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Universität Tübingen an der Entwicklung individueller Impfstoffe zur Krebsbehandlung beteiligt

04.07.2013
Im EU-finanzierten Konsortium GAPVAC bündeln 14 europäische und US-amerikanische Einrichtungen ihre Aktivitäten bei der Entwicklung individueller Impfstoffe für Patienten mit Hirntumoren.

Ein hoch innovatives Projekt zur Entwicklung einer neuen Klasse von Krebsimpfstoffen, die in der Behandlung von Patienten mit Hirntumoren eingesetzt werden sollen, geht an den Start: Dazu haben sich 14 Biotechnologiefirmen und Forschungseinrichtungen unter dem Namen GAPVAC (Glioma Actively Personalized VAccine Consortium – Konsortium für die individuelle aktive Impfung gegen Hirntumore) zusammengeschlossen.

GAPVAC wird über das 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union mit sechs Millionen Euro gefördert. Die Arbeitsgruppe von Professor Hans-Georg Rammensee vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ) der Universität Tübingen wird im Wirkstoffpeptidlabor der Medizinischen Fakultät die Herstellung der individuellen Impfstoffe übernehmen.

Das Konsortium GAPVAC wird von der immatics biotechnologies GmbH, einem Spin-off-Unternehmen der Universität Tübingen aus der Abteilung von Professor Rammensee mit Sitz in Tübingen und München, und der BioNTech AG in Mainz koordinierend geleitet. Beide Firmen widmen sich der Entwicklung von Krebstherapien über einen Ansatz mit Biomarkern.

Die Grundidee besteht darin, bei der Behandlung von Krebs die Fähigkeiten des menschlichen Immunsystems zu nutzen, das Zellen mit fremden Strukturen wie Krankheitserreger oder schadhafte eigene Zellen erkennen und vernichten kann. Die Zellen eines bösartigen Tumors tragen spezifische und bei jedem Patienten individuelle Strukturen, auf die das eigene Immunsystem gezielt angesetzt werden soll.

Im Projekt GAPVAC sollen die dafür benötigten individuellen aktiven Impfstoffe (APVACs) für jeden einzelnen Patienten und sein Immunsystem designt und hergestellt werden. Die Projektpartner kombinieren zur Entwicklung der optimalen Therapie neueste Technologie wie Sequenzierungsverfahren der neuen Generation, hochempfindliche Massenspektrometrie und Ansätze aus dem Immunomonitoring, mit dem Forscher die durch eine Impfung ausgelöste Antwort des Immunsystems messen. Sie konzentrieren sich auf das Glioblastom, eine aggressive Form des Hirntumors mit schlechter Prognose, bei dem mit den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten die Lebenszeit kaum verlängert werden kann.

Mit dem Projekt wollen die Forschungs- und Industriepartner zeigen, dass die neuartigen Impfstoffe, die APVACs, für die Patienten gut verträglich sind und eine starke spezifische Immunantwort gegen die Krebszellen auslösen. Sie wollen auch demonstrieren, dass dieser individualisierte Ansatz in der Behandlung machbar ist.

Die Firmen immatics und BioNTech wollen diesen individuellen Ansatz in der Immuntherapie in die klinische Entwicklung bringen. Kern des Projekts GAPVAC ist eine klinische Studie der Phase I, in die 30 Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom aufgenommen werden sollen und die voraussichtlich im kommenden Jahr beginnt. Sobald der chirurgische Eingriff und die Anfangsradiochemotherapie abgeschlossen sind, werden die Patienten neben einer Chemotherapie, wie sie bisher Standard in der Behandlung ist, wiederholt mit einem jeweils individuell hergestellten Impfstoff immunisiert. Die klinische Studie wird von den Universitätskliniken in Heidelberg und Genf geleitet; die Universitätsklinik für Neurochirurgie in Tübingen unter Leitung von Professor Marcos Tatagiba ist beteiligt.

Das GAPVAC-Programm wäre ohne die Peptidherstellung im Wirkstoffpeptidlabor der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen, das mit seiner Zulassung als GMP-Labor (Good Manufacturing Practice) höchsten medizinischen Ansprüchen genügt, nicht denkbar. Unter der Leitung von Professor Stefan Stevanoviæ vom IFIZ der Universität Tübingen werden dort die APVAC-Impfstoffe „on demand“ produziert.

Die Firma immatics übernimmt die Aufgabe, bei jedem Patienten die speziell von den Krebstumorzellen gebildeten Peptide, das sind kurzkettige Eiweißstoffe, aufzuspüren und zu analysieren, gegen welche ein APVAC-Impfstoff am besten einzusetzen wäre. BioNTech trägt weitere Komponenten für die Impfung gegen Glioblastome bei. Weitere Partner im Projekt GAPVAC sind Firmen, Kliniken und Forschungseinrichtungen in Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Israel und den USA.

Kontakt:
Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee
Universität Tübingen
Medizinische und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Interfakultäres Institut für Zellbiologie
Telefon +49 7071 29-87628
rammensee[at]uni-tuebingen.de

Myriam Hönig | idw
Weitere Informationen:
http://www.gapvac.eu

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