Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapieoption für Herzschwäche in der Schwangerschaft

21.05.2012
MHH-Forscher entdeckten Gen, das eine Schlüsselrolle bei Schwangerschafts-assoziierter Herzschwäche spielt / Sie zeigen effizientere Therapieform auf / Veröffentlichung in Nature

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entdeckten ein Gen, das beim Schwangerschafts-assoziierten Herzversagen – der peri- oder postpartalen Kardiomyopathie (PPCM) – eine entscheidende Rolle spielt.

Sie zeigten zudem eine neue, effiziente Therapieoption für diese lebensgefährliche Erkrankung auf. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um Professorin Dr. Denise Hilfiker-Kleiner, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, und Professor Dr. Zoltan Arany, Cardiovascular Institute, Beth Israel Deaconess Medical Center, Harvard Medical School, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

PPCM ist eine seltene aber schwere Erkrankung, deren Ursache noch unklar ist. Sie kann bei vorher gesunden Frauen ohne Vorwarnung in den letzten Wochen der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Entbindung auftreten und binnen weniger Wochen zum Tod führen. Zu den Risikofaktoren gehören erhöhter Bluthochdruck oder Mehrlingsgeburten. Symptome dieser Erkrankung können sein: Abgeschlagenheit, Atemnot, Wassereinlagerungen in Armen und Beinen, starker Reizhusten, schlechter Schlaf und Herzrasen. Gesicherte Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht. Schätzungen zufolge könnte eine von 2.500 bis 4.000 Schwangerschaften in Deutschland betroffen sein.

Die MHH-Forscher konnten bereits zuvor zeigen, dass Mäuse, bei denen das Gen STAT3 fehlt oder defekt ist, an PPCM starben. „In ihrem Herzmuskel wird das Stillhormon Prolaktin in ein kleines biologisch aktives Fragment gespalten, das kleine Blutgefäße zerstört und die Blutzirkulation so stark beeinträchtigt, dass das Herz nicht mehr funktioniert“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. Derzeit werde in klinischen Studien getestet, ob Prolaktin mit dem Abstillmedikament Bromocriptin blockiert werden kann. Die bisherigen Ergebnisse seien vielversprechend: Bromocriptin wirkt – jedoch nicht bei allen Patientinnen gleich effizient.

Nun konnten die Wissenschaftler zeigen, dass neben STAT3 auch das Gen PGC1a eine wichtige Rolle bei dieser Krankheit spielt: Es verhindert die Spaltung des Prolaktins und sorgt dafür, dass vermehrt ein bestimmter Wachstumsfaktor namens Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) entsteht. Dieser schützt die Blutgefäße und fördert ihre Regeneration. Mäusen, denen PGC1a fehlt, weisen einen noch stärkeren Verlust von Blutgefässen im Herzen auf, so dass sich das Herzversagen sehr schnell und massiv einstellt.

„Wir nehmen an, dass eine kombinierte Therapie mit Bromocriptin sowie einem Medikament, das wie VEGF wirkt, eine Heilung stark begünstigt und somit eine effizientere Therapieform der PPCM darstellt“, sagt Professorin Hilfiker-Kleiner. Es wäre auch möglich, bei Frauen mit einem Risiko für PPCM das Verhältnis zwischen VEGF und VEGF-blockierendem Faktor sFlt1 zu bestimmen. Das könnte zu einer frühen Diagnose dieser Krankheit führen, so dass frühzeitig mit einer Therapie begonnen werden könne.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Denise Hilfiker-Kleiner, hilfiker.denise@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2531.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics