Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein vielversprechendes Molekül im Kampf gegen AIDS

01.04.2010
Trotz der zahlreichen Fortschritte im Kampf gegen AIDS ist diese Infektion noch immer für den Tod von Millionen Menschen jährlich verantwortlich.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Forschung bleibt die Suche nach neuen zellulären Zielen, auf die die neuen antiviralen Therapien ausgerichtet werden. Forscher des Jean- Pierre-Ebel-Instituts für Strukturbiologie [1] haben ein Molekül entwickelt, das den Sprung des AIDS-Virus von einer Zelle zur anderen verhindert.

Dieses Ergebnis wurde zum Patent angemeldet und in der Fachzeitschrift ASC Chemical Biology vom 19. März 2010 veröffentlicht [2]. In Zusammenarbeit mit Forschern aus Italien und Spanien (im Rahmen des europäischen Netzwerkes CARMUSYS) haben sich die französischen Forscher mit dem Rezeptor DC-SIGN beschäftigt, der in den ersten Phasen der AIDS-Infektion eine Rolle spielt, jedoch als therapeutisches Ziel bisher wenig erforscht wurde. Dieser Rezeptor befindet sich an der Oberfläche der dendritischen Zellen, Zellen des Immunsystems, die insbesondere im Oberflächengewebe des Körpers zu finden sind, z.B. in der Epidermis oder in den Schleimhäuten.

Der Rezeptor DC-SIGN erkennt Pathogene und fängt diese ein, so dass sie von den dentritischen Zellen aufgenommen, zerstört und die Reste an der Oberfläche exponiert werden können. Anschließend wandern die Zellen zu den Lymphoidorganen, um eine Immunantwort auszulösen, d.h. es werden Immunzellen gebildet - so genannte T-Lymphozyten-, die zielgerichtet die Pathogene bekämpfen. Das AIDS-Virus wird jedoch nicht zerstört, sondern nutzt den Rezeptor DC-SIGN, um zu den T-Lymphozyten zu gelangen und sie zu infizieren. Es greift insbesondere die T-Lymphozyten mit Oberflächenantigenen CD4 an (auch CD4+), mit deren Hilfe sich das Virus im ganzen Körper ausbreiten kann.

Das von den Forschern entwickelte Molekül bindet sich an den Rezeptor DC-SIGN und verhindert so den Sprung des AIDS-Virus auf die CD4+-T-Lymphozyten. Das Molekül weist besonders interessante Eigenschaften auf, wie zum Beispiel eine hohe Löslichkeit im physiologischen Milieu, eine geringe Zytotoxizität [3], einen Langzeiteffekt und eine für die Massenproduktion geeignete Struktur. Darüber hinaus könnte es auch bei anderen Pathogenen eingesetzt werden, wie beispielsweise bei Hepatitis C, Dengue-Fieber, Ebola, SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Die Wirksamkeit des Moleküls beim interzellulären Transfer des AIDS-Virus wurde in vitro nachgewiesen. Das Molekül selbst ist durch eine gemeinsame Patentanmeldung des CNRS und der Joseph-Fourier-Universität geschützt. Für den nächsten Schritt der vorklinischen Studien in Tiermodellen suchen die Forscher noch Partner.

[1] CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) / Joseph-Fourier-Universität / CEA (Behörde für Atomenergie und alternative Energien)

[2] "Inhibition of DC-SIGN Mediated HIV infection by a linear trimannoside mimic in tetravalent presentation", Sattin, Daghetti, Thépaut, Berzi, Sanchez-Navarro, Tabarani, Rojo, Fieschi, Clerici & Bernardi - ACS Chemical Biology - 19/03/2010

[3] Fähigkeit einiger chemischer Substanzen (Arzneistoffe, Antikörper, Viren) Gewebezellen zu schädigen Kontakt: Franck Fieschi, Forscher - Labor für Membranproteine, Institut für Strukturbiologie, Joseph- Fourier-Universität / CEA, 41 rue Jules Horowitz, 38027 Grenoble - Tel: +33 4 38 78 91 77 - E-Mail: franck.fieschi@ibs.fr

Quelle: "Lutte contre le VIH : un composé très prometteur" - Pressemitteilung des CNRS - 18.03.2010 http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1829.htm

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 180 vom 31.03.2010)
Französische Botschaften in Deutschland und Österreich

| Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/allemand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise