Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die stille Krise - Biologische Vielfalt schwindet stärker denn je

12.10.2009
Das globale Ziel, bis 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, wird nach Ansicht führender Biodiversitätsexperten nicht erreicht werden. Der steigende Wasserbedarf und Missmanagement führen gerade in Süßwassersystemen zu einem "katastrophalen Schwinden" der biologischen Vielfalt.

Über 600 Experten aus 70 Ländern treffen sich vom 13. bis 16. Oktober 2009 in Kapstadt zur DIVERSITAS, der größten weltweiten Konferenz zur Biodiversitätsforschung.

Das globale Ziel, bis 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, wird nach Ansicht führender Biodiversitätsexperten nicht erreicht werden. Der steigende Wasserbedarf und Missmanagement führen gerade in Süßwassersystemen zu einem "katastrophalen Schwinden" der biologischen Vielfalt. Über 600 Experten aus 70 Ländern treffen sich vom 13. bis 16. Oktober 2009 in Kapstadt zur DIVERSITAS, der größten weltweiten Konferenz zur Biodiversitätsforschung.

Biodiversitätsexperten gehen mit einer bitteren Erkenntnis in ihren Weltkongress nach Kapstadt: Die Weltgemeinschaft wird ihr selbst gestecktes Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis zum nächsten Jahr einzudämmen, nicht erfüllen können. Dieses Ziel war auf der sechsten Vertragsstaaten-Konferenz der UN-Konvention zum Erhalt der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity - CBD) im April 2002 beschlossen worden. 123 Minister und hochrangige Staatsvertreter aus aller Welt hatten sich verpflichtet, das rasante Schwinden der biologischen Vielfalt bis 2010 deutlich zu bremsen, als "Beitrag zur Verminderung der Armut und zum Nutzen allen Lebens auf der Erde." Bislang ohne Erfolg - die Verlustrate ist höher denn je. "Damit werden wir auch einige der UN-Millenniums-Entwicklungsziele für 2015 verpassen, nämlich den Gesundheitsstatus und die Lebensbedingungen der Ärmsten deutlich zu verbessern", urteilt Georgina Mace vom Imperial College in London. Sie ist Vize-Präsidentin des internationalen DIVERSITAS-Programms, welches die zweite Wissenschaftskonferenz dieser Art mit 600 Experten aus aller Welt vom 13. bis 16. Oktober in Kapstadt veranstaltet. "Es gibt kaum ein wichtigeres Anliegen, als die vielfältigen Servicefunktionen von Ökosystemen zu erhalten. Das geht nur auf Basis einer hohen biologischen Vielfalt", sagt Mace. "Sie ist letztendlich Grundlage für ausreichend Nahrung, Energie, sauberes Wasser und ein stabiles Klima. Die Aussterberate der Arten liegt mindestens um den Faktor hundert höher als normal und es ist abzusehen, dass sie weiter ansteigt." Allerdings sei die Situation nicht hoffnungslos. Wichtige Schritte hätten schon in den letzten Jahren unternommen werden sollen. "Der nächste gute Zeitpunkt ist jetzt."

In Flüssen und Seen leben die am stärksten bedrohten Tierarten
Massives Missmanagement, steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels, die rapide Ausbreitung nicht einheimischer Arten und der wachsende Bedarf an sauberem Wasser führen dazu, dass immer mehr Süßwassersysteme kollabieren. Die Aussterberaten von Süßwasserspezies sind 4 bis 6 Mal höher als die ihrer Verwandten an Land oder in Ozeanen. Besonders Regionen wie der Mittelmeerraum, Mittelamerika, China und Südostasien sind betroffen. Klement Tockner, Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin, betont: "Seen und Flüsse bedecken zwar nur 0,8 Prozent der Erdoberfläche, sie beherbergen jedoch etwa 10 Prozent aller Tierarten und mehr als 35 Prozent aller Wirbeltierarten. Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass wir am Beginn einer großen Krise stehen, was die Artenvielfalt unserer Binnengewässer betrifft. Wenige sind sich im Klaren darüber, wie massiv der Verlust auf lokaler, aber auch auf globaler Ebene sein wird. Die Auswirkungen auf dem Menschen werden enorm sein." Denn, so ergänzt Tockner, "die Lebewesen in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten leisten unverzichtbare Serviceaufgaben - mehr als in anderen Ökosystemen" Das betrifft Bereiche wir die Reinhaltung von Trinkwasser, die Kontrolle der Ausbreitung von Krankheitserregern, die Landwirtschaft und die Fischerei. Einige Wissenschaftler gehen beispielsweise davon aus, dass ab dem Jahr 2025 kein einziger Fluss in China - ausgenommen bei Hochwasser - mehr das Meer erreichen wird. Das wird gravierende Auswirkungen auf die Biodiversität und die Küstenfischerei haben.

Tockner weist auch auf die wichtige Funktion von Binnengewässern und Feuchtgebieten als Kohlenstoffspeicher hin. Sie binden rund 7 Prozent des Kohlenstoffs, den Menschen jährlich in die Atmosphäre abgeben. So können Gewässer auf regionaler Ebene maßgeblich den Kohlenstoffhaushalt und damit unser Klima beeinflussen. "Das ist die Leistung von unzähligen Organismen im Gewässer, angefangen bei den Wasserpflanzen bis hin zu den Bakterien. Trotz der herausragenden ökologischen und ökonomischen Bedeutung der Artenvielfalt dieser Ökosysteme hat ihr Schutz kaum Priorität bei politischen Entscheidungen", sagt Tockner. "Erst vor kurzem, hat die Europäische Union die Initiative übernommen, die Situation durch die Biodiversitätsstrategie der Europäischen Kommission zu verbessern, und in den USA hat der Supreme Court beschieden, dass Feuchtgebiete und Fließgewässer am anfälligsten für den Verlust der Biodiversität sind."

Klement Tockner, der auch Sprecher des Leibniz-Verbundes Biodiversität ist, wird seine Forschungsergebnisse zusammen mit dem Kollegen Charles Vörösmarty von der Universität New York auf einem der 25 Konferenzsymposien vorstellen. Er möchte außerdem die Gelegenheit nutzen, weitere Wissenschaftler einzuladen, eine gemeinsame Handlungsempfehlung für politische Entscheidungsträger zu formulieren und zukünftige Forschungsschwerpunkte zu definieren.

Kontakt:
Nadja Neumann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Müggelseedamm 310, 12587 Berlin
Telefon: 030/64181631, Fax: 030/64181600
E-Mail: nadja.neumann@igb-berlin.de
Interviews mit Prof. Tockner per E-Mail oder telefonisch.
Kontakt DIVERSITAS:
Mr. Terry Collins +1-416-538-8712; +1-416-878-8712 (m), tc@tca.tc
Ms. Marina Joubert, +27 83 409 4254, marina@southernscience.co.za

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.diversitas-osc.org
http://diversitasconference.wordpress.com
http://www.igb-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie