Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tropische Invasionen im Mittelmeer: Welche Arten sind erfolgreich?

04.08.2015

Biologische Invasionen gehören zu den größten Bedrohungen moderner Ökosysteme. Eine Schlüsselrolle kommt hier dem Mittelmeer zu. Rafal Nawrot und Martin Zuschin vom Institut für Paläontologie der Universität Wien erforschen die Migration von Muscheln vom Roten Meer über den Suezkanal und fanden heraus, welche Faktoren und ökologischen Eigenschaften notwendig sind, um sich erfolgreich im Mittelmeer anzusiedeln.

Sehr häufig ist die Einwanderung tropischer Faunen- oder Florenelemente in gemäßigte Klimazonen, die durch die rasant voranschreitende Klimaerwärmung gefördert wird. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das europäische Mittelmeer. Die Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1869 löste eine Einwanderungswelle ungeahnten Ausmaßes von Arten aus dem Roten Meer und dem Indopazifik aus und machte das Mittelmeer zum am stärksten von Einwanderung betroffenen Meer weltweit.


Die Auster Saccostrea cucullata bildet kleine Riffstrukturen im Gezeitenbereich des nördlichen Roten Meeres und kommt heute auch an der Südküste der Türkei vor.

Copyright: Martin Zuschin


Die kleine Muschel Brachidontes pharaonis ist eine der am weitesten verbreiteten Lessepschen Arten im Mittelmeer und zugleich eine der ersten Arten, die den Suezkanal durchquert hat.

Copyright: Rafal Nawrot

Dieser noch immer voranschreitende Prozess wird als Lessepssche Migration bezeichnet und ist in vielerlei Hinsicht ähnlich den großen Invasionen in fossilen Ökosystemen. Dort führen paläogeographische Veränderungen, wie etwa die Öffnung neuer Meeresverbindungen zwischen zuvor getrennten Meeresbecken, immer wieder zu großen Änderungen in der Fauna.

Doch was macht eine Migration erfolgreich? Rafal Nawrot, ein durch ein uni:docs-Stipendium geförderter Doktorand in der Arbeitsgruppe von Martin Zuschin am Institut für Paläontologie der Universität Wien, beschäftigt sich mit diesem Thema. Er untersucht biologische Invasionen an rezenten und fossilen Beispielen und benutzt dazu Muscheln, die einerseits einen außerordentlich guten Fossilbefund aufweisen und andererseits mit über 50 Lessepsschen Arten im Mittelmeer vertreten sind.

Das ForscherInnenteam hat unterschiedliche Eigenschaften von fast 400 Muschelarten des Roten Meeres erhoben, wie etwa taxonomische Zusammensetzung, Tiefenverteilung, geographische Verbreitung sowie Körpergröße und Lebensweise untersucht. "Wir haben weltweit erstmals untersucht, welche ökologischen Eigenschaften für eine erfolgreiche Invasion einer größeren Gruppe mariner wirbelloser Tiere verantwortlich sind", erklärt Nawrot.

Seine Ergebnisse: Vor allem jene Arten wandern bevorzugt ins Mittelmeer ein, die in seichteren Gebieten des Roten Meeres leben, was damit zu tun hat, dass der Suezkanal ursprünglich nur acht Meter tief war. Auch die Temperaturtoleranz spielt eine Rolle: Erfolgreiche Einwanderer sind die Arten, die auch in anderen gemäßigten Meeren zu finden sind. Und: Die erfolgreiche Etablierung im Mittelmeer gelingt vor allem den Erstankömmlingen, die relativ viel Zeit hatten, Populationen aufzubauen. Solche Arten bilden häufig Muschelbänke oder kleine Riffe auf Hartsubstraten und verändern damit drastisch die Umweltbedingungen auf diesen Meeresböden.

Sogenannte invasive Arten, die sich in der Folge rasch im Mittelmeer ausbreiten und für größere ökologische Veränderungen verantwortlich zeichnen, sind vor allem überdurchschnittlich groß und damit als direkte Konkurrenten ökologisch ähnlichen Arten des Mittelmeeres überlegen.

Die große Bedeutung der Tiefenverteilung von Muscheln des Roten Meeres für eine erfolgreiche Durchquerung des Suezkanals könnte bald große unmittelbare Bedeutung bekommen: Ägypten ist dabei, den Suezkanal erheblich zu vergrößern und zu vertiefen, ohne dass je eine Umweltverträglichkeitsprüfung oder Risikobewertung stattgefunden hätte. Die offizielle Eröffnung der erweiterten Wasserstraße ist für den 6. August 2015 geplant und sie wird voraussichtlich eine neue Invasionswelle in das Mittelmeer auslösen. "Die Klimaerwärmung wird das ihre dazu beitragen, dass sich diese neue Welle von Einwanderern ebenfalls rasch im Mittelmeer etablieren kann", so Martin Zuschin.

Die Forschungsarbeit wurde von der Universität Wien durch das das uni:docs Programm und durch ein Stipendium für Kurzfristige Wissenschaftliche Arbeiten (KWA) sowie vom OeAD durch ein Ernst- Mach-Stipendium gefördert.

Publikation in "Diversity & Distribution":
Rafal Nawrot, Devapriya Chattophadyay, Martin Zuschin, What guides invasion success? Ecological correlates of arrival, establishment and spread of Red Sea bivalves in the Mediterranean Sea.
Online veröffentlicht im Juli 2015
doi:10.1130/G34761.1

Wissenschaftliche Kontakte
Mag. Rafal Nawrot
Institut für Paläontologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-535 58
rafal.nawrot@univie.ac.at

Univ.-Prof. Dr. Martin Zuschin
Institut für Paläontologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-535 55
martin.zuschin@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://univie.ac.at

1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen Jahresprogramm – unterstützt von zahlreichen Sponsoren und Kooperationspartnern. Die Universität Wien bedankt sich dafür bei ihren Kooperationspartnern, insbesondere bei: Österreichische Post AG, Raiffeisen NÖ-Wien, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Stadt Wien, Industriellenvereinigung, Erste Bank, Vienna Insurance Group, voestalpine, ÖBB Holding AG, Bundesimmobiliengesellschaft, Mondi. Medienpartner sind: ORF, Die Presse, Der Standard.

Stephan Brodicky | Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Superkondensatoren aus Holzbestandteilen
24.05.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Was einen guten Katalysator ausmacht
24.05.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics