Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen wie vom Fließband

11.01.2013
Marburger und Gießener Mediziner haben erstmals adulte Stammzellen kultiviert, die dem industriellen Fertigungsstandard der „Good manufacturing practice“ (GMP) genügen und somit zu Behandlungszwecken angereichert werden können.
Insbesondere kommt das neuartige Zellkulturverfahren ohne tierisches Eiweiß aus, das zu allergischen Reaktionen führen könnte. Die Forschungsgruppe veröffentlichte ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Biochemical and Biophysical Research Communications“.

Gemeinsame Pressemitteilung
der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen

Mesenchymale Stammzellen (MSC) sind adulte Stammzellen, die im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen aus verschiedenen menschlichen Geweben gewonnen werden können, zum Beispiel aus Fettgewebe, Nabelschnur, Nabelschnurblut oder Knochenmark. „MSC besitzen eine hohe Plastizität, weshalb sie experimentell zur Regeneration von Wunddefekten bei Haut-, Knorpel- oder Knochenschaden eingesetzt werden, aber auch bei Muskel- oder Herzmuskeldefekten“, erläutert Mitautorin Dr. Cornelia Brendel vom Schwerpunkt für Hämatologie, Onkologie und Immunologie der Philipps-Universität. Sogar Nervengewebe lasse sich inzwischen aus diesen Stammzellen gewinnen. „Der von uns favorisierte klinische Einsatz dieser Zellen beruht auf einer sehr wichtigen biologischen Funktion dieser Zellen“, sagt Doktorand Philipp Nold, der an dem Aufsatz beteiligt ist: „Sie unterdrücken Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und Abstoßungsreaktionen nach Gewebstransplantationen.“

Zahlreiche präklinische Studien belegen die therapeutische Wirksamkeit von mesenchymalen Stammzellen. Die Zellen lassen sich zwar hervorragend unter Laborbedingungen vermehren – sie wachsen jedoch nur einschichtig auf der Oberfläche von Kulturschalen. „Ihre Anreicherung erfolgt in diesen Studien immer in Flaschenkulturen“, berichtet Koautor Professor Dr. Holger Hackstein von der Abteilung für Transfusionsmedizin und Hämotherapie der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Für die Behandlung eines Patienten benötigt man aber mindestens 100 Millionen Zellen und daher sehr viele Einzelkulturflaschen.“ Dies birgt eine hohe Gefahr der Verunreinigung. Darüber hinaus erforderte die MSC bislang den Einsatz von Rinderseren, auf das manche Patienten allergisch reagieren; außerdem besteht das Risiko einer Infektion mit BSE oder anderen Erregern.

Das mittelhessische Wissenschaftlerteam hat nun erstmals eine Kultivierungsmethode für MSC etabliert, bei der die Zellen in einem Hohlfasersystem wachsen. Hierfür erhielt die Gruppe einen Bioreaktor der US-amerikanischen Firma „Terumo BCT“ zur Testung. Das Hohlfasersystem ist in sich geschlossen und besitzt eine große Oberfläche auf kleinstem Raum. „Da wir menschliche Zellprodukte statt Tierserum verwenden, ist es uns gelungen, die Expansion der MSC auf eine GMP-konforme Plattform zu stellen“, führt Hackstein aus. Dadurch ließen sich MSC künftig für den Einsatz am Menschen in großem Stil anreichern, ohne einen Kompromiss gegenüber den hohen Anforderungen des deutschen Gesetzes zur Herstellung von Arzneimitteln machen zu müssen. „Wir in Marburg und Gießen waren zusammen mit Kollegen von der Blutbank in Ulm international die Ersten, die dieses Verfahren etabliert haben“, ergänzt Professor Dr. Andreas Neubauer, Direktor des Schwerpunkts für Hämatologie, Onkologie und Immunologie der Philipps-Universität.

Originalveröffentlichung: Philipp Nold,,Cornelia Brendel, & al: Good manufacturing practice-compliant animal-free expansion of human bone marrow derived mesenchymal stroma cells in a closed hollow-fiber-based bioreactor, Biochemical and Biophysical Research Communications 430 (2013), pp. 325–330, DOI: 10.1016/j.bbrc.2012.11.001
Weitere Informationen:
Dr. Cornelia Brendel,
Schwerpunkt für Hämatologie, Onkologie und Immunologie der
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 58-65061
E-Mail: brendelc@staff.uni-marburg.de
Professor Dr. Holger Hackstein,
Abteilung für Transfusionsmedizin und Hämotherapie der
Justus-Liebig-Universität Gießen
Tel. 0641 99-41502
E-Mail: Holger.Hackstein@immunologie.med.uni-giessen.de

Medienkontakt:
Justus-Liebig-Universität Gießen
Pressestelle
Tel.: 0641 99-12041
E-Mail: pressestelle@uni-giessen.de
Philipps-Universität Marburg
Stabsstelle Wissenschaftskommunikation
Tel.: 06421 28-25866
E-Mail: pressestelle@uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de
http://www.uni-giessen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten