, Haut oder Blut.

„Dabei werden ungeheure Datenmengen anfallen“, weiß der 2007 nach Ulm gewechselte Spitzenforscher. „Um diese zu verarbeiten, insbesondere entscheidende Ursachen für die wichtigsten molekularen Veränderungen herauszufiltern, aber auch Gemeinsamkeiten von grundlegender Bedeutung für die Alterung zu identifizieren, brauchen wir die Systembiologen, Bioinformatiker und Mathematiker“, so Rudolph. Wissenschaftler also, die biologische wie mathematische Kompetenzen mitbringen. Wie Hans Kestler eben. Wobei der Projektleiter schon heute einen zukunftsweisenden Aspekt für die Universität insgesamt betont: „Ulm ist in diesem Bereich schon heute vorne dabei und darauf können wir aufbauen.“

Dazu werde eine zunächst im Rahmen des Vorhabens finanzierte neue Professur mit Leitungsfunktion beitragen, ist Professor Rudolph überzeugt, zudem eine Juniorprofessur und eine neue Forschungsgruppe.

Jedenfalls sind die mathematischen Systemanalysen Rudolph zufolge ein wichtiger Faktor für die Aufklärung der vielfältigen Veränderungen auch auf molekularer Ebene, die dem Alterungsprozess zu Grund liegen. In Verbindung mit den molekularen Analysen sollen nämlich Modelle altersabhängiger Signalwegsveränderungen erstellt und diese dann in experimentellen Testsystemen überprüft werden. Die damit identifizierten Signalwege sollen schließlich funktionell in Alterungsmodellen untersucht werden, Basis für die Entwicklung neuer Biomarker für die Alterung und molekularer Therapien zur Verbesserung des Organerhalts im Alter.

In das Projekt einbezogen ist mit der Beckman Coulter Biomedical GmbH in München übrigens auch ein Partner aus der Wirtschaft. „Das Unternehmen übernimmt einen wichtigen Bereich“, so Professor Rudolph, „denn es gibt Hinweise darauf, dass sich Gene bei der Alterung in verschiedenen Zellen innerhalb eines Organs in verschiedene Richtungen verändern und damit Funktionsstörungen auslösen“. Beckman habe zur Analyse dieser Prozesse Systeme entwickelt und liefere für das Forschungsprojekt eine Technologieplattform. Keine Frage für den Ulmer Wissenschaftler, dass davon eines Tages beide Seiten profitieren könnten: „Ein Ziel ist natürlich auch, unsere Ergebnisse für die medizinische Diagnostik nutzbar zu machen.“

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen
20.02.2017 | Universität zu Lübeck

nachricht Zellstoffwechsel begünstigt Tumorwachstum
20.02.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie