Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unbekannte Toxine bei Remipedia entdeckt

07.08.2017

Über die Krebsgruppe Remipedia ist bislang nur wenig bekannt. Jetzt fanden der Evolutionsbiologe Dr. Björn Marcus von Reumont und sein Team von der Universität Leipzig heraus, dass Xibalbanus tulumensis, ein Vertreter diese Gruppe, einen eigenen Giftcocktail mit unterschiedlichen Gift-Proteinen produziert. Einige der Proteine sind für die Wissenschaft vollkommen neu. Bei einem der Toxin-Proteine im Giftcocktail der Remipedien handelt es sich um ein potenzielles Nervengift, das dem der Trichternetzspinnen sehr ähnlich ist.

Das Gift dieser Spinnen wird bei der Entwicklung hochspezifischer Insektizide oder pharmazeutischer Wirkstoffe verwendet. Deshalb könnte die Entdeckung auch die angewandte Forschung interessieren. Die Wissenschaftler haben ihre neuen Erkenntnisse über die Remipedia soeben im Fachjournal "Toxins" veröffentlicht.


Dr. Björn Marcus von Reumont sucht im Höhlensystem “Systema Crustacea” in Mexiko in 25 Metern Tiefe nach Remipedien.

Foto: Privat


Remipedia

Foto: Dr. Björn Marcus von Reumont/ Universität Leipzig

Gemeinsam mit Forschern aus London und Brisbane hatte von Reumont einen Vertreter der vier Zentimeter langen Remipedien untersucht, die in der Karibik, auf den Kanaren und in Australien vorkommen. Bis zu dieser Entdeckung war unklar, ob Remipedia überhaupt Gift produzieren.

Der Biologe fand heraus, dass die in Mexico vorkommende Art Xibalbanus tulumensis eigene Toxine entwickeln, die bei sonst keiner anderen Tiergruppe vorkommen. Außerdem erfüllen die einzelnen Teile dieser Giftmischung unterschiedliche Funktionen:

„Unsere neuen Ergebnisse zeigen, dass sie dabei ein Multikomponenten-Gift mit 32 verschiedenen Toxin-Proteinen verwenden. Einige der Proteine sind strukturell bekannten Neurotoxinen ähnlich und lähmen die Beute vermutlich zunächst. Dann werden andere Toxine injiziert, die unter anderem die innere Struktur der Beute auflösen. Am Ende kann dann die verflüssigte Beute eingesaugt werden“, berichtet von Reumont.

Sie leben in Höhlen, die sowohl eine Verbindung zum Meer als auch einen Zugang zum Land haben. Hier vermischen sich Meer– und Süßwasser miteinander. In 20 bis 25 Metern Tiefe halten sich die farblosen und blinden Tiere in der sauerstoff- und nahrungsarmen Meerwasserzone auf.

„Über die Biologie der Remipedia ist auch durch diesen schwierig zu erforschenden Lebensraum noch wenig bekannt, ihre Evolution und Verbreitung sind auch noch nicht vollständig erklärt“, sagt der Biologe und Höhlentaucher von Reumont.

In einer früheren Studie hatte er mit molekularen Analysen herausgefunden, dass die Remipedien am engsten mit den Insekten verwandt sind. Zuvor galten sie aufgrund ihrer äußeren Gestalt als die ältesten Krebse.

Es handelt sich bei Remipedia um eine eigene Klasse der Krebse. Remipedia bedeutet auf Lateinisch “ruderfuessler”. Die Klasse der Remipedia umfasst zurzeit nur 29 beschriebene Arten.

Originaltitel der Veröffentlichung in "Toxins":

"Venomics of Remipede Crustaceans Reveals Novel Peptide Diversity and Illuminates the Venom’s Biological Role", Doi: 10.3390/toxins9080234


Weitere Informationen:

Dr. Björn Marcus von Reumont
Institut für Biologie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97 36742
E-Mail: bjoern_marcus.von_reumont@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.mdpi.com/2072-6651/9/8/234

Susann Huster | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Biologie Gift Insektizide Proteine Remipedia Toxine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung