Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie tickt die "innere Uhr" des Pandabären?

18.03.2009
Woher weiß das Panda-Junge Fu Long im Tiergarten Schönbrunn, wann es Zeit ist, schlafen zu gehen bzw. morgens aufzustehen? Sind es seine Mutter oder die TierpflegerInnen, die ihm den Rhythmus vorgeben, oder sagt ihm seine biologische "Uhr", wie der Tag zu organisieren ist?

Diesen Fragen widmet sich die Zoologin Martina Pertl von der Fakultät für Lebenswissenschaften. Ziel ist es, durch kontinuierliche Langzeitbeobachtung mehr über die Chronobiologie des Großen Panda herauszufinden und damit auch sicherzustellen, dass sich Fu Long in der künstlichen Umwelt des Zoos gut zurechtfindet.

Das Leben ist ein Zusammenspiel von unzähligen Rhythmen, die sowohl das Verhalten als auch die Physiologie aller Lebewesen bestimmen. Diese Rhythmen sind keineswegs nur simple Reaktionen auf externe Umweltveränderungen, wie der Tag-Nacht-Zyklus, sondern entstehen in einem inneren "timekeeping"-System. Ein System von Schrittmachern bewirkt dabei artspezifische Rhythmen, die auch bei völliger Abwesenheit von externen Signalen weiter bestehen. Diese biologische "Uhr" macht es dem Organismus erst möglich, sich auf Veränderungen in der physikalischen Umwelt vorzubereiten, und stellt dadurch sicher, dass der Organismus zum "richtigen" Zeitpunkt das "Richtige" macht.

Erstellung eines Chronoethogramms

Die Zoologin Mag. Martina Pertl konzentriert sich in ihrer Dissertation auf die Entwicklung der inneren "Uhr" des Panda-Jungtieres Fu Long in seinen ersten zwei Lebensjahren. Dazu erstellt sie ein sogenanntes Chronoethogramm, welches das zeitliche Auftreten bestimmter Verhaltensweisen des Pandas - wie z.B. schlafen, trinken, essen - darstellt und zeigt, ob diese Verhaltensmuster in einem bestimmten Rhythmus auftreten. Außerdem werden auch die Nähe und der Kontakt zur Mutter aufgezeichnet, um so Fu Longs Weg in die Selbstständigkeit nachvollziehen zu können.

Zweijährige Langzeitbeobachtung

"Dieses Projekt ist das erste, das ein 24-Stunden-Video-Überwachungssystem kontinuierlich über einen Zeitraum von zwei Jahren verwendet und wird damit eine der umfangreichsten Studien zum Verhalten von Großen Pandas liefern. Bislang wurden Pandas immer nur wenige Wochen beobachtet, zu wenig, um allgemeine Rückschlüsse auf die rhythmische Struktur seines Verhaltens zu machen", erklärt Martina Pertl. Die Forschungsarbeit erfolgt in enger Kooperation mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin.

Künstliche Umwelt kann krank machen

Die Jungwissenschafterin Pertl untersucht auch, welche externen Faktoren - wie die Mutter oder die TierpflegerInnen - den Rhythmus und damit das Verhalten Fu Longs beeinflussen. "In einer künstlichen Umwelt wie einem Zoo kann es passieren, dass die innere Uhr des Tieres von anderen externen Signalen wie beispielsweise der Pflegeroutine oder dem Besucherandrang überlagert werden. Wenn die Synchronisation zwischen dem Organismus und dessen Umwelt fehlt, kann das zu gravierenden und lebensbedrohlichen Gesundheitsproblemen führen. Daher ist chronobiologische Forschung eine geeignete Methode, um das Wohlbefinden von Tieren unter menschlicher Obhut zu beurteilen und trägt dazu bei, die artgemäße Haltung der Tiere laufend zu verbessern", sagt Pertl.

Datenflut

Zur Zeit analysiert Martina Pertl das erste halbe Lebensjahr des im August 2007 geborenen Fu Long. Hauptaugenmerk liegt auf dem Tag-Nacht-Rhythmus, aber auch auf der Mutter-Kind-Interaktion und dem Fressverhalten. Zusätzlich zur Auswertung der Datenflut aus Fu Longs Leben hat sich die Verhaltensbiologin auch den Abgleich von Daten mit Jungtieren aus anderen Zoos zum Ziel gesetzt.

Kontakt:
Mag. Martina Pertl
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
M + 43-660-818 36 18
martina.pertl@chello.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterien aus dem Blut «ziehen»
07.12.2016 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle
07.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie