Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tod durch Arsen

05.05.2010
Haaranalyse belegt: Legendäres Rennpferd Phar Lap starb 1932 an einer Arsenvergiftung

Das legendäre Rennpferd Phar Lap konnte viele namhafte Rennen für sich entscheiden. Nach seinem Triumph im berühmten Agua Caliente Handicap 1932 in Mexiko starb das Tier auf einer Tour durch die USA qualvoll unter mysteriösen Umständen. Unter anderem wurde vermutet, dass Phar Lap vergiftet wurde. Ivan M. Kempson (Academia Sinica, Taiwan) und Dermot A. Henry (Museum Victoria, Australien) haben jetzt Haare des Pferdes einer genauen Untersuchung unterzogen. Wie die Forscher in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, scheint das Tier in der Tat an einer Arsenvergiftung gestorben zu sein.

Spuren vieler Substanzen, die dem Körper zugeführt werden, gelangen auch in die Haare, wo sie eingelagert werden. Durch Haaranalysen konnte schon des öfteren Drogenkonsum nachgewiesen oder auch posthum Gifte als Todesursache entdeckt werden. Nach seinem Tod wurde Phar Lap präpariert und ausgestopft und im Museum Victoria in Melbourne ausgestellt. „Wir konnten kleine Teile des Balgs und Haare aus der Mähne entnehmen, deren Wurzeln erhalten waren“, berichtet Kempson. Es wurden nur Haare untersucht, die zum Todeszeitpunkt noch eindeutig im Wachstum waren. Sie wurden in der Advanced Photon Source in Chicago, USA, einzeln und der Länge nach mit Synchrotron-Röntgenfluzoreszenzspektroskopie analysiert. Diese Methode weist chemische Elemente auch in Spuren nach, denn jedes Element sendet dabei eine ganz charakteristische Strahlung aus.

Die Wissenschaftler schauten sich den Arsen-Gehalt der Haare an. „Zum einen fanden sie einen leichten, über das ganze Haar relativ gleichmäßig verteilten Arsengehalt. Dies ist in Einklag mit dem Arsengehalt der zur Konservierung des Balgs verwendeten Chemikalien“, so Kempson. „Außerdem fanden wir bei jedem der untersuchten Haare in jeweils der gleichen Entfernung von der Wurzel einen deutlichen erhöhten Arsengehalt.“ Diese Stelle der Haare lag zu Lebzeiten des Pferdes unterhalb der Hautoberfläche.

„Wenn man die Wachstumsgeschwindigkeit von Pferdehaaren und die Zeitdauer des Stoffwechsels berücksichtigt, dann spricht die Stelle, an der die erhöhte Arsenkonzentration gefunden wurde, dafür, dass das Pferd das Arsen gefressen und metabolisiert haben muss“, erläutert Kempson. Zusätzlich verwendeten die Wissenschaftler eine Röntgenmethode, die unterscheiden kann, in welcher chemischen Umgebung sich das Arsen befindet. Kempson: „Die identifizierten Arsen-Spezies sprechen ebenfalls dafür, dass Phar Lap an einer Arsenvergiftung gestorben ist.“

Allerdings kann nicht geklärt werden, auf welche Weise das Pferd das Arsen aufgenommen hat. War es eine absichtliche Tötung durch Konkurrenten oder Neider? War es ein Unfall – etwa eine Überdosierung eines damals gängigen arsenhaltigen Mittels zur Leistungssteigerung? War das Futter kontaminiert? „Dies wird wohl immer ein Mysterium bleiben,“ sagt Kempson.

Angewandte Chemie: Presseinfo 16/2010

Autor: Ivan M. Kempson, Academia Sinica, Taipei (Taiwan), mailto:ivan.m.k@hotmail.com

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906594

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906594
http://www.gdch.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Krebs erregende Substanzen aus Benzinmotoren

24.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich

24.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Orientierungslauf im Mikrokosmos

24.05.2017 | Physik Astronomie