Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überfischung fördert Algenblüte

02.12.2009
Rückgang der Raubfische stört Nahrungskette

Stickstoffdünger und Waschmittel sind bekannt dafür, dass sie das Algenwachstum fördern. Einer aktuellen Studie zufolge spielt aber auch Überfischung - vor allem von Raubfischen - eine Schlüsselrolle. Das Forscherteam um Britas Klemens Eriksson von der Universität Groningen hat in langjährigen Untersuchungen mit dem schwedischen Fishery Board in der Ostsee festgestellt, welche Folgen das Verschwinden der Raubfische auf das Ökosystem hat.

"Wir haben uns zwei Raubfisch-Populationen, Hecht und Barsch, in neun Brackwasser-Gebieten an der Ostseeküste genau angesehen und mit den Populationen kleinerer Fische und Algenblüten verglichen", so Eriksson im pressetext-Interview. "Das Ergebnis war erstaunlich." In den Gebieten, in denen die Zahl der Raubfische stark rückgängig war, war die Zahl der kleineren Fische und der Algen sehr hoch. "In Regionen, in denen das Gleichgewicht intakt war, lag die Wahrscheinlichkeit einer Algenblüte bei nur zehn Prozent."

Ökologisches Gleichgewicht verhindert Algenblüten

Die Erkenntnisse an der Ostseeküste hat das Forscherteam veranlasst, kleine Feldversuche in unverschmutzten Gewässern zu starten. Zwei Jahre lang haben die Wissenschaftler verschiedene Szenarien nachgestellt. Dazu wurden Stickstoffpellets eingebracht, die Zahl der Raubfische erhöht und dann reduziert. Einige Gebiete wurden im natürlichen Zustand belassen. "Wie erwartet hat der Stickstoffeintrag das Algenwachstum angetrieben", so Eriksson.

"Überraschenderweise hat die Abwesenheit von Raubfischen die Ausbreitung der Algen noch weiter angeheizt. Selbst wenn kein weiterer Stickstoff zugeführt wurde, konnte man das feststellen", so der Biologe. "Da Raubfische kleinere Fische fressen, die sich wiederum von Pflanzenfressern wie Schnecken oder Krebsen ernähren, die Algen fressen, hat der Rückgang der Räuber dramatische Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem." Die kleineren Fische vermehren sich wesentlich stärker und dezimieren damit die Lebewesen, die den Algenwuchs unter Kontrolle halten.

Ähnliche Phänomene auch in anderen Küstengebieten

Im Fachmagazin Ecological Applications schreiben die Forscher, dass nicht nur der hohe Stickstoffeintrag in Gewässer verringert werden soll, sondern auch mehr auf eine gesunde Fischpopulation geachtet werden muss, um einer Algenblüte entgegenzuwirken. "Man muss das gesamte Ökosystem betrachten und die Nahrungskette wieder herstellen", so der Wissenschaftler. Hauptverursacher der Algenblüten bleibe allerdings der hohe Stickstoffeintrag.

Auf die Frage, ob die aktuellen Forschungsergebnisse auch auf Küstenregionen anderer Meere zutreffen, meint Eriksson, dass weitere Studien - etwa im Schwarzen Meer - ein ähnliches Bild ergeben. "Deutlich wird dabei, wie empfindlich marine Ökosysteme auf Veränderungen reagieren", so Eriksson.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.rug.nl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics