Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steuert der Vollmond biologische Rhythmen?

11.11.2008
Das Mondlicht ist ein natürlicher Zeitgeber für viele im Meer lebende Organismen. Aber wie dieses Zusammenspiel genau funktioniert, ist noch weitgehend unerforscht.

Kristin Tessmar vom Zentrum für Molekulare Biologie will in ihrer Forschung klären, welche Rolle bestimmte Lichtsinneszellen für biologische Rhythmen spielen. Die Ergebnisse könnten unter anderem für den Umweltschutz relevant sein.

In einigen Kellern am Campus Vienna Biocenter scheint seit einigen Wochen der Mond - beziehungsweise eine Gartenlampe vom Baumarkt, die den Mond simuliert. Die Würmer, die sich in Boxen rundherum kringeln, stört der Unterschied nicht. Sie erholen sich vom Umzug aus Heidelberg. Von dort sind sie mit Kristin Tessmar und Florian Raible an die Max F. Perutz Laboratories gezogen. Kristin Tessmar erforscht am Department für Mikrobiologie und Immunbiologie das Paarungsverhalten der im Wasser lebenden Ringelwürmer Platynereis dumerili. Das Besondere an den kleinen Tierchen: Sie nutzen das Mondlicht, um ihre biologischen Rhythmen zu steuern.

Neue Forschungsgruppe

Die Arbeitsgruppe behandelt zwei große Forschungsthemen. Einerseits untersucht das junge Team, wie wirbellose Meerestiere ihr Paarungsverhalten mit Hilfe des Mondlichts synchronisieren. Andererseits erforscht die Gruppe sensorische Gehirnzellen von Wirbeltieren, die Hormone ausschütten und auch lichtrezeptive Moleküle enthalten. Hier dient der Zebrafisch als Modellorganismus. "Die Lichtsinneszellen, die in beiden Projekten - einmal im Wurm und einmal im Fisch - im Mittelpunkt stehen, sind evolutionär miteinander verwandt, das heißt sie sind schon vor mehr als 500 Millionen Jahren entstanden und gehören damit zum ältesten Repertoire des Gehirns", erklärt Kristin Tessmar.

Bei Vollmond: Licht nonstop

Dem Vollmond hat man schon viele magische Auswirkungen zugeschrieben, sicher ist: Er steuert die Geschlechtsreife der Meeresringelwürmer. Ist es die Intensität des Mondlichts, die das Leben auf der Erde beeinflusst? Eher nicht, zeigen mehrere Studien. Auch die Wellenlänge des Lichtes ist nicht besonders andersartig, denn Mondlicht ist nur von der Sonne reflektiertes Licht. Kristin Tessmar sieht den großen Unterschied darin, dass es während des Vollmondes keine Pause zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang gibt. Eine wesentliche Komponente könnte also sein, dass es durchgehend Licht gibt - und weniger, dass das Licht vom Mond kommt.

Marine Mondsüchtige

In der Meereswelt gibt es viele Tiere, die ihr Paarungsverhalten nach dem Mond ausrichten. Vor allem wenn die Befruchtung außerhalb der Tiere stattfindet, ist es wichtig, dass Spermien und Eizellen zur gleichen Zeit im Wasser schwimmen, sonst kann die Fortpflanzung nicht funktionieren. Tessmars Modelltier, der Meeresringelwurm, hat einen klaren lunaren Rhythmus.

Neues Labor

Im Labor gibt es zwei Kulturräume, in denen die ForscherInnen die Lichtzyklen des Mondes nachahmen. Die eingangs erwähnte Gartenlampe ist nur provisorisch, in Kürze wird ein computergesteuertes Licht den Mond ersetzen. Einige Ringelwürmer befinden sich in transparenten Boxen in Regalen, andere sind in blickdichten Kästen eingeschlossen, wo sie von speziellen Leuchten mit verschiedenen Lichtwellenlängen mit unterschiedlicher Dauer bestrahlt werden, um zu erforschen, ob sich dadurch etwas ändert. Würde man herausfinden, dass nur bestimmte Lichtqualitäten Zellreaktionen auslösen, könnte man diese Erkenntnisse im Umweltschutz anwenden, indem in der Nähe von Küsten nur Beleuchtung ohne Einfluss auf die Meeresfauna montiert wird.

Lichtabhängiger 24-Stunden-Rhythmus?

In die Räume neben den Würmern ziehen demnächst die Zebrafische ein. Auch sie besitzen - wie alle anderen Wirbeltiere - lichtempfindliche Gehirnzellen wie die Würmer. Die Funktion dieser Zellen ist aber noch nicht erforscht. Für die Zebrafische ist zwar bisher kein Mondrhythmus beschrieben, aber wie fast alle Tiere besitzen sie einen inneren 24-Stunden-Rhythmus. Bei der Steuerung dieses Rhythmus könnten die Lichtsinneszellen eine Rolle spielen. Dafür müssen aber erst die lichtrezeptiven Moleküle genauer untersucht und die Zellen visualisiert werden.

Kontakt:
Dr. Kristin Tessmar-Raible
Department für Mikrobiologie und Immunbiologie
Universität Wien
Max F. Perutz Laboratories
1030 Wien, Dr.-Bohr-Gasse 9
T +43-1-4277-746 35
M +43-664-602 77-746 35
kristin.tessmar-raible@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik