Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urzeitliche Farbstoffe in heutigen Tiefseebewohnern

17.02.2015

Göttinger Geobiologe weist charakteristische Farbstoffe in fossilen und heutigen Seelilien nach

Ursprüngliche organische Farbstoffe sind bei Fossilien in aller Regel nicht erhalten. Deshalb gibt es zur einstigen Verbreitung von Farbstoffen in einzelnen Tiergruppen oder gar zur tatsächlichen Färbung von Urzeittieren kaum Informationen. Auch die Naturstoffe von heutigen Organismen aus der Tiefsee sind bislang nur wenig erforscht.


Fossile Crinoide aus dem Jura (links) und heutige Crinoide (rechts) mit Chinon-Farbstoffen.

Foto: PNAS/Universität Göttingen

Dr. Klaus Wolkenstein vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen konnte jetzt sowohl bei einer Vielzahl von fossilen Seelilien und Haarsternen (Crinoiden) aus der Jura- und Trias-Zeit als auch bei noch heute lebenden Seelilien aus der Tiefsee die gleiche Gruppe von Chinon-Farbstoffen (Hypericine) nachweisen.

So konnte er erstmals zeigen, dass diese Farbstoffe in den mit Seeigeln und Seesternen verwandten Meerestieren seit mindestens 240 Millionen Jahren weitverbreitet vorkommen und sich im Laufe der Crinoiden-Evolution fast nicht verändert haben. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) erschienen.

„Die große Beständigkeit und weite Verbreitung der Hypericine in der Entwicklungsgeschichte der Crinoiden deutet darauf hin, dass die Stoffe für die Crinoiden wichtige Funktionen erfüllten und etwa der Fraßabwehr oder dem Schutz vor Bewuchs durch andere Organismen dienten“, sagt Dr. Wolkenstein. Die verblüffende Übereinstimmung von fossilen und heutigen Crinoiden-Farbstoffen ermöglicht darüber hinaus Rückschlüsse auf die tatsächliche Färbung der Crinoiden in der Urzeit.

Hypericine können, je nachdem in welcher chemischen Form sie vorliegen, eine violette oder grünliche Färbung aufweisen. Heutige durch Hypericine gefärbte Crinoiden sind häufig dunkelgrün gefärbt. „Deshalb könnte es sein, dass Crinoiden in der Urzeit nicht, wie gelegentlich in Lebensdarstellungen im Museum zu sehen ist, leuchtend rot oder orange gefärbt waren, sondern dunkelgrün wie ihre heutigen Nachfahren in der Tiefsee“, so Dr. Wolkenstein.

Originalveröffentlichung: Klaus Wolkenstein (2015): Persistent and widespread occurrence of bioactive quinone pigments during post-Paleozoic crinoid diversification. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. Doi: 10.1073/pnas.1417262112.

Kontaktadresse:
Dr. Klaus Wolkenstein
Georg-August-Universität Göttingen
Geowissenschaftliches Zentrum – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen, Telefon 0551-39-7955
E-Mail: klaus.wolkenstein@geo.uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.geobiologie.uni-goettingen.de/index.shtml

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie