Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefseefisch sieht mit Spiegelaugen

09.01.2009
Tübinger Anatom entdeckt neuartigen Augentyp bei Wirbeltier

Einen bei Wirbeltieren bisher unbekannten Augentyp hat der Biologe und Anatom Hans-Joachim Wagner vom Anatomischen Institut der Universität Tübingen bei einem Tiefseefisch entdeckt.

Der zwölf Zentimeter lange "Gespensterfisch" (Dolichpteryx longipes) verfügt neben seinen Röhrenaugen zusätzlich über so genannte Spiegelaugen. Über seine Entdeckung berichtet der Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Current Biology.

Da es in der Tiefsee extrem dunkel ist, haben viele Tiere Leuchtorgane entwickelt. "Diese Fähigkeit wird Biolumineszenz genannt. Da die Lichtreize aber nicht sehr hell sind, sind die Augen der Tiefseefauna auf höchste Empfindlichkeit optimiert", erklärt Wagner im pressetext-Interview. Kleine Tiere weisen aufgrund ihrer Anatomie aber nicht große Pupillen in Kugelaugen auf, sondern haben spezielle zylindrische Röhrenaugen mit Linsenoptik entwickelt. "Der große Nachteil dabei ist das eingeschränkte Gesichtsfeld, das nur einen Blick nach oben zulässt." Über einen solchen Sehapparat verfügt auch der Gespensterfisch. "Das Besondere daran ist jedoch, dass dies nicht der einzige Sehapparat ist, über den dieser Fisch verfügt", erklärt der Experte. "Zusätzlich hat er nämlich eine Augenform, die bei Wirbeltieren bisher noch nie entdeckt wurde: Das Spiegelauge ist bisher nur bei wirbellosen Tieren wie etwa Jakobsmuscheln oder Krebsen bekannt gewesen."

"Wir haben eine seitliche Aussackung des Röhrenauges gefunden, die nach unten eine durchsichtige 'Hornhaut' besitzt", erklärt der Forscher. In mikroskopischen Serienschnitten konnten die Wissenschaftler an deren Innenwand eine sphärische Spiegelstruktur beobachten und gegenüber an der Außenwand eine Netzhaut. "Modellrechnungen haben ergeben, dass dieser Spiegel Lichtstrahlen exakt auf der Fotorezeptorebene der Retina abbildet. Dieses Spiegelauge erlaubt dem Fisch daher, auch zu sehen, was unter ihm vorgeht", führt Wagner aus.

Die Entdeckung ist dem Forscher, der sich auf visuelle Systeme von Fischen spezialisiert hat, während einer Expedition am Tonga-Graben im Vorjahr gelungen. "Wir konnten mithilfe von speziellen Geräten lebende Fische aus der Tiefsee bergen und sie lebend beobachten, ehe wir erste Untersuchungen an Bord des Forschungsschiffs durchführten."

Seit mehr als einem Jahr arbeiten die Tübinger Wissenschaftler nun schon an der Aufarbeitung ihrer dort gewonnenen Proben. "Ganz fertig sind wir mit der Arbeit immer noch nicht, denn nun wollen wir den Sehapparat des außergewöhnlichen Fisches auch dreidimensional genau entschlüsseln", erklärt der Forscher. Aus den bisher gemachten Beobachtungen schließen die Wissenschaftler, dass die Evolution von Augensystemen bei Wirbeltieren weniger konservativ verlaufen ist als bisher angenommen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält
22.05.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus
22.05.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie