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Spatzenlatz und Schnabelfarbe – die Statussymbole der Spatzen

04.06.2010
Die Größe des Brustflecks und die Schnabelfarbe von männlichen Spatzen ändern sich im Laufe eines Jahres. Ornamente wie diese signalisieren Artgenossen die Qualität und Dominanz eines Männchens und korrelieren im Allgemeinen mit dessen Testosteronspiegel.

Dieser ist vor und während der Brutzeit höher als zum Beispiel während der Mauser im Herbst. Ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zeigte nun in einer umfassenden Studie, dass nur die Schnabelfarbe mit der Menge an Testosteron im Blut zusammenhängt. Die Größe des Brustflecks ist dagegen unabhängig vom Hormonspiegel (Online-Veröffentlichung in Behavioural Ecology and Sociobiology, 29. Mai 2010).

Spatzen leben in Gruppen. Unter den Männchen gibt es ganzjährig aggressive Auseinandersetzungen, um die Rangordnung zu klären. Äußerliche Merkmale wie Brustfleck und Schnabelfarbe – sogenannte Ornamente - dienen als Signale für Artgenossen. Je größer zum Beispiel der Kamm eines Hahnes, desto ranghöher ist der Träger. Für die Ausprägung vieler solcher sexuell selektierten Ornamente im Tierreich ist das Hormon Testosteron verantwortlich, das unter anderem dominantes und aggressives Verhalten fördert. Allerdings sind unvermeidbare Kosten mit diesen Ornamenten verbunden, denn hohe Testosteronmengen im Blut schwächen das Immunsystem und die Resistenz gegen Stress, und auch das erhöhte Aggressionspotenzial kann unter Umständen für das Tier teuer werden. Daher nennt man die Ornamente auch „ehrliche Signale“, denn nur fitte Tiere können sich diese Kosten leisten.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen interessierte nun nicht nur der Zusammenhang zwischen der Ausbildung der Ornamente männlicher Spatzen und der Testosteronmenge im Blut, sondern auch ob und wie sich die Zusammenhänge im Laufe des Jahres verändern. „Der Jahreszeitenvergleich ist ein wichtiger Ansatz, da der Brustfleck bei der Mauser im Herbst angelegt wird, aber vielleicht erst in der Brutzeit von Bedeutung ist, wenn die weißen Federspitzen abgenutzt sind und der schwarze Brustlatz darunter deutlich erkennbar ist“, sagt Silke Laucht, die diese Untersuchung ausführte. Daher nahmen die Forscher von 150 Sperlingsmännchen im frühen Herbst während der Mauser, im Januar, im März zu Beginn der Brutsaison und im Juni zur Hauptbrutsaison eine kleine Blutprobe und machten Fotos von Brust und Schnabel der Tiere.

Testosteron beeinflusst Schnabelfarbe

Wie die Wissenschaftler erwarten, schwankte der Testosteronspiegel im Jahresverlauf, und war vor und während der Brutsaison am höchsten. Während der Mauser, wenn die Tiere am verletzlichsten sind, war er am niedrigsten. Auch der Zusammenhang zwischen der Schnabelfarbe und dem Testosteronspiegel war eindeutig: Je mehr Testosteron zu einer bestimmten Jahreszeit im Blut zirkulierte, desto dunkler war der Schnabel.

Beim Brustfleck allerdings machten die Forscher eine verblüffende Entdeckung: Zu keiner Jahreszeit gab es einen Zusammenhang zwischen der Größe des Brustflecks und dem Testosteronspiegel im Blut. Ist also der Brustfleck doch kein Signal für Dominanz? „Andere Studien haben Korrelationen der Größe des Brustflecks mit dem Alter und der Körpergröße der Tiere gefunden“, sagt Laucht. Also könnte der Brustfleck ein Signal für eine nicht rein testosteronabhängige Dominanz sein.

Die umfangreiche Studie hielt noch eine weitere Überraschung bereit: Männchen mit den höchsten Testosteronspiegeln während der Brutzeit wiesen nicht zwangsläufig auch die höchsten Spiegel während der Mauser auf. Wie können Ornamente während der Mauser ausgebildet werden und Monate später in der Brutsaison ehrlich ihre Informationen zeigen? Das ist für Silke Laucht und ihre Mitautoren ein Widerspruch, den sie als nächstes aufklären wollen.

Originalveröffentlichung:
Silke Laucht, Bart Kempenaers and James Dale
Bill color, not badge size, indicates testosterone-related information in House Sparrows
Behavioural Ecology and Sociobiology. Veröffentlicht am 29.05.2010
DOI: 10.1007/s00265-010-0961-9
Kontakt:
Silke Laucht
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Tel. +49 (0)8157 932 320
E-mail: laucht@orn.mpg.de
Dr. Sabine Spehn
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49 (0)8157 932 421
Email: sspehn@orn.mpg.de

Dr. Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/

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