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Umweltgift und neue Krankheiten: Forscher untersuchen Einflüsse auf die Bienengesundheit

17.08.2010
Bienenforscher der Universität Hohenheim untersuchen Wechselwirkungen von Bienenkrankheiten und Pestiziden

Um über 50% sank die Zahl der Bienenvölker in Europa in den vergangenen 50 Jahren. Weltweit neue Bienenkrankheiten und zunehmende Umweltbelastung sind die Haupt-Stressfaktoren für Honigbienen.

Jetzt wollen Forscher der Universität Hohenheim Ursachen und Auswirkungen des Rückgangs erstmals im Rahmen eines EU-Kooperationsprojektes systematisch untersuchen. Drei Jahre lang werden sie Zusammenhänge zwischen Umwelt, Krankheit und dem Bienenvolk aufdecken. Die EU fördert bei einem Gesamtvolumen von 3,0 Mio. die Hohenheimer Bienenkunde mit 0,25 Mio. und macht das Projekt damit zu einem der Schwergewichte der Forschung in Hohenheim. Insgesamt elf Universitäten aus neun Ländern beteiligen sich an dem Forschungsprojekt.

Mit verkrüppelten Flügeln kommt die frisch geschlüpfte Biene zur Welt. Das fleißige Helferlein kann damit seine Aufgaben für den Bienenstock nicht oder nur unzureichend erfüllen. Die Varroa-Milbe hatte sich bereits in der Brutzelle eingenistet und dort Bienenblut von Larve und Puppe gesaugt, teilweise mit schwerwiegenden Folgen. Häufig erkranken die Bienen gleichzeitig auch an Sekundärinfektionen, wie dem “Bienenparalysevirus“ oder dem „Verkrüppelten-Flügel-Virus“.

Immer neue Bienenkrankheiten wie die Varroa-Milbe werden nach Europa eingeschleppt und breiten sich rasend aus. Doch für den Rückgang der Bienenvölker machen die Wissenschaftler um Dr. Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim neben der Varroa-Milbe weitere Ursachen aus: Zunehmende Intensivierung des imkerlichen Managements, hinzu kommen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die die Honigbienen beim Genuss des Nektars mit aufnehmen. Vor allem in der Kombination können diese Faktoren lebensbedrohlich sein. „Das Hauptproblem ist das Zusammentreffen von Varroa, dem Nosema-Erreger und verschiedene Bienenviren als Sekundärinfektionen, sowie die zunehmende Belastung der Umwelt durch Pestizide“, meint Peter Rosenkranz. Im alljährlichen Überlebenskampf der Bienenvölker vor dem Winter könnten diese vielfältigen Faktoren zum Todesstoß werden.

Hohe Überwinterungsverluste in Europa und den USA

„Die Imker in Europa und den USA verzeichneten im vergangenen Winter erneut Bienenvolkverluste von 20 bis 35%. 10-15% werden noch als normal angesehen“, sagt der Bienenkundler. Europaweit gesehen nimmt die Zahl der Bienenvölker immer weiter ab, wodurch nicht nur die Honigproduktion abnimmt, sondern die Dichte an Bestäubern vor allem in der Kulturlandschaft bedrohlich zurückgeht.

Erstmals in Europa wollen die Forscher jetzt testen, wie die verschiedenen Kombinationen aus Pestizid, Sekundärkrankheiten, Nosema-Erregern und Varroa-Krankheit als Haupt-Stressfaktoren auf die Bienenvölker wirken. Dazu bilden sie vier verschiedene Gruppen, die sie erst verschiedenen Umweltchemikalien und dann verschiedenen Krankheiten aussetzen.

Chemie, Krankheit, Bienenvolk

„Wir orientieren uns an einem Szenario, wie es auch bei den Honigbienen draußen vorkommen kann“, sagt Peter Rosenkranz. „Die Honigbienen sind wochenlang verschiedenen Wirkstoffen aus dem Pflanzenschutz und der Varroa-Bekämpfung ausgesetzt und zwar in verschiedenen Kombinationen. Zusätzlich können sie sich die verschiedensten Krankheitserreger einfangen“.

Alle diese Fälle spielen die Wissenschaftler in ihren Versuchen mit vier Bienengruppen durch. Die Kontrollgruppe soll so gesund bleiben wie sie war, sie wird möglichst ohne Belastungen gehalten. Der zweiten Gruppe füttern die Wissenschaftler geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln. Den Bienen in der dritten Gruppe wird ein Wirkstoff zugesetzt, das Imker im Kampf gegen die Varroa-Milbe verwenden. Die vierte Gruppe bekommt schließlich eine Kombination aus beiden Chemikalien, also ein Pestizid und das Varroa-Bekämpfungsmittel, verabreicht.

„Honigbienen sind in der Natur all diesen Belastungen über längere Zeit ausgesetzt“, sagt Peter Rosenkranz. Darum werden die Gruppen mehrere Wochen zur Beobachtung gehalten. Dann kommen die Krankheitserreger ins Spiel. Mit Varroa oder Nosema werden die vier Gruppen gezielt infiziert und auf ihre Wechselwirkungen mit den Stressfaktoren getestet.

Welche Kombination schadet am meisten?

In einem sogenannten Käfigtest untersuchen die Bienenforscher dann jede einzelne Biene mit ihrem individuellen Krankheitsbild. Je nach Kombination der Stressfaktoren können insgesamt 20 bis 30 unterschiedliche Ausprägungen vorkommen.

Deren Zusammenspiel wollen die Wissenschaftler jetzt an den Bienen testen. Das Team um Peter Rosenkranz beobachtet, wie sich die beiden Krankheitserreger vermehren und welche Symptome die unterschiedlichen Bienen-Typen zeigen, je nach ihrer Vorbelastung mit anderen Faktoren.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 26 bzw. 32 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Forscher der Universität Hohenheim allein in den beiden vergangenen Jahren. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens einer Viertelmillion Euro, bzw. 125.000 Euro in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Kontakt für Medien:
Dr. Peter Rosenkranz, Landesanstalt für Bienenkunde,
Tel.: 0711 459-22661, E-Mail: peter.rosenkranz@uni-hohenheim.de
Text: Konstantinidis

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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