Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbesserte Wirkstofftestung für Inhalationstherapien

06.05.2014

Höhere Trefferquoten und geringere Kosten durch ein verbessertes Wirkstoffscreening: Darauf lässt ein neues Zell-basiertes Testsystem für inhalative Therapien hoffen. In dem sogenannten ALICE-CLOUD* System können Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München (HMGU) die Wirksamkeit aerosolierter Medikamente auf Luft-exponierte Lungenzellen unter physiologischen Bedingungen prüfen. Das neue Testsystem wurde in der Fachzeitschrift ‚American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology‘ vorgestellt.

Lungengewebe ist auf der einen Seite von Luft, auf der anderen Seite von Gewebsflüssigkeit umgeben. Dadurch sind die Zellen des Lungengewebes einer Inhalationstherapie zugängig, bei der die Wirkstoffe in Aerosolform angewandt werden.

Echtheit aus der Petrischale

Ein System für die optimierte Wirkstofftestung zu entwickeln, ist nun einem Wissenschaftlerteam um Dr. Otmar Schmid, PD Dr. Silke Meiners und Prof. Dr. Oliver Eickelberg vom Comprehensive Pneumology Center (CPC) am HMGU gelungen. „Das Zellsystem ahmt die Luft-Flüssigkeitsbedingungen an Lungengewebe nach“, erklärt Letztautor Schmid. „Dieses ALICE-CLOUD System ermöglicht es, Wirkstoffe für Inhalationstherapien in vitro – also nicht am lebenden Organismus, aber dennoch unter realistischen, physiologischen Bedingungen im Labor zu testen.“

ALICE-CLOUD schließt technologische Lücke

Bisher wurden neue Inhalationssubstanzen an Lungenzellen, die vollständig von Flüssigkeit bedeckt sind, getestet – Bedingungen, die die Eigenschaften der Zellen sowie der Wirkstoffe verfälschen. Physiologisch realistische Luft-exponierte Zellsysteme sind zwar schon seit längerem verfügbar, sie wurden bisher aber nur selten für die Wirkstoffforschung eingesetzt, da sie entweder ineffizient waren oder keine exakte aerosolierte Wirkstoffapplikation zuließen. Das ALICE-CLOUD System nutzt erstmals die spezifischen Bewegungsmerkmale von dichten Aerosolwolken für die einfache und gleichzeitig genaue Wirkstoffbehandlung von Luft-exponierten Lungenzellen.

Mit dem wirklichkeitsgetreuen Zellsystem können effektive Wirkstoffscreenings durchgeführt werden. Dies verbessert die Auswahl potenzieller neuer Wirkstoffe für klinische Studien und könnte die Kosten sowie die Anzahl nötiger Tierversuche bei der Medikamentenentwicklung generell senken, berichten die Wissenschaftler. Die Technologie wird in Zusammenarbeit mit der Vitrocell Systems GmbH bereits für den wissenschaftlichen Bedarf zur Verfügung gestellt.

Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. Als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt liegt der Schwerpunkt des Helmholtz Zentrums München auf den großen Volkskrankheiten. Ziel ist es, neue Ansätze für Diagnostik, Therapie und Prävention zu entwickeln.

Weitere Informationen

*ALICE-CLOUD: Air-Liquid Interface Cell Exposure System

Original-Publikation:
Lenz, A.-G. et al. (2014): Efficient bioactive delivery of aerosolized drugs to human pulmonary epithelial cells cultured at air-liquid interface conditions, American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology. doi: 10.1165/rcmb.2013-0479OC

Link zur Fachpublikation http://www.atsjournals.org/doi/abs/10.1165/rcmb.2013-0479OC#.U2iYA_l_t_5

Die Arbeit wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Spitzencluster München m4.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung. http://www.helmholtz-muenchen.de/index.html

Das Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) ist ein Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Ziel des CPC ist die Erforschung chronischer Lungenerkrankungen, um neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln. Das CPC führt mit der Untersuchung zellulärer, molekularer und immunologischer Mechanismen von Lungenerkrankungen den Schwerpunkt der experimentellen Pneumologie an. Das CPC ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.cpc-munich.org/index.php?id=8867&L=1

Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Lungenforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. Ziel des DZL ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Erforschung von Lungenkrankheiten zu finden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie zu leisten. http://www.dzl.de/index.php/en/

Fachliche Ansprechpartner
Dr. Otmar Schmid, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumoloy Center, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89-3187-2557 - E-Mail: otmar.schmid@helmholtz-muenchen.de

Prof. Dr. Oliver Eickelberg, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumoloy Center, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München - Tel.: 089-3187-4666 - E-Mail: oliver.eickelberg@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/artic...

Susanne Eichacker | Helmholtz-Zentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Darmflora beeinflusst das Altern
21.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten