Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überraschende Entdeckung: Kröten könnten Kakaoernte in Indonesien sichern

16.09.2010
Göttinger Studie zeigt Weg der natürlichen Bekämpfung von aggressiven Ameisen

Der Schutz einheimischer Kröten in Indonesien könnte sich für die dortigen Kakaobauern lohnen: Wissenschaftler der Universität Göttingen und der University of Adelaide in Australien haben gezeigt, dass sich eine einheimische Krötenart auf der indonesischen Insel Sulawesi von bestimmten Ameisen ernährt und so deren Ausbreitung verhindert.

Die eingeschleppten Ameisen sind gefürchtet, weil sie sehr aggressiv sind und das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Unter anderem bedrohen sie den Bestand und die Vielfalt an einheimischen Ameisenarten, die wiederum ein Ausbreiten bestimmter Krankheiten unter den Kakaopflanzen verhindern. Da Indonesien der drittgrößte Kakaoproduzent der Welt ist, spielt die Kakaoernte eine enorme Rolle in der Wirtschaft des Landes. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society – Biological Sciences erschienen.

Die Wissenschaftler sammelten ihre Daten auf 14 Kakaofeldern am Lore Lindu National Park in Zentral-Sulawesi. Sie machten eine überraschende Entdeckung: Wenn die einheimische Sulawesi-Kröte (Ingerophrynus celebensis) während der Nahrungssuche die Kakaofelder aufsucht, ernährt sie sich hauptsächlich von der Gelben Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes). Die Gelbe Spinnerameise wurde Ende der Siebzigerjahre in den Tropen eingeschleppt und gilt als sehr aggressiv. Mithilfe der Ameisensäure kann sie sich sogar gegen deutlich größere Tiere zur Wehr setzen. „Unter normalen Umständen nimmt man an, dass gerade auf Inseln die eingeführten Tierarten eine Bedrohung für die einheimischen Arten darstellen“, erklärt Thomas C. Wanger, Leiter der Studie und Doktorand an der University of Adelaide und der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. „Für die Sulawesi-Kröte trifft das jedoch nicht zu: In diesem Fall fressen die Kröten die Eindringlinge, was sich positiv auf die einheimischen Ameisenarten auswirkt – und damit indirekt eventuell auch auf die Kontrolle von Krankheiten unter den Kakaopflanzen.“

Thomas Wanger schließt daraus: „Die Kröten steuern eine wichtige ökologische und kostenlose Dienstleistung zur Kakaoproduktion bei. Um diese zu sichern ist es wichtig, die Kröten vor den dramatischen Auswirkungen der Zerstörung des tropischen Regenwalds zu schützen.“ Und der Mitbetreuer des Dissertationsprojekts, Prof. Dr. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen, betont: „Die Ergebnisse zeigen, dass Kröten eine wichtige ökologische Funktion haben können. Angesichts des weltweiten Artenrückgangs von Amphibien verdient dies besondere Beobachtung.“ Ob die Kröten auch zu einer tatsächlichen Steigerung der Ernte beitragen können, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Originalveröffentlichung: Thomas C. Wanger et al. Endemic predators, invasive prey and native diversity. Proceedings of the Royal Society – Biological Sciences. Doi: 10.1098/rspb.2010.1512.

Kontaktadressen:
Thomas Cherico Wanger
University of Adelaide (Australien)
School of Earth and Environmental Sciences
Environment Institute
Telefon +61 (0) 8 8303 5254
E-Mail: thochewa@gmail.com
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Agrarwissenschaftliche Fakultät – Abteilung Agrarökologie
Waldweg 26, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-9209 (direkt), 39-9205 (Sekr.)
E-Mail: ttschar@gwdg.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3648
http://www.adelaide.edu.au/directory/thomas.wanger
http://www.uni-goettingen.de/de/74726.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften