Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ursachen von Bluthochdruck durch Hormonstörung geklärt

05.08.2013
Bei immer mehr Patienten diagnostizieren Ärzte primären Hyperaldosteronismus. Dabei handelt es sich um eine Form des Bluthochdrucks, die durch eine Überproduktion des Nebennierenhormons Aldosteron gekennzeichnet ist.

Ein internationales Team mit Beteiligung von Jülicher Wissenschaftlern hat eine neue genetische Ursache für dieses Krankheitsbild gefunden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Genetics (doi: 10.1038/ng.2695) nachzulesen.


Auswirkungen eines gesteigerten Calcium-Einstroms in Adenom-Zellen: Eine Erhöhung der Calcium-Konzentration steigert die Aldosteronproduktion und das Zellwachstum.
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Aldosteron ist ein Steroidhormon, das normalerweise in der äußersten Schicht der Nebennierenrinde gebildet wird. Es bewirkt, dass der menschliche Körper über die Niere und den Darm vermehrt Natrium und Wasser aufnimmt, was zu einer Steigerung des Blutdrucks führt.

Die Überproduktion des Hormons geht in rund einem Drittel der Fälle auf gutartige Tumoren in der Nebenniere, sogenannte Adenome, zurück. Die Autoren Dr. Ute Scholl, Gerald Goh und Prof. Richard Lifton vom Department of Genetics der Yale University haben die Tumoren untersucht und erstmals Mutationen im Gen CACNA1D nachgewiesen, das den Bauplan für den Calciumkanal CaV1.3 bestimmt.

Calciumkanäle in der Zellmembran steuern, wie viele Calcium-Ionen in die Zelle gelangen, und dienen damit der Regulation physiologischer Prozesse. Vorgänge wie beispielsweise die Muskelkontraktion, die Bereitstellung von Neurotransmittern oder die Synthese von Hormonen wie Aldosteron sind abhängig vom Calcium-Einstrom in die Zellen.

„Welche Rolle CaV1.3 in der Nebenniere spielt, und ob die beobachteten Variationen der Gensequenz seine Funktion beeinträchtigen, war bisher nicht klar “, erläutert Mitautorin Dr. Patricia Hidalgo vom Jülicher Institute of Complex Systems (ICS-4). „Wir konnten zeigen, dass die Mutationen das Schaltverhalten der Kanäle verändern, wodurch sich die Überproduktion von Aldosteron vollständig erklären lässt.“

Der Calciumkanal wird durch Veränderungen der elektrischen Spannung, die in allen Zellen zwischen dem Zellinneren und dem Zelläußeren anliegt, aktiviert. Die neu beschriebenen Mutationen führen dazu, dass sich der Ionenkanal schon bei niedrigeren Spannungen öffnet. Dadurch gelangen mehr Calcium-Ionen in die Zelle, was zu einem erhöhten Stimulus für die Aldosteron-Produktion führt. Auch das Zellwachstum nimmt zu, sodass sich Tumoren bilden können. Die Wissenschaftler konnten die Genvarianten nicht nur in Nebennieren-Tumoren, sondern auch im Erbgut von Patienten nachweisen. Die Betroffenen leiden an einer vererbbaren Form des Bluthochdrucks, die schon im Kindesalter auftritt.

Neben neuen Einblicken in den Krankheitsmechanismus liefert die nun veröffentlichte Arbeit auch einen klar definierten pharmakologischen Angriffspunkt für die Behandlung dieser Erkrankungen. Die Ergebnisse könnten es ermöglichen, spezifische Blocker gegen die übermäßige Aktivierung des Calciumkanals zu identifizieren. Das ist auch eines der Ziele der Jülicher Arbeitsgruppe um Dr. Hidalgo, Gabriel Stölting und Prof. Christoph Fahlke (alle ICS-4) für die Zukunft.

Originalpublikation:

Somatic and germline CACNA1D calcium channel mutations in aldosterone-producing adenomas and primary aldosteronism.
Ute I Scholl, Gerald Goh, Gabriel Stölting, Regina Campos de Oliveira, Murim Choi, John D Overton, Annabelle L Fonseca, Reju Korah, Lee F Starker, John W Kunstman, Manju L Prasad, Erum A Hartung, Nelly Mauras, Matthew R Benson, Tammy Brady, Jay R Shapiro, Erin Loring, Carol Nelson-Williams, Steven K Libutti, Shrikant Mane, Per Hellman, Gunnar Westin, Göran Åkerström, Peyman Björklund, Tobias Carling, Christoph Fahlke, Patricia Hidalgo & Richard P Lifton

Nature Genetics (published online 4 August 2013); DOI: 10.1038/ng.2695

Weitere Informationen:

Institute of Complex Systems, Bereich Zelluläre Biophysik (ICS-4)
http://www.fz-juelich.de/ics/ics-4/DE/Home/home_node.html
Ansprechpartner:
PD Dr. Patricia Hidalgo
Institute of Complex Systems, Bereich Zelluläre Biophysik (ICS-4)
Tel. 02461 61-9502
pa.hidalgo@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Tobias Schlößer
Tel. 02461 61-4771
t.schloesser@fz-juelich.de

Tobias Schlößer | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik