Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezifische Merkmale des Hepatitis-C Virus - Ein erster Schritt zur individualisierten HCV-Therapie

05.07.2013
Die Hepatitis-C Virus (HCV) Infektion ist mit etwa 130 Millionen Infizierten eine der weltweit verbreitetsten Infektionskrankheiten.

Bei ungefähr 70 Prozent von ihnen entsteht - meist unbemerkt über einen Zeitraum von 20 Jahren - eine chronische Leberentzündung, der dann häufig eine Leberzirrhose und im schlimmsten Fall Leberkrebs folgt. Die Ausprägungen der Krankheit sind jedoch sehr individuell.

Dr. Sibylle Haid, Wissenschaftlerin am Institut für Experimentelle Virologie des TWINCORE untersucht den Mechanismus, mit dem sich das Virus Zutritt zu unseren Leberzellen verschafft – und ist dabei dem „Individuum HCV“ einen Schritt näher gekommen.

Hinter dem Namen HCV verstecken sich sieben Genotypen, die anhand ihrer genetischen Unterschiede eingruppiert werden. Die einzelnen Genotypen haben unterschiedliche Auswirkungen auf ihren Wirt – den Menschen. Bei dem einen Patienten bildet sich innerhalb weniger Jahre ein Leberzellkarzinom, ein anderer bekommt eine Fettleber. Diese Vielfalt und Flexibilität der Viren erschwert die Behandlung der Hepatitis-C Virusinfektion – die verfügbaren Medikamente wirken längst nicht bei jedem Patienten und wenn sie wirken, ist die Therapie sehr langwierig und hat starke Nebenwirkungen.

Eine Möglichkeit, die Ausbreitung von Viren im Körper zu verhindern, ist sie am Betreten der Zellen zu hindern. Das HC-Virus schleust sich mit einem komplexen Mechanismus in die Leberzelle ein und eines von vier Schlüsselmolekülen in diesem Prozess ist Claudin – ein Oberflächenprotein auf Leberzellen. Claudine gibt es viele, das Hepatitis C Virus kann jedoch nur drei Familienmitglieder nutzen, um eine Zelle zu infizieren.

Derzeit arbeiten Forscher daran, diese Schlüsselmoleküle auf der Zelloberfläche mit Antikörpern zu blockieren, um so eine Ausbreitung des Virus zwischen den Leberzellen zu verhindern. „Wir haben gefunden, dass jedoch nicht alle getesteten HCV-Isolate auf Claudin 1 angewiesen sind“, sagt Sibylle Haid.

„Im Zellkultursystem konnten wir zeigen, dass Vertreter der einzelnen Genotypen die einzelnen Claudine unterschiedlich gut nutzen konnten.“ Lediglich einige der HCV-Genotypen waren auf die Nutzung von Claudin 1 spezialisiert, während die getesteten Isolate der anderen vier Genotypen sowohl Claudin 1 als auch Claudin 6 nutzen konnten. Damit wäre eine Therapie der HCV-Infektion mit Claudin 1-spezifischen Antikörpern nur erfolgreich, wenn der Patient mit einer auf Claudin 1 spezialisierten HCV- Variante infiziert ist – bei einer Infektion mit einem der anderen vier Genotypen kann das Virus – theoretisch - auf Claudin 6 ausweichen und dennoch in die Zelle eindringen.

Jetzt wollen die Wissenschaftler am TWINCORE die Verbindung zwischen der genetischen Sequenz der Virus-Typen und ihrer Fähigkeit an die einzelnen Claudine zu binden, finden.

„Das hat uns deutlich gemacht, wie viele Variablen es bei der Infektion mit dem Hepatitis-C Virus gibt“, sagt Prof. Thomas Pietschmann, Direktor des Instituts für Experimentelle Virologie, „und das ist wiederum ein ganz wichtiger Schritt zur individualisierten Medizin in der HCV Therapie.“ Denn nicht nur auf das Virus kommt es an, sondern auf die Kombination aus Virus und Wirt. „Wenn es uns gelingt, diese Zusammenhänge zwischen den zellulären Bedingungen beim Wirt und der Virusvariante zu verstehen, können wir die individuellen Erfolgsaussichten einer HCV-Behandlung mit Claudin 1-spezifischen Antikörpern besser abschätzen“, sagt Thomas Pietschmann. Und das wäre ein wichtiger Schritt für eine erfolgreiche Behandlung.

Ansprechpartner
Dr. Sibylle Haid, sibylle.haid@twincore.de
Tel: 0511-22002-7138

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de/forschung/institute/experimentelle-virologie/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften