Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Training der Finger verbessert Tastsinn von Wangen und Lippen

19.08.2014

Wenn sich der Tastsinn der Finger verbessert, verbessert sich auch der Tastsinn im Gesicht.

Das berichtet PD Dr. Hubert Dinse vom Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität gemeinsam mit französischen Kollegen aus Lyon in der Zeitschrift „Current Biology“.


Erstmals wiesen die Forscher nach, dass Lerneffekte, die von einem Körperteil auf einen anderen transferieren, nicht nur nach Amputation auftreten können, sondern auch durch verstärktes Training.

Benachbarte Hautbereiche sind im Gehirn nebeneinander repräsentiert

Sinneseindrücke von benachbarten Hautregionen verarbeitet das Gehirn in benachbarten Bereichen; es enthält eine vollständige Repräsentation des Körpers, den sogenannten Homunkulus.

Eine Ausnahme der Nachbarschaftsregel ist die Grenze zwischen Fingern und Gesicht. Obwohl sie im Körper weit voneinander entfernt liegen, sind sie im Gehirn direkt nebeneinander repräsentiert – der Grund für die beobachteten Effekte.

Passive Stimulation verbessert den Tastsinn

Um den Tastsinn empfindlicher zu machen, stimulierten die Forscher die Spitze des rechten Zeigefingers drei Stunden lang mit einer vibrierenden Membran. In vorangegangenen Arbeiten hatte die Gruppe von Hubert Dinse bereits gezeigt, dass passives Training die Sinnesleistung verbessert (http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2013/pm00292.html.de).

Nach der Stimulation konnten die Probanden zwei nebeneinanderliegende Reize mit dem trainierten Finger leichter auseinanderhalten als mit den nicht stimulierten Fingern. Die Tastschärfe der Lippen und der rechten Wange steigerte sich auf gleiche Weise.

Ähnlicher Effekt wie nach Amputation

Nach Handamputationen tritt ein ähnliches Phänomen auf. Die Gehirnregion, die zuvor Sinneseindrücke der Hand repräsentierte und nun arbeitslos ist, erhält „überschwappenden“ Input aus der benachbarten Gesichtsregion.

Nach einer Weile verarbeiten alle Zellen im früheren Handareal Sinneseindrücke aus dem Gesichtsbereich. Hubert Dinses Team und Forscher vom Neuroscience Research Center in Lyon zeigten erstmals, dass dieser „Cross Border“-Transfer auch ohne Verletzung eintreten kann, nämlich wenn man die Nervenzellen in einem Bereich verstärkt stimuliert.

„Physische Gegebenheiten wie die Entfernung zwischen Hand und Gesicht sind dabei irrelevant“, sagt Hubert Dinse.

Förderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Studien, unter anderem im Rahmen des Bochumer SFB 874 „Integration und Repräsentation sensorischer Prozesse“. Die McDonnell Foundation unterstützte das Team in Lyon.

Titelaufnahme

D. Muret, H.R. Dinse, S. Macchione, C. Urquizar, A. Farnè, K.T. Reilly (2014): Touch improvement at the hand transfers to the face, Current Biology, DOI: 10.1016/j.cub.2014.07.021

Weitere Informationen

PD Dr. Hubert Dinse, Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25565, E-Mail: hubert.dinse@ini.rub.de

Angeklickt

RUBIN-Artikel: Hirnstimulation mit Fingerspitzengefühl
http://rubin.rub.de/de/hirnstimulation-mit-fingerspitzengefuehl

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics