Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spitze Sonden aus der Mikrowelle

21.10.2010
Chemiker der Universität Jena verbessern Verfahren für die Rasterkraftmikroskopie

Forschern der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es gelungen, ein Verfahren zur Herstellung scharfer Sonden für die Rasterkraftmikroskopie deutlich zu verbessern.

Mit der Rasterkraftmikroskopie werden Oberflächen so abgetastet, dass selbst kleinste Nanostrukturen sichtbar werden. Kenntnisse dieser Strukturen sind beispielsweise wichtig für die Entwicklung neuer Werkstoffe oder von Trägersystemen für Wirkstoffe.

Für die Bildqualität spielt die verwendete Sonde eine bedeutende Rolle, da ihre Größe die abbildbare Dimension begrenzt – je kleiner die Sonde ist, umso kleiner können die Strukturen sein, die sich noch erkennen lassen.

Kohlenstoffnanoröhren gelten als hervorragendes Material, um käufliche Rastersonden weiter zu verbessern. Allerdings lassen sie sich in der Praxis nur schwer auf den Rastersonden verankern, was ihre Einsatzmöglichkeiten bisher einschränkt.

Wie diese Schwächen überwunden werden können, haben Chemiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena entdeckt. Der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrich S. Schubert ist es gelungen, eine neuartige Herstellungsmethode zu entwickeln, die das Wachstum dieser Kohlenstoffnanoröhren direkt auf der Rastersonde erlaubt. Die innovativen Erkenntnisse werden in der neuen Ausgabe des führenden Fachmagazins für die Nanowissenschaft „Nano Letters“ publiziert und sind bereits online abrufbar (http://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/nl101934j).

Die Jenaer Forscher greifen bei diesem Prozess zu Mikrowellenstrahlung, die für ein schonendes, aber sehr schnelles Wachstum der Nanoröhren sorgt. Dieses Wachstum beginnt an kleinen Kobaltkügelchen, die mit Hilfe der Mikroskopiesonde aufgenommen werden. „Ähnlich wie in der Küchenmikrowelle, wo ein vergessener Löffel die Mikrowellenstrahlung besonders stark absorbiert, so heizen sich auch die Metallkugeln in der Mikrowelle sehr stark auf und erzeugen eine Temperatur, die ausreicht, um Alkoholdampf in Kohlenstoff umzuwandeln“, erläutert Tamara Druzhinina aus Schuberts Arbeitsgruppe. „Durch die besonderen Bedingungen in der Mikrowelle, in der Drücke von bis zu 20 bar erzeugt werden können, entstehen auf diese Weise sehr schnell Kohlenstoffnanoröhren“, verrät ihre Kollegin Dr. Stephanie Höppener den Trick des Herstellungsprozesses.

„Das von uns entwickelte Verfahren ermöglicht eine sehr kostengünstige Herstellung von sehr scharfen Sonden zum Beispiel für die Rastersondenmikroskopie“, sagt Prof. Schubert. „Diese kann man zwar jetzt schon käuflich erwerben, jedoch sind sie mit über 350 Euro pro Sonde noch sehr teuer. Mit der von uns vorgestellten Methode kann potenziell ein Preisniveau erreicht werden, das den Einsatz solcher Spitzen auch bei der Bearbeitung von Routinefragen erlauben würde“, weist der Jenaer Chemiker auf den Nutzen für die Praxis hin.

Kontakt:
Dr. Stephanie Höppener / Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstr. 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948261 oder 948201
E-Mail: s.hoeppener[at]uni-jena.de / info[at]schubert-group.de
Originalpublikation:
Tamara S. Druzhinina, Stephanie Höppener, Ulrich S. Schubert: „Microwave-Assisted Fabrication of Carbon Nanotube AFM Tips“, DOI: 10.1021/nl101934j

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/nl101934j
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie