Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie uns Stress gesund erhält

18.05.2011
Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt neues Graduiertenkolleg an der Universität Jena

Stress macht auf Dauer krank – darüber herrscht heute weitgehend Einigkeit. Ein ständig erhöhter Adrenalinspiegel treibt den Blutdruck in die Höhe, macht rast- und ruhelos und führt langfristig zu Erschöpfung und Krankheit.

In kleineren Dosen jedoch können Stressreize durchaus gesundheitsfördernde Wirkung haben: „Allein die Dosis macht das Gift“, wusste bereits im 16. Jahrhundert der Arzt und Philosoph Paracelsus. „In Maßen können sonst potenziell gefährliche Stressreize dazu führen, dass körpereigene Schutzmechanismen ausgelöst werden“, erläutert Prof. Dr. Reinhard Wetzker vom Universitätsklinikum Jena und verweist auf das Beispiel freier Sauerstoffradikale.

Diese hochreaktiven Verbindungen tragen maßgeblich zur Entstehung zahlreicher degenerativer Erkrankungen bei, wie Diabetes oder Alzheimer. „In geringen Dosen jedoch aktivieren sie die Abwehrmechanismen des Organismus“, so der Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Molekularbiologie weiter. Zu diesen neuen Erkenntnissen haben Jenaer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wesentlich beigetragen.

Wie unterschiedlich Zellen und Organismen auf Stressreize in Abhängigkeit von deren Stärke, Häufigkeit und Qualität reagieren, das können Jenaer Nachwuchswissenschaftler künftig intensiv erforschen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat der Friedrich-Schiller-Universität soeben ein neues Graduiertenkolleg bewilligt, das ab 2012 mit rund drei Millionen Euro gefördert wird. Die Laufzeit des Kollegs mit dem Titel „Molekulare Signaturen adaptiver Stressreaktionen“ beträgt viereinhalb Jahre. An dem interdisziplinären Forschungsverbund sind sechs Teilprojekte aus dem Universitätsklinikum, fünf Projekte aus der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät sowie drei Projekte des Jenaer Leibniz-Instituts für Altersforschung (Fritz-Lipmann-Institut) beteiligt, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs beste Bedingungen bieten werden.

„Obwohl die dosis-abhängige Anpassung lebender Zellen an verschiedenste Stressreize seit langem bekannt ist, sind die zugrundeliegenden molekularen Prozesse noch weitgehend unverstanden“, macht Prof. Wetzker deutlich, der Sprecher des neuen Graduiertenkollegs ist. Genau hier wollen die Jenaer Forscher ansetzen. „Wir planen die spezifischen Signalreaktionen zu untersuchen, die das ambivalente Reaktionsverhalten von Zellen und Organismen auf Stressreize bestimmen“, sagt Prof. Wetzker. Von den Ergebnissen dieser experimentellen Untersuchungen erwarten die Forscher ein besseres Verständnis der molekularen Reaktionsmuster von biologischen Systemen auf Stresseffekte. Zudem sollen die Untersuchungen neue Ansätze zur Nutzung des menschlichen Potenzials zur Abwehr und Regeneration in der Medizin erschließen.

„Wir wollen den Doktorandinnen und Doktoranden Einblicke in das enge Wechselspiel fundamentaler biologischer Phänomene vermitteln, wie Leben und Tod, Krankheit und Genesung und die zugrundeliegenden komplexen molekularen Prozesse deutlich machen“, kündigt Wetzker an. Dazu bietet das neue Kolleg ein breit gefächertes Programm von Vorlesungen, Seminaren, Workshops, internationalen Symposien und Gastaufenthalte bei renommierten Partnern an. So ist etwa geplant, die bestehende enge Kooperation mit chinesischen Forschern mittelfristig zu einer „International Research Training Group“ auszubauen. Darüber hinaus kooperiert das neue Graduiertenkolleg mit dem Jenaer Zentrum für Systembiologie des Alterns (JenAge) und dem Center for Sepsis Control and Care (CSCC). Durch die enge Anbindung an diese Forschungsverbünde werden die Jenaer Schwerpunkte „Altern und altersassoziierte Erkrankungen“ sowie „Sepsis und Sepsisfolgen“ nachhaltig gestärkt, ist Sprecher Wetzker sicher.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Wetzker
Institut für Molekulare Zellbiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Hans-Knöll-Straße 2, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 9395600
E-Mail: reinhard.wetzker[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften