Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungewöhnliches Erfolgsrezept bei Bonobos

17.01.2012
Dominante Affenmänner investieren in freundschaftliche Paarbeziehungen

Bei vielen Tierarten konkurrieren die Männer um weibliche Individuen. Während der Paarungszeit steigt ihr Testosteronspiegel, der aggressives Verhalten und maskulines Aussehen fördert. Bei den Bonobos hingegen wird viel in freundschaftliche Beziehungen zu den Weibchen investiert. Ein erhöhter Testosteronspiegel oder gesteigerte Aggressivität würden mit dem gesteigerten Paarbindungsverhalten kollidieren.

Bonobos gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen. Wie andere Menschenaffen leben sie in Gruppen mit mehreren Männchen und Weibchen. Anders jedoch als bei anderen Menschenaffenarten sind die Männchen den weiblichen Gruppenmitgliedern nicht generell überlegen und können diese auch im Kontext von Paarungsverhalten nicht dominieren. Diese Konstellation lässt vermuten, dass die Selektion für typisch maskuline Verhaltensmuster wie Aggression, Dominanzstreben und intrasexuelle Konkurrenz von antagonistischen Kräften gesteuert wird: Zum einen ist es von Vorteil, wenn sich Männchen erfolgreich gegen gleichgeschlechtliche Konkurrenten durchsetzen. Dies impliziert jedoch gesteigerte Aggression und hohe Testosteronwerte bei ranghohen Männchen. Zum andern ist denkbar, dass wegen der ausgeglichenen Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern Männer eher von freundschaftlichen Beziehungen zu den Weibchen profitieren. Studien an Vögeln und Nagertieren zeigen, dass Paarbindungsverhalten sowohl mit verringerter männlicher Aggressivität als auch mit niedrigen Testosteronwerten einhergeht.

In einer aktuellen Studie haben Martin Surbeck, Gottfried Hohmann, Tobias Deschner und Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden, dass bei freilebenden Bonobos ranghohe Männchen aggressiver waren und einen höheren Paarungserfolg hatten als niederrangige Männchen. Im Gegensatz zu anderen Arten bei denen die Männer heftig um den Zugang zu Weibchen konkurrieren, gab es jedoch keinen Zusammenhang zwischen Dominanzstatus, Testosteron und Aggression. Außerdem zeigte sich, dass ranghohe Männchen viel häufiger in freundschaftliche Beziehungen zu Weibchen investieren als rangniedere Gruppenmitglieder, ein Hinweis dafür, dass die freundlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern mit niedrigeren Testosteronwerten der Männer in Verbindung stehen.

„Die an Bonobos gewonnenen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass, ähnlich wie beim Menschen, zwischengeschlechtliche Freundschaften zu hormonellen Mustern führen können, wie sie von Arten bekannt sind, bei denen sich Männer aktiv an der Aufzucht der Jungen beteiligen oder wo die Geschlechter dauerhafte Paarbindungen eingehen“, sagt Martin Surbeck.

Ansprechpartner
Dr. Tobias Deschner
Abteilung für Primatologie
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-207
E-Mail: deschner@eva.mpg.de
Sandra Jacob
Press and Public Relations
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
Fax: +49 341 3550-119
E-Mail: jacob@eva.mpg.de
Publikationsreferenz
Martin Surbeck, Tobias Deschner, Grit Schubert, Anja Weltring, Gottfried Hohmann
Mate competition, testosterone and intersexual relationships in bonobos (Pan paniscus)

Animal Behavior, 9. Januar 2011

Dr. Tobias Deschner | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/4983711/Bonobos_Testosteron

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Mechanismus der Gen-Inaktivierung könnte vor Altern und Krebs schützen
23.02.2017 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

nachricht Alge im Eismeer - Genom einer antarktischen Meeresalge entschlüsselt
23.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie