Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Testergebnis in Blut geschrieben

02.05.2012
Papier-basierter Bluttest schreibt Blutgruppe auf

Im Buch „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ von J. K. Rowling schreibt Harry eine Frage in Tom Riddles Tagebuch – und prompt erscheint eine geschriebene Antwort. Australische Forscher haben sich von der Idee des „selbstschreibenden Papiers“ inspirieren lassen. In der Zeitschrift Angewandte Chemie stellen sie einen Blutgruppentest vor, der die Blutgruppe im Klartext anzeigt.

Schnelltests aus Papier sind eine einfache und kostengünstige Möglichkeit für diagnostische Tests, die vor allem für Entwicklungsländer sinnvoll sind. Völlig unkompliziert sind sie aber nicht, bei mangelnder Expertise kann es zu fatalen Missinterpretationen kommen. Wird etwa bei einer Bluttransfusion eine falsche Konserve gegeben, kann dies tödlich enden. Das Team um Wei Shen von der Monash University hat nun ein „antwortendes“ Papier entwickelt, das Blutgruppen völlig eindeutig als Text anzeigt.

Wie die konventionelle Labormethode basiert der Test darauf, dass rote Blutkörpchen agglutinieren, also verklumpen, wenn sie auf Antikörper treffen, die gegen ihre Antigene gerichtet sind. Das Papier wird mit einer wasserabweisenden Schicht mit vier ausgesparten Fenstern bedruckt, in die Antikörper gegeben werden. In Fensterchen mit passenden Antikörpern agglutinieren die roten Blutkörperchen zu großen Klumpen, die in den Papierfasern hängenbleiben und sogar nach dem Waschen mit Salzlösung eine rote Färbung hinterlassen.

Die gängige Einteilung der Blutgruppen ist das AB0-System mit der Einteilung in A, B, AB und 0. Der Buchstabe bezeichnet die auf den roten Blutkörperchen vorhandenen Antigene. Menschen mit Blutgruppe A besitzen Antigene vom Typ A, solche mit Blutgruppe B haben Typ B, bei Blutgruppe AB sind beide Antigen-Typen vorhanden, bei Blutgruppe 0 keine von beiden. Zusätzlich wird unterschieden, ob die Blutkörperchen Rhesusfaktor D tragen (RhD positiv) oder nicht (RhD negativ).

Wie bringt man das Papier nun dazu, die Blutgruppe zu „schreiben“? Für A, B und AB ist das leicht: Zwei der Fensterchen haben die Form der Buchstaben A und B, eingefüllt werden Antikörper gegen die Antigene A bzw. B. Blutgruppe A hinterlässt eine rote Färbung im A-förmigen Fenster, Blutgruppe B im B-förmigen Fenster und AB in beiden. Blutgruppe 0 aber reagiert auf keinen Antikörper. Die Forscher ließen sich etwas einfallen. Dem dritten Fensterchen verliehen sie die Form eines X, gaben Antikörper gegen A und gegen B hinein und druckten eine „0“ in roter wasserfester Farbe auf. Blut der Blutgruppen A, B oder AB färben das X rot – das zeigt Anwendern, dass das Blut nicht Blutgruppe 0 ist, denn die 0 ist damit „durchgestrichen“. Bei Blutgruppe 0 wird das X beim Nachwaschen weiß, allein die rote „0“ ist zu sehen.

Ähnlich pfiffig gingen die Forscher vor, um anzeigen zu lassen, ob das Blut RhD positiv oder negativ ist: Das vierte Fensterchen hat die Form eines senkrechten Striches und enthält Antikörper gegen den Rhesusfaktor D. Wasserfest aufgedruckt wird ein waagerechter Strich. Ist das Blut RhD positiv, färbt es den senkrechten Strich rot und ergibt zusammen mit der aufgedruckten waagerechten Linie ein Pluszeichen. Ist das Blut RhD negativ, wird der senkrechte Strich beim Nachwaschen weiß und das Papier zeigt ein Minuszeichen an.

Angewandte Chemie: Presseinfo 17/2012

Autor: Wei Shen, Monash University, Clayton (Australia), http://users.monash.edu.au/~shen/ContactUs.htm

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201201822

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise