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So hat die Gelbbauchunke eine Zukunft

01.10.2014

Die Gelbbauchunke hat in Nordhessen wieder eine Zukunft: Ein Projekt der Universität Kassel hat die Lebensbedingungen dieser stark gefährdeten Amphibienart im mittleren Fuldatal verbessert und so zu einer Stabilisierung der Population beigetragen. Der Erfolg weist den Weg zu einer nachhaltigen ökologischen Aufwertung des Lebensraums auch für andere bedrohte Tierarten

Die Gelbbauchunke lebt in kleinen Tümpeln und Pfützen, wie sie vor allem in den Auen naturnaher Flüsse und Bäche vorkommen. Sie war früher in Deutschland weit verbreitet. Weil aber immer mehr Feuchtgebiete trocken gelegt wurden und den Fließgewässern mit dem Ausbau ihre natürliche Dynamik genommen wurde, gilt sie heute als stark gefährdet; in Nordhessen ist sie gar vom Aussterben bedroht.


Junge Gelbbauchunken. Foto: Neubeck

In das Projekt des Fachgebiets Gewässerentwicklung/Gewässerökologie der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Braukmann wurden etliche Projektpartner einbezogen, darunter auch die lokalen Experten aus dem ehrenamtlichen Naturschutz, deren Wissen über die örtlichen Verhältnisse eine wichtige Bedingung für die positive Bilanz des Projekts war.

In den vergangenen drei Jahren wurden an ausgewählten Orten in der Region die Lebensbedingungen dieser Amphibienart verbessert und dabei spezielle Aspekte ihrer Lebensraumansprüche erforscht.

Mit Erfolg: Die Bestände haben sich erholt und die Art beginnt, sich wieder in der Fuldaue und den umliegenden Bachtälern auszubreiten.

„Da die Gelbbauchunke als sogenannte Leitart gilt, führt das gleichzeitig dazu, dass sich auch andere Arten hier wieder heimisch fühlen“, sagt Projektkoordinator Dr.-Ing. Claus Neubeck. Denn was für die Gelbbauchunke gut ist, gefällt auch anderen bedrohten Tieren, z. B. Kreuzkröten oder Libellen; Vogelarten wie der Weißstorch und die Bekassine wiederum profitieren vom vermehrten Nahrungsangebot.

Um die vorhandenen Restvorkommen der Unke zu stabilisieren, wurden im Projekt rund 150 Laichtümpel angelegt, insbesondere im Gebiet der mittleren Fulda zwischen Rotenburg und Bebra. Zudem wurde auf ausgesuchten Weideflächen an der mittleren Fulda der natürliche Wasserhaushalt wiederhergestellt, das heißt sie stehen einen Teil des Jahres unter Wasser. In den Tränken, Suhlen und Trittspuren der Rinder sammelt sich das Wasser und bietet den Unken einen natürlichen Lebensraum.

Steigerung der Population auf fast das Fünffache

Drei Sommer lang zählten die Wissenschaftler die Unken, die sie vorfanden. Das Ergebnis ist ermutigend. Im Jahr 2011 wurden nur 34 ausgewachsene Gelbbauchunken gefunden, 2013 waren es bereits 155 Tiere. „2014 haben wir kein intensives Monitoring mehr durchgeführt, jedoch berichtet Herr Wacker, unser Partner für das mittlere Fuldatal, von einer erneut deutlichen Zunahme der erwachsenen Tiere, die auf die gute Vermehrungsrate in 2012 zurückzuführen sein dürfte“, berichtet Neubeck.

Die Ergebnisse bei der extensiven Beweidung von Feuchtwiesen fallen unterschiedlich aus: „In den Gewässern auf Weideland und in den Flutrinnen vermehrten sich die Tiere merklich, aber nicht in größerem Umfang“, so Neubeck. Besonders günstig ist es, wenn die Rinder nur kurz im Frühjahr auf der Weide stehen und anschließend, während der Laich- und Entwicklungsperiode der Unke bis zum Spätsommer Weideruhe herrscht.

Bei ausreichender Flächengröße hat sich aber auch eine ganzjährig extensive Beweidung mit Kombinationen von Rindern und Pferden oder Schweinen und Ziegen als vorteilhaft erwiesen. In relativ trockenen Gebieten und bei zu intensiver Weideviehhaltung hingegen kann es Probleme geben. „Das hat unter anderem einen ganz simplen Grund: Die Rinder trinken die Tümpel dann einfach aus“, so Neubeck.

„Die Beobachtungen in Auen zeigten deutlich, wie weit die Verhältnisse von stabilen Vorkommen noch entfernt sind“, so Neubeck weiter. „Die Kombination von Auenrenaturierung mit zusätzlicher Anlage von Laichtümpeln wird aber als gute Grundlage zur Stabilisierung der letzten Vorkommen und Wiederausbreitung der Art betrachtet.“ Unterstützung bietet die europäische Wasserrahmenrichtlinie: Auch dort ist die Wiederherstellung eines guten Zustandes der Fließgewässer gefordert, die für das langfristige Überleben der Gelbbauchunke wichtig ist.

Das Projekt „Gelbbauchunke Nordhessen“ lief von Juni 2011 bis Mai 2014. Der Abschlussbericht steht in Kürze unter www.dbu.de zum Download bereit und enthält auch die Ergebnisse der genetischen und der Chytrid-Pilz-Untersuchungen.

Das Projekt wurde maßgeblich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie der Michael Otto Stiftung und dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen gefördert. Weitere Unterstützung kam von den Unteren Naturschutzbehörden der betroffenen Landkreise, dem Forstamt Rotenburg und den Regionalgruppen der Naturschutzverbände HGON, NABU und BUND.

Projektpartner waren das Institut für Biologie der Universität Kassel, das Fachgebiet Biogeographie der Universität Trier, die Hessen Forst – FENA, das Regierungspräsidium Kassel, die Stadt Rotenburg, die Naturkundliche Gesellschaft mittleres Fuldatal, die Firma GenoCanin GmbH und die Firma Helmut Beisheim GMbH&Co.KG sowie die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen. 

Kontakt
Dr.-Ing. Claus Neubeck
Universität Kassel
Fachgebiet Gewässerentwicklung/Gewässerökologie
Tel.: 05542-98-1576
E-Mail: neubeck@uni-kassel.de
www.uni-kassel.de/asl/gelbbauchunke

Weitere Informationen:

http://www.uni-kassel.de/uni/nc/universitaet/nachrichten/article/so-hat-die-gelb...

Sebastian Mense | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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