Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unscheinbar und oft tödlich: Neuer Algorithmus zur Unterscheidung von Melanomsubtypen entwickelt

21.10.2013
Forscher der Universität Ulm und der Columbia University haben einen diagnostischen Algorithmus zur Unterscheidung bösartiger Melanom-Subtypen entwickelt.

Äußerlich sehen sich das desmoplastische und das gefährlichere spindelzellige Melanom zum Verwechseln ähnlich: Sie sind nicht-pigmentiert und gleichen teilweise einer Narbe – und auch der histologische Befund bringt nicht immer Klarheit. Die Wissenschaftler haben Tumorproben auf bereits bekannte Biomarker untersucht und so den Algorithmus entwickelt, der eine Differentialdiagnose sichert.

Die 48-jährige Patientin stellt sich mit einer narbenartigen Hautveränderung auf der Stirn beim Hautarzt vor. Was auch der erfahrene Praktiker unter dem Auflichtmikroskop nicht sofort erkennt: Am Kopf der Frau wächst ein desmoplastisches Melanom, also Hautkrebs. Und auch nach Entnahme einer Hautprobe fällt die Differentialdiagnose schwer. Ähnlichkeiten bestehen vor allem zum gefährlicheren spindelzelligen Melanom.

Jetzt haben Forscher der Universität Ulm und der Columbia University einen Algorithmus entwickelt, mit dem sich die bösartigen Melanom-Subtypen unterscheiden lassen. Die Hauttumore sehen sich zwar zum Verwechseln ähnlich, Prognose und Therapie weichen jedoch voneinander ab. Ihre Studie haben die Wissenschaftler um Dr. Jochen Lennerz vom Ulmer Institut für Pathologie und die Doktorandin Stephanie Weißinger in der Fachzeitschrift Modern Pathology veröffentlicht.

Die untersuchten Melanom-Subtypen sind bisher unzureichend beachtet worden: Als nicht-pigmentierten Tumoren sind sie unscheinbar und ähneln kleinen Narben oder Einziehungen der Haut. Zudem gelten die Subtypen als selten. „Dabei sind spindelzellige Melanome, die am ganzen Körper vorkommen können und rasch streuen, auch bei kleinem Lokalbefund tödlich. Die Prognose bei desmoplastischen Melanomen ist deutlich günstiger“, erklärt Jochen Lennerz. Um die Subtypen auch bei unklarem histologischen Befund zuverlässig voneinander abzugrenzen, haben die Forscher 38 Tumorproben mit molekularbiologischen Testverfahren untersucht – darunter Expressionsanalysen, Fluoreszenz in situ Hybridisierungen, Immunohistochemie und Genotypisierungen. Im Zentrum stand die Suche nach 50 bereits bekannten Biomarkern.

Insgesamt konnten sie fünf spezifische Marker für spindelzellige Melanome und vier für desmoplastische Melanome identifizieren. In mehr als 90 Prozent der untersuchten Fälle ermöglichte der Nachweis des Biomarkers Melan A in Kombination mit der so genannten Trichromfärbung eine sichere Differentialdiagnose. „Wenige Marker reichen zur Unterscheidung aus – und einige waren wirklich sehr offensichtlich“, sagt Stephanie Weißinger.

An einer separaten Kohorte hat eine ausgewiesene Expertengruppe der Columbia University (New York, USA) um Professor David Silvers den Algorithmus der Ulmer Forscher geprüft und bestätigt. Nebenprodukt der Studie ist eine neue Technik zur Expressionsanalyse kleiner und seltener Tumorproben. Zudem haben die Forscher molekulare Veränderungen in den Proben gefunden – teilweise mit direkter Relevanz für die Therapie.

Besonders bemerkenswert: Die Erstautorin Stephanie Weißinger studiert nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester Medizin an der Universität Ulm. Noch vor Abschluss ihrer Promotion am Institut für Pathologie trug sie wesentlich zu der Studie bei. Ihr Arbeitsgruppenleiter Dr. Jochen Lennerz wird von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung gefördert.

Stephanie E Weissinger, Philipp Keil, David N Silvers, Beate M Klaus,Peter Möller, Basil A Horst and Jochen K Lennerz: A diagnostic algorithm to distinguish desmoplastic from spindle cell melanoma. Modern Pathology , (20 September 2013) | doi:10.1038/modpathol.2013.162

Weitere Informationen:
Dr. Jochen Lennerz: 0731/500-56301, jochen.lennerz@uni-ulm.de

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de
http://www.nature.com/modpathol/journal/vaop/ncurrent/full/modpathol2013162a.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie