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Verträgt der Regenwald globale Erwärmung?

12.11.2010
Extreme Warmzeit vor 56 Mio. Jahren gab Artenvielfalt starken Schub

In den tropischen Regenwäldern wird es wärmer. Konservativen Schätzungen zufolge ist bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit einer Temperaturerhöhung von drei Grad Celsius zu rechnen. Bedeutet das den Untergang der Regenwälder? Vielleicht nicht.

Während einer extremen Warmphase vor 56 Millionen Jahren gedieh der Regenwald bei Temperaturen, die drei bis fünf Grad höher waren als heute, und bei atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentrationen, die um das Zweieinhalbfache höher lagen. Das berichten Carlos Jaramillo und seine Mitarbeiter vom Smithsonian Tropenforschungsinstitut in Panama in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Science“. Lineth Contreras Arias, seit fünf Monaten Doktorandin am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität, war an diesen Untersuchungen beteiligt.

„Dies ist eine der ersten Studien an Material, das aus der Nähe des Äquators stammt“, erläutert Jörg Pross, Paläoklimatologe am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität die Bedeutung der Ergebnisse. Bisherige Analysen bezogen sich vor allem Proben aus den kühleren Regionen der höheren Breitengrade. Will man aber durch einen Rückblick in die Erdgeschichte prognostizieren, wie der Regenwald auf das zu erwartende feucht-heiße Klima reagieren wird, braucht man Material aus den tropischen Regionen.

Die Wissenschaftler untersuchten Pollen in Bohrkernen und Sedimenteinschlüssen aus Kolumbien und Venezuela. Sie stammen aus der Zeit vor, während und nach einer plötzlichen globalen Erwärmung an der Paläozän/Eozän-Grenze, deren Temperatur-Maximum vor 56,3 Millionen Jahren lag. Damals verdoppelte sich der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre innerhalb von nur 10.000 Jahren. Die Warmzeit hielt 200.000 Jahre an.

Im Gegensatz zu der Annahme, dass tropische Regenwälder unter diesen Bedingungen vernichtet werden könnten, nahm die Biodiversität während dieser Warmzeit rapide zu. Auch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Feuchtigkeit nicht wesentlich abnahm. Vieles spricht dafür, dass der Regenwald sich während der kurzen und intensiven Warmzeit bestens entwickelt hat.

Publikation: Jaramillo et al.: Effects of Rapid Global Warming at the Paleocene-Eocene Boundary on Neotropical Vegetation. Science.

Informationen: Lineth Contreras Arias, Institut für Geowissenschaften, Tel: (069) 798 40177, ContrerasArias@em.uni-frankfurt.de (Frau Contreras beantwortet Anfragen in englisch oder spanisch).

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

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