Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Tierstamm wächst

08.07.2010
Zoologische Systematik: Forschungserfolg für TiHo-Forscher

Die tatsächliche Anzahl der Tier- und Pflanzenarten auf der Erde ist unbekannt. Wissenschaftler schätzen, dass bisher nicht mal zehn Prozent der Artenvielfalt bekannt und beschrieben sind. Folglich berichten Fachzeitschriften regelmäßig und beinahe täglich über die Entdeckung neuer Arten. Häufig handelt es sich dabei um enge Verwandte bereits bekannter Arten, die aufgrund ihrer großen äußeren Ähnlichkeit bisher nicht als eigenständige Art erkannt wurden. Diese Arten sind in der Regel Neuentdeckungen innerhalb bekannter Gattungen.

Im Fachmagazin Molecular Ecology berichten Professor Dr. Bernd Schierwater und Dr. Michael Eitel aus dem Institut für Tierökologie und Zellbiologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover von der völlig unerwarteten Entdeckung mehrerer nicht näher verwandter Arten im Tierstamm der Plattentiere, den sogenannten Placozoa. Bisher war lediglich eine einzige Tierart, Trichoplax adhaerens, in diesem Tierstamm bekannt. Es ist der einzige Tierstamm, der bisher aus nur einer einzigen Art besteht.

Die Forscher haben an verschiedenen Meeresküsten weltweit Plattentiere gesammelt, vom Mittelmeer über den Indischen Ozean bis Australien, Hawaii und die Karibik, um sie in Hannover molekulargenetisch zu analysieren. Die Untersuchungen führten zu mehr als einem Dutzend neuer genetischer Linien, sogenannter Haplotypen, die sich seit mehreren Hundert Millionen Jahren getrennt voneinander entwickeln. Diese Linien stellen vergleichend systematisch betrachtet mehr als ein Dutzend neuer Arten dar, die verschiedene Gattungen, Familien und vermutlich sogar Ordnungen repräsentieren. „Diese Explosion eines Tierstammes ist äußerst bemerkenswert“, erklärt Professor Dr. Bernd Schierwater, „vergleichbare Ereignisse wurden in der Zoologischen Systematik in den letzten Jahrzehnten kaum beschrieben.“

Die Forscher berichten in ihrer Veröffentlichung, dass ökologische Daten die genetischen Analysen untermauern. Die verschiedenen Gruppen der Plattentiere besetzen sehr unterschiedliche ökologische Nischen und zeigen eine individuelle Nord-Süd-Verbreitung in den Weltmeeren. Auch die Kultivierbarkeit der verschiedenen, noch zu benennenden Arten ist stark unterschiedlich. Trichoplax adhaerens ist vergleichsweise anspruchslos und gehört zu einer weit verbreiteten Klade (Gruppe), die vom Äquator bis zur französischen Atlantikküste in Roscoff zu finden ist. Als Modellorganismus für die Evolution der Vielzelligen Tiere hat Trichoplax adhaerens Einzug in viele Labore gehalten. Die Untersuchungen zeigen jedoch, dass es Plattentiere gibt, die noch besser als Modellorganismus geeignet sind. „Weitere Analysen werden zeigen, welche Art sich dafür anbietet“, sagt Professor Schierwater. Als primitive Vielzeller können die Plattentiere als Modellsystem für die Evolutionsbiologie, die Entwicklungsgenetik bis hin zur Krebsforschung eingesetzt werden. Michael Eitel erklärt: „Trichoplax adhaerens ist der am einfachsten gebaute Vielzeller überhaupt. Jetzt hat er unerwartet eine reiche Schar an Schwestern bekommen. Die Lehrbücher können den einzigartigen Tierstamm der Plattentiere bald erstmals mit einer Systematik versehen.“

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Frage der Dynamik
19.02.2018 | Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

nachricht Forscherteam deckt die entscheidende Rolle des Enzyms PP5 bei Herzinsuffizienz auf
19.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics