Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapeutisch nutzbare Zellkultivierung

07.07.2009
Vielen Patienten, die beispielsweise an Parkinson, Diabetes mellitus oder anderen hormonellen Erkrankungen leiden, könnte eine Zelltherapie helfen.

Dabei werden als Ersatz oder Unterstützung funktionsgestörter Zellverbände oder Organe Zellen eingesetzt, die außerhalb des Körpers präpariert wurden. Die dazu benötigten Stammzellen können aber in herkömmlichen Kultivierungssystemen nur sehr aufwändig in ausreichender Menge hergestellt werden.

Um dieses Problem zu lösen, hat ein Team des Instituts für Biopharmazeutische Technologie (IBPT) der Fachhochschule Gießen-Friedberg unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Czermak mit der Cellmed AG in Alzenau kooperiert.

Das erfolgreich abgeschlossene Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des Programms "Pro Inno II" mit 120.000 Euro für das IBPT und 100.000 Euro für den Projektpartner gefördert. Sein Ziel war, einen Prozess zur Produktion von stammzellbasierten Implantaten für die Zelltherapie zu entwickeln.

Die Forschungsgruppe des IBPT, der auch Studierende und Diplomanden des Studiengangs Biotechnologie/Biopharmazeutische Technologie angehörten, arbeitete dabei mit Festbettreaktoren. Diese bieten den Zellen eine geeignete Wachstumsoberfläche an der sie anhaften können. Die Vorteile bei dem Einsatz von Festbettreaktoren liegen in der guten Automatisierbarkeit der Kultivierung und der Zellernte sowie der schonenden Kulturbedingungen. Über Pumpen- und Ventilschaltungen werden dem Festbett Nährstofflösungen, Puffer zum Waschen der Zellen und Enzymlösungen für die Zellernte zugeführt. Die enzymatisch abgelösten Zellen lassen sich einfach aus dem System herausspülen und somit von den Trägern separieren, wodurch auf weitere Einbauten und Prozessschritte verzichtet werden kann.

Die Gießener Forscher testeten drei unterschiedliche Wachstumsflächen für die Zellen. Dabei stellte sich heraus, dass Kalknatronglas zur Kultivierung kaum geeignet ist. Bei den eingesetzten Alternativen Bionoc II und Borsilikat war dagegen ein bemerkenswertes Zellwachstum pro Tag zu beobachten. Die höhere Ausbeute führte zu der Entscheidung, alle weiteren Untersuchungen im Reaktor mit Borsilikat-Glaskugeln von zwei Millimetern Durchmesser auszuführen. Auf der Grundlage von Erkenntnissen, die zuvor im Labormaßstab gewonnen wurden, konnte das Team ein Verfahren für Anwendungen in größeren Reaktorsystemen beschreiben und experimentell überprüfen. Die Untersuchungen belegen, dass sich Stammzellen in Festbettreaktor-Systemen erfolgreich im Produktionsmaßstab kultivieren lassen.

Mit Blick auf die technische Umsetzbarkeit, so ein weiteres Resultat, empfiehlt es sich, wenige, nicht zu schlanke Reaktorformate parallel zu schalten und deren Zelldichte zu reduzieren. Wesentliche Ergebnisse des Projektes sind inzwischen in die Dissertation des Diplom-Ingenieurs und Biologen Christian Weber eingeflossen, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IBPT tätig ist.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibpt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen
24.10.2017 | Universität Hamburg

nachricht Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität
24.10.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer...

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Toxine im Darm

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie