Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überleben der Fittesten: Gecko-Evolution untersucht

11.05.2010
Bahama-Inseln als Experimentallabors genutzt

Um die Evolutionsmechanismen zu erforschen, die das Überleben der am besten angepassten Arten sicherstellen, haben Forscher der Dartmouth University ganze Bahama-Inseln als Experimentallabor genutzt. Untersucht haben die Wissenschaftler, wie sich die zahlreichen Geckoformen auf den Inseln entwickeln konnten. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature berichten sie, dass der Konkurrenzkampf unter den Geckos dafür wichtiger war als die Bedrohung von Räubern wie etwa Schlangen oder Vögeln.

"Als Lord Tennyson in einem Gedicht schrieb, dass die Natur 'rot am Zahn und an der Klaue' sei, dachte er wohl an eine Discovery-Channel-Version eines Löwen, der eine Gazelle reißt", meint Studienkoautor Ryan Calsbeek. "Das mag wohl in manchen Fällen so sein, doch starke natürliche Selektion kann auch durch Konkurrenz entstehen. Das bedeutet, dass der Tod verursacht durch einen Konkurrenten wichtiger für die Evolution sein kann als Tod durch einen Fressfeind."

Kleine Inseln temporär verändert

Um genau festzustellen, wie der evolutionäre Druck entsteht, haben die Forscher mehrere kleine Inseln verändert. Einige erhielten Netze, die Raubvögel daran hinderten, dort auf Jagd zu gehen, auf anderen Inseln wurden zusätzlich Schlangen ausgesetzt und auf einigen der Inseln blieben die natürlichen Gegebenheiten erhalten. Dann wurden die Geckos über einen Sommer lang genau überwacht, um festzustellen, welche lebten und welche starben.

"Wir haben entdeckt, dass der Tod durch Fressfeinde zufallsbedingt ist und mit Merkmalen wie Körpergröße und Laufgeschwindigkeit der Geckos zusammenhing ", so der zweite Studienautor Robert Cox. "Wir konnten auch feststellen, dass die zunehmende Dichte von Geckos auf einer Insel dazu führte, dass es zu einer starken natürlichen Selektion kam, die größeren Wuchs und bessere Laufeigenschaften bevorzugte."

Calsbeek und Cox erklären, dass in Gebieten, in denen hohe Bestandsdichten vorhanden sind, auch die Intensität der Konkurrenz um Nahrung, Raum und andere Ressourcen zunimmt. Das wiederum bevorzuge die größten und stärksten Geckos auf einer Insel.

Kleine Faktoren mit großer Wirkung

"Tatsächlich sind Inseln für solche Evolutionsstudien sehr gut geeignete Labors, da hier keine Tiere weglaufen und auch keine dazukommen können", meint der Herpetologe Heinz Grillitsch vom Naturhistorischen Museum Wien http://www.nhm-wien.ac.at im pressetext-Interview. "Man kann als gesichert annehmen, dass die Konkurrenz von Tieren untereinander einen größeren Einfluss auf die Evolution ausübt, als Feinde von außen."

"Die bedrohlichsten Feinde sind nicht die Fressfeinde", so Grillitsch. So fällt z. B. der überwiegende Anteil der Frösche wohl nicht Fressfeinden zum Opfer, sondern Krankheitserregern und Parasiten. "Wenn der Gegner nur ein wenig fitter ist, also etwa weniger anfällig für Krankheiten oder Störungen, dann ist das bereits ein massiver selektiver Vorteil für ihn", erklärt der Forscher.

Untersuchungen haben gezeigt, dass mit Waschmittel belastete Abwässer bei verschiedenen Fischarten zur unterschiedlicher Schleimbildung an den Kiemen führen. "Empfindliche Arten sind bei Atmung, Nahrungssuche und Feindvermeidung gegenüber widerstandsfähigeren Arten gehandicapt. Diese Umstände führen nicht zum Tod, bilden allerdings einen evolutionären Nachteil. Das bedeutet, dass andere Fische, die in diesem Territorium leben, einen selektiven Vorteil haben", so Grillitsch. Auf lange Sicht könnte das dann aber dennoch zum Verschwinden der benachteiligten Art führen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.dartmouth.edu

Weitere Berichte zu: Bahama-Inseln Evolution Fressfeind Gecko-Evolution Schlange

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie