Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stevia - Süße Sachen, die nicht dick machen

09.11.2009
TU-Forscher kultivieren Stevia-Pflanzen, ein Jahrhunderte altes Süßmittel der südamerikanischen Indianer

Das hört sich kurz vor Weihnachten besonders gut an: Essen sie so süß, wie sie wollen - sie werden nicht zunehmen. Und den Zähnen schadet es auch nicht - im Gegenteil: Die neue Süße wirkt auch noch Plaque hemmend.

Die Rede ist von "Stevia rebaudiana Bertoni", einer Pflanze aus Südamerika, die bis zu 300-mal süßer schmeckt als Zucker. Seit Jahrhunderten süßen die Indianer im Grenzland zwischen Brasilien und Paraguay mit Stevia-Blättern ihren Tee. In Asien wird Stevosid seit den 50er Jahren als Zuckerersatz verwendet. In Europa ist die Situation eine andere: In den EU-Ländern ist Stevia nicht als Lebensmittel zugelassen. Bislang fällt sie unter die "Novel-Food-Verordnung".

Und trotzdem forscht Dr. Yaroslav Shevchenko vom Fachgebiet "Methoden der Lebensmittelbiotechnologie" an der Technischen Universität Berlin daran, wie man die Frost empfindlichen Korbblütler auch in Mitteleuropa kostengünstig und Umwelt verträglich anbauen kann. "Viele Zuckerersatzstoffe für Diabetiker haben Nebenwirkungen", erläutert der Wissenschaftler sein Interesse am unscheinbaren "Honigkraut". Da die Glykoside, der die Stevia-Staude ihre Süße verdanken, vom Menschen nicht verarbeitet werden können, enthalte sie praktisch keine Kalorien.

Im Labor ist es ihm inzwischen gelungen, Stevia als Sprosskultur zu züchten. "So können wir die Pflanzen zehn Mal pro Jahr unabhängig von der Jahreszeit ernten", berichtet er. Paradoxerweise liebt es die Pflanze selbst süß: In einer Nährlösung zur Pflanzenaufzucht sind 30 Gramm Zucker pro Liter üblich, die Stevia gedeiht am besten mit 50 Gramm Zucker pro Liter Nährflüssigkeit. Doch bevor die Pflanzensprosse in ihrer flüssigen Nährlösung in Glaskolben bei mehr als 25 Grad Wärme gedeihen können, muss sie zunächst auf einem festen Agarboden vermehrt werden. Dazu werden Pflanzenteile zunächst mit Natriumperchlorat (NaClO4) und 70-prozentigem Alkohol sterilisiert und danach mit autoklaviertem - keimfreien - Wasser gespült. In kleinen Gläsern mit Agarboden sprießen aus den Pflanzenteilen Finger lange Keimlinge heran. Diese werden unter wiederum sterilen Bedingungen klein geschnitten und in das flüssige Nährmedium gegeben, in dem sie bei optimaler Belichtung und Temperatur innerhalb von nur drei Wochen zu fertigen Honigkraut-Pflanzen heranwachsen. "Diese Methode ist preiswert, effektiv und noch dazu umweltschonend", sagt Shevchenko. Schließlich schwimmen die Pflänzchen in einer organischen Lösung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nicht nötig.

Die Sprossenkultur im Labor ließe sich jederzeit auch auf industrielle Mengenvorstellungen erweitern. Bis die Europäische Union den kalorienarmen natürlichen Süßstoff auch hierzulande als Lebensmittel zugelassen hat, werden die Lebensmittelexperten der TU Berlin die Pflanze weiter erforschen. "Wir bereiten derzeit einen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor", sagt der Wissenschaftler. Er will dann herausfinden, warum Stevia-Pflanzen mit rötlichen Blättern besonders süß schmecken.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Yaroslav Shevchenko, TU Berlin, Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie, Fachgebiet "Methoden der Lebensmittelbiotechnologie", Tel.: 030/314-71274,

E-Mail: yaroslav_shevchenko@yahoo.com

Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://ec.europa.eu/food/food/biotechnology/novelfood/index_en.htm
http://www.tu-berlin.de/?id=60914

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/?id=60914

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie