Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verwandtschaftsverhältnis der stark bedrohten Mönchsrobben aufgeklärt

14.05.2014

Ein internationales Forscherteam konnte die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung der Mönchsrobben (Monachus) neu bestimmen. Dazu nutzten die WissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Smithsonian Institution und der Fordham University in den USA DNA-Analysen der bereits ausgestorbenen Karibischen Mönchsrobbe. Auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse können zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz der Mönchsrobben ergriffen werden. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsjournal ZooKeys veröffentlicht.

Erstmals 1494 von Kolumbus erwähnt, war die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis) in der ganzen Karibik verbreitet. Durch die uneingeschränkte Jagd im 19. Jahrhundert wurden die Zahlen schnell dezimiert. Die letzte eindeutige Sichtung einer Karibischen Mönchsrobbe war 1952.


Ausgestorbene Karibische Mönchsrobbe (Neomonachus tropicalis).

Bild: IZW/Peter Schouten

Damit stellt diese Mönchsrobbenart die jüngste Ausrottung eines Meeressäugers in der westlichen Hemisphäre dar. Zur Gattung Monachus gehören neben der Karibischen noch die Mittelmeer- und Hawaii-Mönchsrobbe – beides stark bedrohte Arten. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Mönchsrobben wurde bislang nicht vollständig verstanden.

Um die Karibische Mönchsrobbe zu klassifizieren, nutzten die WissenschaftlerInnen Jahrhunderte alte Häute von Mönchsrobben aus den Sammlungen der Smithsonian Institution in den USA. Außerdem wurden für die morphologischen Untersuchungen Robbenschädel verglichen.

„Durch unsere Analysen haben wir festgestellt, dass die molekularen und morphologischen Unterschiede zwischen der Mittelmeer-Art und den zwei Arten der „Neuen Welt“, aus der Karibik und Hawaii, tiefgreifend waren“, kommentiert Prof. Dr. Alex Greenwood vom IZW in Berlin. Dies führte dazu, die Karibische und Hawaii-Mönchsrobbe in einer neuen Gattung namens Neomonachus zu klassifizieren.

Für den DNA-Vergleich arbeitete das Team des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin mit dem Smithsonian Institute in Washington DC und der Fordham Universität in New York zusammen. Die Analysen zeigen, dass die Karibische Mönchsrobbe näher mit der Hawaii- als mit der Mittelmeer-Mönchsrobbe verwandt ist.

Zudem entdeckten die WissenschaftlerInnen, dass sich die Karibische und die Hawaii-Mönchsrobbe vor rund drei bis vier Millionen Jahren in ihre unterschiedlichen Arten aufgetrennt haben. Zur gleichen Zeit wurden der Atlantische und Pazifische Ozean durch die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika (Isthmus von Panama) getrennt und dadurch auch die beiden Mönchsrobbenarten voneinander isoliert.

„Diese Untersuchungen sind sehr spannend, da sie uns eine klare Vorstellung über die Evolution von Mönchsrobben geben. Die neu entdeckten Zusammenhänge heben die Dringlichkeit hervor, diese bemerkenswerten und hoch bedrohten Robben zu bewahren“, kommentiert Kristofer Helgen, Kurator der Säugetierabteilung am Smithsonian National Museum of Natural History.

„Wir identifizieren gelegentlich neue Arten großer Säugetiere, wie das beim Anden-Makibär (Olinguito) der Fall war, den wir im letzten Jahr entdeckt haben“, sagt Graham Slater von der Smithsonian Institution. „Aber eine neue Gattung benennen zu dürfen, und noch dazu eine Gattung der Robben, ist sehr selten und eine große Ehre.“

Die Gruppe der Mönchsrobben ist im Gegensatz zu anderen Robben an das Leben in wärmeren Gewässern angepasst. Die Hawaii-Mönchsrobbe verbleibt nach dem Aussterben der Karibischen Art, als letzte der Gattung Neomonachus - genau wie die Mittelmeer-Art der Gattung Monachus. Beide Arten stehen als stark gefährdet auf der Roten Liste der „International Union for Conservation of Nature (IUCN; Weltnaturschutzunion)“. Mit einer verbleibenden Zahl von 1.200 Hawaii- und weniger als 600 Mittelmeer-Mönchsrobben gehören sie zu den seltensten Säugetierarten der Erde.

Publikation:
Scheel DM, Slater GJ, Kolokotronis S-O, Potter CW , Rotstein DS, Tsangaras K, Greenwood AD, Helgen KM (2014): Biogeography and taxonomy of extinct and endangered monk seals illuminated by ancient DNA and skull morphology. ZooKeys 409: 1–33, DOI: 10.3897/zookeys.409.6244.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Straße 17
10315 Berlin

Prof. Dr. Alex Greenwood
Tel.: +49 30 5168 255
Email: greenwood@izw-berlin.de

Steven Seet (Pressesprecher)
Tel.: +49 30 5168-125
Email: seet@izw-berlin.de

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. Das IZW ist ein Institut des Forschungsverbundes Berlin e. V.

Weitere Informationen:

http://www.izw-berlin.de - Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Karl-Heinz Karisch | Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise