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SPECTAcolor - Europäisches Projekt stößt in eine neue Dimension der Krebsforschung vor

29.10.2014

Die Europäische Organisation für die Erforschung und Behandlung von Krebs (European Organisation of Research and Treatment of Cancer – EORTC) hat innerhalb eines Jahres über 400 Patienten für das Screening-Programm SPECTAcolor (Screening Patient for Efficient Clinical Trail Access) gewinnen können.

Damit wurden die Erwartungen deutlich übertroffen, die die Koordinatoren Prof. Sabine Tejpar vom Universitair Ziekenhuis Campus Gasthuisberg in Leuven sowie der Onkologe PD Dr. Gunnar Folprecht und die Pathologin PD Dr. Daniela Aust vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in das Projekt gesetzt hatten.

SPECTAcolor ist die Antwort auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Therapieerfolg bei Krebserkrankungen stark von speziellen Eigenschaften des Tumorgewebes abhängt. Um die für den jeweiligen Patienten erfolgversprechendste Therapie zu finden, muss das Tumorgewebe in großem Maßstab gesammelt, analysiert und mit einer möglichst großen Zahl weiterer Fälle abgeglichen werden.

Diese patientennahe Forschung kann nur ein gut funktionierendes Netzwerk wie SPECTAcolor leisten, in dem sich Ärzte und Wissenschaftler aus zehn Ländern und 29 Kliniken engagieren.

„Noch vor acht Jahren hätten wir nicht gedacht, dass es so unterschiedliche Formen von Darmkrebs gibt. Dabei geht es weniger um das äußere Erscheinungsbild, wie es der Radiologe auf dem CT-Bild oder der Chirurg bei der Operation sieht. Vielmehr offenbart sich die Vielgestaltigkeit der Tumore oft erst bei der Chemotherapie, die nach der OP folgt: Bei einigen Patienten konnten wir mit bestimmten Medikamenten oder einer Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe gute Erfolge erzielen, bei anderen nicht.

Heute kennen wir die Gründe dafür: Die genetischen Eigenschaften der Tumore können so verschieden sein, dass in einigen Fällen die Medikamente nicht die gewünschten Effekte haben“, sagt PD Dr. Gunnar Folprecht. Der auf Onkologie spezialisierte Internist ist leitender Arzt am Universitäts KrebsCentrums sowie der Onkologischen Tagesklinik der Medizinischen Klinik I des Dresdner Uniklinikums.

Mit modernen molekularen Untersuchungsmethoden – wie sie das Institut für Pathologie des Dresdner Uniklinikums vorhält – ist es heute möglich, die Genome von Tumoren zu analysieren und die Unterschiede zu dokumentieren. Untersucht werden die Proben erwachsener Patienten, bei denen bereits Metastasen aufgetreten sind.

„So finden wir Patienten mit speziellen Veränderungen im Tumor, für die wahrscheinlich völlig andere Medikamente notwendig sind als wir normalerweise verwenden. Wichtig ist jedoch, die Wirksamkeit der Medikamente auch für diese selteneren Formen gut nachweisen zu können. Dies war mit den bisherigen Strukturen kaum möglich“, so PD Dr. Folprecht. Mit der Zustimmung der Patienten kommen alle im Rahmen des europaweiten Projekts gesammelten Gewebeproben ins Institut für Pathologie des Dresdner Universitätsklinikums.

Hier werden sie in der Arbeitsgruppe Molekularpathologie (Leitung PD Dr. Aust) unter strengsten Anforderungen aufbereitet und auf ihre DNA-Abstammung analysiert. Im Anschluss gehen die Proben an das renommierte Wellcome Trust SANGER Institute of Cambridge, wo mittels des Next Generation Sequencing (NGS) parallel mehr als 400 Krebsgene vollständig untersucht werden. Einzigartig bei SPECTAcolor ist auch, dass Patienten während der weiteren Therapie und Nachsorge begleitet werden. Die so gesammelten Langzeitdaten helfen dabei, den Prozess der Resistenz und der Wiederkehr einer Krebserkrankung zu verstehen.

Das vom EORTC Charitable Trust sowie dem Schweizer Chemie- und Gesundheitskonzern „Alliance Boots“ geförderte Projekt kann auf ein erfolgreiches Startjahr zurückblicken: Mittlerweile haben sich über 400 Darmkrebspatienten bereiterklärt, Gewebeproben ihres Tumors sowie die Daten ihrer Krebstherapie der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Damit hat SPECTAcolor sein anfangs gesetztes Ziel übertroffen: Das aus 29 Kliniken in zehn Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Schweden, Schweiz Spanien und Zypern) bestehende Netzwerk wollte im ersten Jahr 300 Patienten für das Forschungsvorhaben gewinnen. – Aktuell sind es 423. „Das ist ein voller Erfolg. Wir haben gezeigt, dass eine solche Plattform in relativ kurzer Zeit arbeitsfähig sein kann. Dank dieses Erfolgs sind nun klinische Studien möglich, die Patienten mit spezifischen molekularen Charakteristika in zugeschnittene Untergruppen unterteilen“, so PD Dr. Folprecht.

Ziel ist es nun, jährlich 600 bis 1.000 Patienten neu für SPECTAcolor zu gewinnen und deren Gewebeproben sowie Daten zuverlässig und in hoher Qualität zu sammeln und aufzubereiten. Co-Koordinatorin Prof. Sabine Tejpar der Universitair Ziekenhuis Campus Gasthuisberg in Leuven erklärt:

„Die Gewebeproben, die wir sammeln, werden unser biologisches Verständnis der Krankheit verbessern. Das ist möglich, weil wir über eine Plattform verfügen, die Expertenwissen vereint und so Gewissheit schafft. SPECTAcolor liefert künftig Daten, die von vielen Fachkollegen benutzt werden können, um gemeinsam die Behandlungen für Patienten mit Darmkrebs zu verbessern.“

Bestärkt von der Steigerungsrate des ersten Jahres weitet SPECTAcolor das Netzwerk durch weitere Kooperationen mit Einrichtungen aus Kanada, Singapur und Südkorea aus. Außerdem sollen künftig weitere Patientengruppen von der Vorgehensweise der Forscher profitieren: Aufbauend auf die bisherigen Erfahrungen werden dazu neue Forschungsplattformen aufgebaut, die sich mit den Gewebsmerkmalen weiterer Formen von Krebserkrankungen befassen. Dazu gehören die Projekte SPECTAlung und SPECTAbrain für Patienten mit Lungen- und speziellen Hirntumoren sowie SPECTAmel für Patienten mit dem schwarzen Hautkrebs Melanom.

Weitere Informationen
http://spectacolor.eortc.org
http://www.eortc.org

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik I
PD Dr. med. Gunnar Folprecht,
Tel. 0351 458 47 94
E-Mail: Gunnar.Folprecht@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/mk1

Holger Ostermeyer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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