Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Staubpartikel als Katalysator bei der Bildung von Wasserstoff im Weltraum

13.10.2010
Dass Wasserstoffmoleküle H2 im Weltraum vorkommen, ist bekannt. Wie diese jedoch gebildet werden, dazu fehlten bislang die passenden Antworten.

Johannes Kästner, Juniorprofessor für Computational Biochemistry im Exzellenzcluster SimTech, ist dies gemeinsam mit einem Kollegen der niederländischen Universität Leiden jetzt gelungen. Den entscheidenden Beitrag leisten demnach Tunneleffekte und Staubpartikel.

Tunneleffekte sind in der Physik und der Chemie hinreichend bekannte Phänomene. Dabei durchdringt ein quantenmechanisches Teilchen eine Barriere, die höher als seine eigene Energie ist. Ohne Tunneleffekt würde es von der Barriere zurückgeworfen. Verantwortlich ist das Tunneln unter anderem für den Zerfall von Atomen.

Dass der quantenmechanische Effekt auch zur Bildung von Wasserstoffmolekülen im Weltraum entscheidend beiträgt, hat Jun.-Prof. Johannes Kästner vom Institut für Theoretische Chemie der Universität Stuttgart mit seinem niederländischen Partner Dr. Theodorus P. M. Goumans belegt.

„Den Wasserstoffatomen gelingt es bei den niedrigen Temperaturen, die im interstellaren Medium vorherrschen, durch eine Energiebarriere zu tunneln. Mit anderen Worten: Mit Hilfe des Tunneleffekts überwinden sie die letzte Hürde, die der Molekülbildung entgegensteht“, erklärt Kästner den Vorgang. Als Katalysator bei der Bildung der H2-Moleküle fungieren dabei feinste Staubpartikel.

„Die Wasserstoffatome lagern sich zunächst an aromatischen Kohlenwasserstoffen an, bevor sie sich mit Hilfe der Tunneleffekte zu Molekülen zusammenschließen“, beschreibt der 32-jährige die von ihm untersuchte Reaktion.

Bestätigen konnten Kästner und sein Forschungspartner den Effekt mithilfe von Computersimulationen, wie sie im Exzellenzcluster SimTech auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Kästner: „Die Temperaturen und Zeitskalen, die im interstellaren Raum vorherrschen, lassen sich experimentell nicht ausreichend nachbilden. So ist es in diesem Fall unumgänglich, auf Simulationen zurückzugreifen. Die notwendige Rechenleistung zur Durchführung dieser komplexen Simulationen ist erst seit kurzem zugänglich.“ So erklärt sich auch, dass, obwohl die zugrunde liegende Methode schon seit Mitte der 1960er Jahre existiert, bisher nicht hinreichend verifiziert werden konnte, wie die Anlagerung der Wasserstoffatome vor sich geht.

Von seinem Forschungsausflug in den Bereich der Kosmologie erhofft sich der SimTech-Juniorprofessor vor allem methodische Impulse für die Arbeit in seinem eigentlichen Fachgebiet, der Biochemie. „Bei der Erforschung von Enzymen haben wir es nicht wie hier mit 13, sondern gleich mit mehreren Tausend Atomen zu tun“, sagt Kästner. Allerdings ist er zuversichtlich, mit der eingesetzten Methodik auch in seinem Spezialbereich wichtige Fortschritte in der Grundlagenforschung zu erzielen.

Der Artikel zur Forschungsarbeit von Kästner und Goumans wurde veröffentlicht in der Zeitschrift „Angewandte Chemie International Edition“, einer der renommiertesten wissenschaftlichen Publikationsorgane in der Chemie. Den Beitrag gibt es im Internet unter http://dx.doi.org/10.1002/anie.201001311 oder in der deutschsprachigen Version unter http://dx.doi.org/10.1002/ange.201001311.

Weitere Informationen und Interviewanfragen bei Felix Jansen (SRC SimTech), Tel. 0711/685-60097, e-mail felix.jansen@simtech.uni-stuttgart.de, www.simtech.uni-stuttgart.de

Über SimTech:
Die Universität Stuttgart war mit SimTech im November 2007 beim Forschungscluster-Wettbewerb erfolgreich, der im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern initiiert wurde. Die Exzellenzcluster werden auf Bundesebene von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) betreut.

Der SimTech-Exzellenzcluster ist zentraler Kern des „Stuttgart Research Centre for Simulation Technology“ (SRC SimTech), das die Universität Stuttgart bereits im April 2007 mit hochschuleigenen Mitteln eingerichtet hat.

SimTech ist ein Querschnittszentrum und damit ein verbindendes Element zwischen den Fakultäten. Im Cluster werden die vielfältigen Expertisen der Universität Stuttgart auf dem Gebiet der Simulationstechnologien gebündelt und weiterentwickelt. Damit soll Stuttgart nachhaltig als international führender Standort auf diesem Gebiet positioniert werden.

Neben der breit angelegten Grundlagenforschung, dem Lehrbetrieb mit eigenen Studiengängen und einer Graduiertenschule mit mehr als 80 Doktoranden wird auch der Transfer in die industrielle Anwendung gefördert. Namhafte Firmen, darunter Daimler und Bosch, unterstützen SimTech ideell und finanziell.

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201001311
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geckos kommunizieren überraschend flexibel
29.05.2017 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Bauchspeicheldrüsenkrebs: Forschungsgruppe erprobt erfolgreich neue Diagnose- und Therapieansätze
29.05.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise