Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Ursprung des Paarlebens auf der Spur

16.08.2013
Göttinger Wissenschaftler untersuchen fünf Jahre lang das Sozialverhalten von Primaten

Ein Großteil aller Menschen lebt in Zweierbeziehungen. Wie sich diese Lebensweise in der Evolution herausgebildet hat, ist unklar. Verhaltensforscher der Universität Göttingen und des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie konnten jetzt bei einer Primatenart über Jahre stabile Paarbindungen nachweisen.


Männchen-Weibchen Freundschaft bei Assam-Makaken.
Foto: Universität Göttingen

Assam-Makaken leben in promisken Gruppen, in denen sich mehrere Männchen und Weibchen miteinander paaren. Die im Fachmagazin Animal Behaviour veröffentlichten Ergebnisse weisen darauf hin, dass Zweierbindungen auch für promiske Arten vorteilhaft sein können, wenn sich dadurch Paarungsprivilegien für die Paarpartner ergeben.

Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Julia Ostner und Dr. Oliver Schülke vom Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“ der Universität Göttingen beobachteten knapp fünf Jahre lang die Sozialbeziehungen in einer Gruppe von Assam-Makaken (Macaca assamensis) im thailändischen Naturschutzgebiet Phu Khieo. Dabei stellten sie fest, dass einzelne Männchen und Weibchen stabile Bindungen bis zu einem Zeitraum von drei Jahren unterhielten. Die jeweiligen Partner paarten sich bevorzugt miteinander – trotz der grundsätzlich promisken Lebensweise und strengen Hierarchie innerhalb der Gruppe. Die Männchen verbrachten anschließend verstärkt Zeit mit den Nachkommen ihrer Bindungspartnerinnen. Untersuchungen zeigten, dass die Männchen in der Regel auch die genetischen Väter der Jungtiere waren.

„Wir waren sehr überrascht, dass der Paarungserfolg eines Männchens nicht nur von seinem Rang innerhalb der Männchen-Hierarchie beeinflusst war, sondern auch davon, ob es eine Bindung zu Weibchen hatte“, so Studienleiterin Prof. Ostner. Im Gegensatz zu vielen anderen Primaten, jedoch ähnlich dem Menschen, wissen männliche Assam-Makaken nicht, wann ein Weibchen empfängnisbereit ist. Das führt dazu, dass die ranghöchsten Männchen der Gruppe nicht die fruchtbaren Weibchen für sich monopolisieren können. Gerade für Männchen mit niedrigem Rang lohne es sich unter diesen Bedingungen eine Bindung mit einem Weibchen einzugehen, um eine größere Chance zu haben, sich wenigstens mit diesem Weibchen fortzupflanzen. Über den engen Kontakt zu ihrem Nachwuchs könnte auch der Kontakt zu den Müttern eng bleiben und die Paarbeziehung weiter stabilisieren. Häufigster Trennungsgrund war der Tod des Männchens oder sein Abwandern in eine andere Gruppe.

Ähnliche Beobachtungen wurden auch bei Schimpansen gemacht, die ebenfalls in promisken Gruppen leben: Die Männchen pflanzen sich hier offenbar erfolgreicher fort, wenn sie enge Bindungen zu einzelnen Weibchen pflegen. Während als Erklärung zur Paarbildung bei Schimpansen die große räumliche Verteilung der Weibchen angenommen wird, zeigt die Göttinger Studie einen anderen Weg zur Paarbeziehung auf, nämlich über das Verschleiern der weiblichen Fruchtbarkeit und den daraus resultierenden Vorteilen von Paarungsprivilegien. „Unsere Studie deutet darauf hin, dass sich das Paarleben bei Primaten einschließlich des Menschen auch aus sozialen Gruppen heraus entwickelt hat und sie zeigt, wie dies im Laufe der Evolution stattgefunden haben könnte“, ergänzt Prof. Ostner.

Originalveröffentlichung: Julia Ostner et al.: Stable heterosexual associations in a promiscuous primate, Animal Behaviour, Doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.anbehav.2013.07.004.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Julia Ostner
Georg-August-Universität Göttingen
Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“
Kellnerweg 6, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-9636
E-Mail: julia.ostner@biologie.uni-goettingen.de

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/126972.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks
17.02.2017 | Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Münster

nachricht Der Entropie auf der Spur
17.02.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung