Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tears don’t lie – Pheromone steuern Sozialverhalten

04.10.2013
RWTH-Professor Marc Spehr publiziert gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern eine Studie zum Einfluss von Pheromonen auf das Sozialverhalten von Mäusen im Fachmagazin Nature.

Pheromone spielen im Sozialverhalten vieler Tiere eine wichtige Rolle, indem sie Artgenossen Informationen über das Geschlecht, den Fortpflanzungszyklus oder den Gesundheitszustand vermitteln.

In der nun vorgestellten Studie konnten die Forscher nachweisen, dass ein neu entdecktes Pheromon namens ESP22 Informationen über das Alter bei Mäusen vermittelt. Die Studie wurde von Marc Spehr, Inhaber einer Lichtenberg-Professur und Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes Chemosensorik, gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Harvard und Tokio erarbeitet.

Der Duft der Jugend
Das Pheromon wird altersabhängig in den Tränendrüsen junger Mäuse gebildet. Mit Erreichen der Pubertät, bei Mäusen nach drei bis vier Lebenswochen, nimmt die Bildung von ESP22 drastisch ab. Bei älteren Tieren lässt sich das Pheromon nicht mehr nachweisen. Aber nicht nur das altersabhängige Vorkommen in der Tränenflüssigkeit, sondern auch die Wahrnehmung dieses Pheromons über das sogenannte Vomeronasalorgan sowie dessen Wirkungen auf das Verhalten der Mäuse wurden in der nun erschienen Studie eindrucksvoll dokumentiert.

Das Vomeronasalorgan spielt bei vielen Tieren eine wesentliche Rolle bei der Wahrnehmung sozialer Signale. Die Arbeitsgruppe um Prof. Spehr konnte nun zeigen, dass einzelne Nervenzellen im Vomeronasalorgan der Mäuse für die Erkennung von ESP22 und die Weiterleitung dieses Signals an das Gehirn verantwortlich sind. Obwohl nur ein Bruchteil, ein bis zwei Prozent, aller Nervenzellen im Vomeronasalorgan an der Erkennung von ESP22 beteiligt ist, löst das Pheromon massive Veränderungen des Sozialverhaltens aus.

In Experimenten konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass männliche Mäuse mit defektem Vomeronasalorgan vermehrt Paarungsverhalten gegenüber jungen Mäusen zeigten. Umgekehrt waren juvenile Mäuse, die ESP22 nicht in ihrer Tränenflüssigkeit bilden konnten, deutlich häufiger Paarungsversuchen von erwachsenen Männchen ausgesetzt, als dies bei ESP22 bildenden Artgenossen der Fall war. Selbst bei geschlechtsreifen Tieren konnte die eindrucksvolle Wirkung des Pheromons auf das Paarungsverhalten demonstriert werden: Markierten die Wissenschaftler das Fell erwachsener weiblicher Tiere mit ESP22, nahm auch hier die Anzahl der Paarungsversuche männlicher Artgenossen dramatisch ab. Interessanterweise beeinflusst ESP22 ausschließlich das Paarungsverhalten, nicht aber andere Aspekte der sozialen Interaktionen der Mäuse.

Neuronale Schaltkreise
Die Ergebnisse dieser internationalen Studie machen erneut deutlich, wie ein dem Menschen fehlendes Sinnesorgan Pheromone entschlüsseln und damit direkten Einfluss auf das komplexe Sozialverhalten einer Gruppe ausüben kann. Gemeinsam mit ihren amerikanischen und japanischen Kollegen arbeiten die Aachener Biologen bereits heute an der Aufklärung der neuronalen Schaltkreise im Gehirn, die eine ESP22 abhängige Verhaltensreaktion steuern. Somit dürften auch in Zukunft weitere spannende Neuigkeiten auf dem Gebiet der Chemosensorik auf ihre Entdeckung warten.

Der Artikel kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://dx.doi.org/10.1038/nature12579

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. rer.nat. Marc Spehr
Telefon: 0241 80 20802
m.spehr@sensorik.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics