Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spieltheorie erklärt Zusammenleben von Krebszellen

28.01.2015

Forschern der Universität Basel und der britischen University of East Anglia ist es gelungen, anhand von spieltheoretischen Ansätzen das Zusammenleben von Krebszellen nachzustellen. Ihre Forschungsresultate wurden in der Zeitschrift «PNAS» veröffentlicht.

Ein Tumor besteht aus einer Population von unterschiedlichen Krebszellen, die untereinander um Platz und Nährstoffe konkurrieren. Gleichzeitig kooperieren sie aber auch in ihrem Bestreben nach Überleben, indem sie beispielsweise überlebenswichtige Wachstumsfaktoren untereinander teilen.


Public-Goods-Game: Farblose Krebszellen, die keinen Wachstumsfaktor produzieren, ihn aber benötigen, vermehren sich in einer Population von grünen Krebszellen, die IGF-II produzieren und konsumieren.

Universität Basel, Daniela Ferarro

Zellklone, die selber keinen Wachstumsfaktor produzieren, haben einen Wettbewerbsvorteil, weil sie den Faktor von produzierenden Zellen verwenden können, ohne selber für die «Produktionskosten» aufzukommen. Wie genau diese Kooperation zwischen Tumorzellen funktioniert, ist bisher noch unklar und erschwert medizinische Behandlungen, die versuchen, das Tumorwachstum zu bremsen.

Trittbrettfahrende Krebszellen

Das «Public Goods Game» ist Teil der Spieltheorie und wird in den Wirtschaftswissenschaften als Modell genutzt, um die Bereitstellung von gemeinschaftlichen Gütern zu analysieren. Bei der Nutzung dieser Gütern entsteht ein Ungleichgewicht zwischen denen, die Güter zur Verfügung stellen und die Kosten dafür tragen, und denen, die nicht bezahlen, aber die Güter konsumieren – eine Situation, die in der Ökonomie unter dem Namen Trittbrettfahrerproblem bekannt ist.

Die Basler Forscher haben nun dieses Modell auf das Zusammenspiel zwischen produzierenden und konsumierenden Mitgliedern einer Krebszellenpopulation angewandt, um zu untersuchen, ob es auch in biologischen Prozessen wie der Krebsentstehung eine Rolle spielen könnte.

Anhand von entsprechenden Computersimulationen konnten die Forscher das langfristige Gleichgewicht zwischen produzierenden und «Trittbrettfahrer»-Zellen berechnen und die Vorhersage dann im Experiment an Krebszellen der Bauchspeicheldrüse testen, wo sie sich bestätigte.

«Neben der Erkenntnis, dass biologische Prozesse in Computersimulationen vorhergesagt werden können, zeigen unsere Resultate auch, dass die Erforschung der «sozialen» Beziehungen zwischen Krebszellen neue Erkenntnisse über die Entstehung von Tumoren sowie stabilere Behandlungen bringen könnte», so Gerhard Christofori, Professor am Departement Biomedizin der Universität Basel.

Originalbeitrag
Marco Archetti, Daniela A. Ferraro, and Gerhard Christofori
Heterogeneity for IGF-II production maintained by public goods dynamics in neuroendocrine pancreatic cancer
PNAS 2015; published ahead of print January 26, 2015, doi:10.1073/pnas.1414653112

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Gerhard Christofori, Departement Biomedizin, Universität Basel, Tel. +41 61 267 35 62, E-Mail: gerhard.christofori@unibas.ch

Weitere Informationen:

http://www.pnas.org/content/early/2015/01/21/1414653112.abstract - Abstract

Reto Caluori | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Immunabwehr ohne Kollateralschaden
23.01.2017 | Universität Basel

nachricht Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens
23.01.2017 | Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie