Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TUM-Bioinformatiker koordinieren Infektionsforschung auf Molekularebene

09.04.2009
Wie schaffen bakterielle Krankheitserreger es, Mensch und Tier zu infizieren? Man weiß, dass pathogene Bakterien dazu spezielle "Krankmacher-Proteine" in befallene Zellen einschleusen.

Ein europäisches Verbundprojekt soll jetzt unter Federführung der TU München erforschen, was dabei auf molekularer Ebene genau passiert. Das Verständnis dieser medizinischen Grundlagen wird dazu beitragen, Diagnose, Monitoring und Therapie bakterieller Infektionen entscheidend zu verbessern.

Das Einschleusen von Proteinen in befallene Körperzellen ist ein Schlüsselmechanismus für die Infektion von Mensch und Tier durch pathogene Bakterien. Auf molekularer Ebene ist dieser Vorgang derzeit noch kaum verstanden. Um diese Wissenslücke zu schließen, hat sich unter Koordination der Technischen Universität München (TUM) ein multidisziplinäres, internationales Verbundprojekt gebildet: "Pathogen-host metabolomics and interactomics (Pathomics)". Es konnte sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen und wird von 2009 bis 2012 vom europäischen Netzwerk Era-NET PathoGenoMics mit insgesamt knapp zwei Millionen € gefördert.

Das gemeinsame Ziel der Forscher aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien: Die Erforschung der Protein-Wechselwirkungen zwischen Krankheitserreger und Wirtszelle sowie deren Einfluss auf den Stoffwechsel der infizierten Zellen. Dazu wollen die Wissenschaftler neue Biomarker für die Diagnose und neue pharmazeutische Zielmoleküle für die Therapie zweier durch Bakterien verursachter Krankheiten entwickeln. Ihre Untersuchungsobjekte sind zum Einen das Bakterium Pseudomonas aeruginosa, welches nach einer Organspende schwere Infektionen bei Patienten verursachen kann, und zum Anderen die sexuell übertragbaren Chlamydien, die beim Menschen zum Beispiel zu Augenentzündungen oder Unfruchtbarkeit führen können.

Beide Erregertypen schleusen "Krankmacher-Proteine" in ihre Wirtszellen ein, und für beide bestehen derzeit nur eingeschränkte Möglichkeiten für Diagnostik, Monitoring und Behandlung. Das wollen die TUM-Forscher zusammen mit ihren europäischen Partnern aus Forschung und Industrie in den nächsten drei Jahren ändern: Denn erst, wenn die molekularen Grundlagen des Infektionsvorgangs genau verstanden sind, kann man diese Erkenntnisse auch für eine frühere Diagnose und eine zielgerichtete Behandlung einsetzen.

Dr. Thomas Rattei vom Lehrstuhl für Genomorientierte Bioinformatik der TU München koordiniert das Gesamtprojekt. Die TUM bearbeitet zugleich mit Partnern vom Helmholtz-Zentrum München mehrere Teilprojekte von "Pathomics": Zu ihren Aufgaben gehört die bioinformatische Analyse und Vorhersage von Krankheitserreger-Wirts-Wechselwirkungen sowie die Analyse des Stoffwechsels der befallenen Zellen unter dem Einfluss krankmachender Bakterien.

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Genomorientierte Bioinformatik
Dr. Thomas Rattei
85350 Freising- Weihenstephan
Tel. 08161 / 71-2132
E-Mail: t.rattei@wzw.tum.de

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://webclu.bio.wzw.tum.de/binfo/
http://mediatum2.ub.tum.de/node?id=705912

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften