Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vögel setzen Intelligenz unterschiedlich ein

15.04.2009
Sie gebrauchen Werkzeuge zur Futtersuche, verstecken ihre Beute vor Fressfeinden oder lösen einfache Rechenaufgaben. Die außerordentliche Intelligenz von Raben- und Papageienvögeln ist heute unumstritten.

Diese Intelligenz, die die beiden so unterschiedlichen Vogelgattungen besitzen, hat sich allerdings getrennt voneinander entwickelt. Die Hintergründe dieser "parallelen" Evolution sind noch unbekannt. Ihnen gehen nun die Verhaltensforscher Christian Schloegl und Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie und der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau an der Fakultät für Lebenswissenschaften nach.

In Kooperation mit Ludwig Huber und Gyula Gajdon vom Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung und der ARGE Papageienschutz untersuchen Kurt Kotrschal und Christian Schloegl in ihrem Anfang 2008 begonnenen FWF-Projekt "Denken bei Vögeln" neben den Graupapageien auch die Papageienart Kea. Diese hochsozialen, in Gruppen lebenden Papageien sind sehr intelligent, manipulativ und extrem verspielt. "In unseren Experimenten interessiert uns weniger, was die Vögel erlernen können, sondern vielmehr, was sie bereits können. Eine unserer Grundfragen lautet: Wie gut können die Vögel logische Rückschlüsse ziehen?"

Die zweite Vogelfamilie mit der die Verhaltensforscher arbeiten, ist die Gruppe der Rabenvögel. Insgesamt vier Arten - Kolkraben, Dohlen, Neukaledonische Krähen und Eichelhäher - werden im Rahmen mehrerer Versuchsreihen auf ihre Intelligenz getestet. Hierfür kooperieren die beiden Forscher eng mit der Universität Oxford und der Universität Triest.

Vernetzt und logisch denken
Ob die Vögel logisch kombinieren können, wird folgendermaßen getestet: Sie haben zwei Becher zur Auswahl, aber nur unter einem befindet sich Futter. Den Vögeln wird aber nicht gezeigt, unter welchem Becher sich der begehrte Leckerbissen befindet, sondern wo er sich nicht befindet. So müssen die Tiere den logischen Schluss ziehen, dass sich das Futter folglich unter dem anderen Becher befindet. "Das ist ein klassischer Intelligenztest für Tiere. Menschenaffen schneiden bei diesem Test sehr gut ab, Hunde weniger", erklärt Schloegl.

Im Rahmen des Projekts haben die Kolkraben besser als Dohlen und Keas abgeschnitten. "Das heißt aber noch nicht, dass Kolkraben generell intelligenter sind. Es kann auch sein, dass genau diese Versuchsanordnung besonders auf ihre Fähigkeiten als Futterverstecker zugeschnitten ist", so der Verhaltensforscher.

Verstecken, um zu überleben
Die Kolkraben sind klassische Futterverstecker. Sie konkurrieren um Nahrung sowohl mit Artgenossen, aber auch anderen Fressfeinden, wie z.B. Wölfen und Aasfressern. "Wenn Kolkraben merken, dass sie beim Futterverstecken beobachtet wurden, suchen sie ein neues Versteck", erklärt Schloegl: "Daher nehmen wir an, dass sie sich in andere Tiere hineinversetzen können und somit zu einem Perspektivenwechsel fähig sind."

Ob die hohe Intelligenz von Kolkraben nun exemplarisch für alle Rabenvögel fungieren kann, untersuchen Kotrschal und Schloegl, indem sie Experimente mit drei weiteren Rabenvogelarten durchführen. "Sie alle setzen ihre Intelligenz ganz unterschiedlich ein und ihre Strategien sind abhängig von Lebensraum, Umwelt und der Art der Fressfeinde."

Parallele Intelligenzentwicklung
Sowohl die Rabenvögel als auch die Papageienvögel gleichen sich in ihren besonders hohen kognitiven Leistungen. Doch diese unterscheiden sich in ihrer Ausformung wiederum sehr stark, was die parallele Entwicklung ihrer Intelligenz zeigt.

Über die Evolution der Intelligenz gibt es derzeit zwei Theorien: Die Adaptivitätstheorie besagt, dass jede Art sehr spezifische Intelligenzleistungen entwickelt; die General-Intelligence-Hypothese geht davon aus, dass der evolutionäre Druck, der zur Entwicklung von höherer Intelligenz führte, eine Art genereller Intelligenz hervorbrachte. "Man kann sich das in etwa wie in einem Werkzeugkasten vorstellen", so Schloegl: "Bei Adaptivität verfügt jede Art über spezielle Werkzeuge - die einen haben Hammer und Säge, die anderen Hammer und Meißel, etc. - wohingegen General-Intelligence-Verfechter sagen würden, dass alle Arten die gleichen Werkzeuge besitzen."

Schloegl und sein Team tendieren eher zur speziellen Anpassungstheorie. Genaueres freilich könne er erst nach Beendigung derer Testreihen mit den Vögeln sagen.

Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal
Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
Konrad-Lorenz-Forschungsstelle Grünau
T +43-7616-8510
M +43-664-602 77-545 42
kurt.kotrschal@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht
25.04.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern
25.04.2018 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics