Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen machen Schule

23.10.2008
Forschungseinrichtungen gehen mit dem Stammzellportal ‚www.zellux.net’ online

Schüler und Lehrer finden ab dem 24. Oktober 2008 zu dem heiß diskutierten Thema Stammzellforschung auf der Internetplattform ‚www.zellux.net’ eine breite Palette an Unterrichtsmaterialien. Das Webportal, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster und verschiedenen Einrichtungen aus den Bereichen Kirche, Ethik, Didaktik und Medizin.

"Ein Embryo im Anfangsstadium hat weder Nerven noch Gehirn. Er kann nicht fühlen und schon gar nicht bewusst denken. Müssen wir ihn trotzdem schützen?", fragt eine Schülerin. Eine andere: "Jeder heute lebende Mensch, auch ich, war einmal ein Embryo. Schulden wir nicht jedem Embryo dieselbe Chance, sich zu entwickeln?" Das Webportal greift die Gedanken von jungen Menschen auf, geht auf ihre Fragen ein und beantwortet sie kurz. Die Antwort dient wiederum als Ausgangspunkt zur Diskussion. Darüber hinaus lädt ein Ethiktest zu einer persönlichen Meinungsbildung ein. Videos veranschaulichen die Vielfalt von Positionen - über alle Parteigrenzen hinweg. Unter "Informationen" werden neben Begriffen aus der Medizin und dem aktuellen Recht auch verschiedene Ethiktheorien erläutert.

Für den Einsatz in der Schule wurde das komplexe Thema "Stammzellforschung" ausgewogen, fachlich fundiert und zugleich verständlich aufbereitet. "Viele Menschen sind unkritisch, andere wiederum lehnen die Stammzellforschung kategorisch ab, ohne wirklich informiert zu sein. Vorurteile, Gleichgültigkeit oder Fehlinformationen bilden oft die Grundlage für Zustimmung oder Ablehnung", erklärt Projektleiter Tobias Cantz vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. "Zellux.net bietet zuverlässige und umfangreiche Informationen zur kritischen Meinungsbildung".

"Man könnte meinen, dass wir als Forscher mit der Website einfach gute Stimmung für die Stammzellforschung machen wollen. Dem ist nicht so. Jede Meinung hat auf zellux.net ihren Platz", sagt Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin. Er wünscht sich eine intensivere gesellschaftliche Auseinandersetzung über die ethischen Aspekte der Stammzellforschung. "Denn mit dem Stammzellgesetz oder der Verschiebung des Stichtages sind die Kontroversen längst nicht beendet und der gegenwärtige Umgang mit den Fragen der Stammzellforschung ist weiterhin von weltanschaulichen Kontroversen gekennzeichnet", so der Stammzellforscher. Für junge Erwachsene, wie sie in unserer multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft aufwachsen, sei es von entscheidender Bedeutung, mit den unterschiedlichen Positionen umgehen zu können.

Materialien aus erster Hand

Die Webseite wurde von Wissenschaftlern geplant und realisiert, die selbst im Bereich der Stammzellforschung tätig sind. Für den Erfolg des Projekts zeichnen auch Johann Ach und Petra Michel-Fabian vom Centrum für Bioethik sowie Marcus Hammann und Manuel Ganser vom Zentrum für Didaktik der Biologie der Universität Münster verantwortlich. Mit im Boot waren auch Gudrun Kordecki vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und Hartmut Schmidt als Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums Münster.

Die Vielfalt an Informationen trifft bei zellux.net auf eine Vielfalt an Formaten. Neben erklärenden Texten und anschaulichen Infografiken bietet das Internetportal beispielsweise Interviews in Form von Videoclips mit Stellungnahmen oder Redeauszügen verschiedenster Persönlichkeiten - von Bischof Huber bis zu Wolfgang Thierse. Im Zentrum stehen jedoch die erprobten Unterrichtseinheiten, die für Einzelstunden bis hin zu mehreren Doppelstunden oder für drei Tage innerhalb einer Projektwoche konzipiert wurden.

"Im Planspiel soll eine Enquete-Kommission dem Deutschen Bundestag eine Empfehlung für den zukünftigen Umgang mit der Stammzellforschung vorlegen. Durch die im Spiel vertretenen gesellschaftlichen Akteure und die ausgeprägten Interaktionen zwischen den Mitspielenden lernen die Schüler spielerisch die verschiedenen Argumentationsketten und Grundwerte kennen, die hinter den jeweiligen Positionen stehen", berichtet Gudrun Kordecki aus ihren Erfahrungen an Partnerschulen. Zusätzlich bietet die Website ein Glossar zu vielen Begriffen rund um die Stammzellforschung, die in den Unterrichtseinheiten verwendet werden.

Einladung zur Eröffnungsfeier

Das zellux-Team lädt interessierte Lehrer und Pressevertreter herzlich zu der Freischaltung der Website in Düsseldorf ein.

Anwesende sind: Prof. Dr. Hans Schöler, Prof. Dr. Ludwig Siep, Dr. Tobias Cantz und alle Projektpartner, sowie Schüler und Lehrer der Partnerschulen.

24. Oktober 2008, 15.30 Uhr
Ort: Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Palmenstraße 16, 40217 Düsseldorf
Ab 15.30 Uhr:
- Begrüßung und Vorstellung zellux.net
- Darstellung des Portals am Beispiel "Planspiel"
- Eröffnung des Portals
Gegen 16.30 Uhr:
- Get Together, zellux-Test-Terminals, Interviewmöglichkeiten
Im Anschluss der Veranstaltung, ab 18 Uhr, findet das Bürgerforum "Stammzellforschung: Forschung & Anwendung, ethischer Konflikt & rechtlicher Rahmen" des Kompetenznetzwerkes Stammzellforschung NRW statt.

Dr. Christina Beck | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie