Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Söhne sind evolutionsbiologisch überflüssig

20.09.2012
Asexuelle Fortpflanzung für Evolutionsbiologe Milinski logischer als Sex

Söhne sind aus Sicht der Evolution ein überflüssiger Luxus und die Evolution hätte eigentlich im Sinne der Optimierung das männliche Geschlecht schon längst eliminieren müssen", sagt Manfred Milinski, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie http://www.evolbio.mpg.de .

Trotzdem pflanzen sich die meisten Tierarten sexuell fort. Der Sinn der sexuellen Fortpflanzung liegt nur in der Neukombination von Genen bei den Nachkommen.

Großer Immunpool wichtig

Ginge es um die reine Logik, so der Wissenschaftler, wäre Sex schon von der Bildfläche verschwunden oder im Verlauf der Evolution gar nicht aufgetaucht. "Die Existenz von Sexualität ist das Königsproblem der Evolutionsbiologie", sagt Milinski. Denn ein Weibchen, dass sich ausschließlich asexuell fortpflanzt, produziere doppelt so viele Nachkommen wie ein sich sexuell fortpflanzendes Weibchen.

Das hat Milinski in einer Simulation ermittelt. Trotzdem produziert Sex eine gewisse Vielfalt. Es erlaubt dem Organismus, Gene gezielt neu zu kombinieren. Durch die Vermischung von unterschiedlichen Immunkomponenten können sie sich an die gefährlichste Umweltveränderung anpassen. So können furiose Attacken von sich ständig wandelnden Krankheitserregern besser abgewehrt werden.

Das Problem in der modernen Gesellschaft sind technische Erfindungen, wie etwa die Brille, unterstreicht der Forscher. Dass man Fehlsichtigkeit korrigieren kann, verfremde die natürliche Selektion. Der Weg, über den die Sexualpartner die Unterschiede der Immungene bemerken, gehe über die Nase. Der Körpergeruch entscheidet über die Partnerwahl, auch unterbewusst.

Körpergeruch nie gleich wahrgenommen

Wer seinen Lebenspartner nach dem Körpergeruch und nicht nach sozialen Äußerlichkeiten aussucht, sorgt streng genommen dafür, dass seine Nachfahren mit einem starken Immunsystem gesünder leben. Dabei wirken sich im individuellen Körpergeruch Gene aus, die für eine wichtige Komponente des Immunsystems verantwortlich sind, die sogenannten MHC-Allele. Fremder Körpergeruch wird als angenehm empfunden, wenn die Immungene besonders unterschiedlich von den eigenen sind.

Kinder eines Paares, das über die Gerüche harmoniert, haben durch die Mischung der unterschiedlichen Gene ein besonders starkes Immunsystem. In einer Studie ließ Milinski Frauen den Geruch von benutzten T-Shirts von 140 männlichen Probanten beurteilen. Dabei zeigte sich, dass auch Menschen die Immungene als besonders angenehm empfinden, die sich stark vom eigenen Immunsystem unterscheiden.

Selbst das eigene Parfüm wählen die meisten Menschen so aus, dass es zu ihrem Immunprofil passt. In einer anderen Studie hat Milinski mit seinem Team Testpersonen Blutproben entnommen, um deren MHC-Ausstattung zu bestimmen. Tatsächlich teilten Personen, die eine ähnliche Sammlung an Immungenen besaßen, auch die Vorliebe für bestimmte Duftnoten. "Das konnten wir kaum glauben", sagt Milinski.

Oranus Mahmoodi | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.evolbio.mpg.de

Weitere Berichte zu: Evolution Fortpflanzung Immungene Immunsystem Körpergeruch Milinski Nachkommen Söhne Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften