Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sterile Tsetsefliegen zur Bekämpfung der Schlafkrankheit

15.12.2008
Die Laute der Tsetsefliege stehen im Mittelpunkt der Forschung von Helmut Kratochvil von der Fakultät für Lebenswissenschaften.

Im Kampf gegen die Schlafkrankheit, die von der Tsetsefliege übertragen wird, testet der Zoologe in seinem Akustiklabor den "Gesang" der Fliegen, um die Qualität der Tiere festzustellen. Gefragt sind nämlich nur jene Exemplare, die zur Senkung der Gesamtpopulation beitragen können, um die Ausbreitung der tödlich verlaufenden Infektionskrankheit in Afrika in Schach zu halten.

Die Tsetsefliege kann im Prinzip nichts dafür: Der eigentliche Erreger der Schlafkrankheit ist ein parasitär lebender Einzeller, der sich in ihr einnistet. Doch als Überträgerin der Krankheit wird dessen ungeachtet das Wirtstier bekämpft, und das in diesem Fall durch Ausbringung von unfruchtbaren Männchen - denn die Weibchen paaren sich in der Regel nur einmal. Treffen sie auf sterile Männchen, bleibt der Nachwuchs aus und die Population - und damit die Gefahr einer Infektion - nimmt ab.

Diese Methode ist sehr aufwändig und teuer: Um die Schlafkrankheit effizient und erfolgreich zu bekämpfen, müssen für eine Million Weibchen mindestens neun Millionen fortpflanzungsunfähige Männchen ausgesetzt werden, und das über mehrere Jahre. Dennoch hat diese Vorgangsweise einen großen Vorteil gegenüber der chemischen Bekämpfung der Insekten: Sie ist rein ökologisch und damit umweltverträglich.

Geburtenkontrolle durch Sterilisation
Die Sterilisation der Männchen erfolgt durch radioaktive Strahlung der Larven in speziellen Zuchtanlagen. Dies geschieht im Auftrag der IAEA (International Atomic Energy Agency) im Forschungszentrum Seibersdorf. Die IAEA war es auch, die vor mittlerweile acht Jahren an Helmut Kratochvil herangetreten ist. Ihr ungewöhnlicher Wunsch: Die Entwicklung eines akustischen Testverfahrens zur Qualitätsprüfung der sterilen Männchen.
Auf der Suche nach der idealen Fliege
"Das ideale Männchen ist steril, immens aktiv und stirbt bereits nach kurzer Lebenszeit", beschreibt der Zoologe die Qualitätskriterien für die Zucht. Nur die bestens geeigneten Tiere werden als Larven verschickt und in den verseuchten Gebieten Afrikas eingesetzt.
Akustisches Testverfahren ...
Nach fast sieben Jahren Arbeit hat Kratochvil, der auf die akustische Kommunikation von Fischen spezialisiert ist und auch schon zur Elefanten- und Pandakommunikation geforscht hat, den Durchbruch geschafft. Gemeinsam mit dem Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entwickelte er ein verwertbares Verfahren, das im Wesentlichen auf einer neuen Schallanalysesoftware basiert, die die Rufaktivitäten der Männchen automatisch misst und auswertet.
... als Qualitätskriterium
Als Qualitätsmaßstab für die Fliege gilt die Rufaktivität der Männchen. Das standardisierte Prüfverfahren soll in Zukunft weltweit angewandt werden. Im Herbst flog Kratochvil in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba zur IAEA-Abschlusskonferenz des Projekts. "Diese 'Materialprüfung' ist zwar nur ein kleiner Beitrag zur Lösung des Gesamtproblems, aber immerhin einer, bei dem man das Gefühl hat, sinnvoll geholfen zu haben", sagt Helmut Kratochvil.

Das internationale Projekt "Acoustic quality control of tsetse flies" betreibt Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Kratochvil in Zusammenarbeit mit der IAEA (International Atomic Energy Agency - Department of Nuclear Sciences & Applications).

Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Kratochvil
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA 1)
T +43-1-4277-545 37
helmut.kratochvil@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175
http://www.univie.ac.at/evolutionsbiologie/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie