Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine der seltensten Pflanzenarten Deutschlands erfolgreich vermehrt und in Kultur gesichert

25.06.2013
Der Botanische Garten Berlin hat erfolgreich eine Pflanzenart vermehrt, die in der freien Natur Deutschlands nur noch in einem einzigen Exemplar bekannt ist.

Die Verarmte Segge (Carex depauperata) zählt zu den seltensten Pflanzenarten Deutschlands, wenn nicht der seltensten. Vom einzigen Exemplar Deutschlands wurde vorsichtig ein Ausläufer entnommen. In der speziellen Erhaltungskultur des Botanischen Garten Berlins konnte die Art erfolgreich vegetativ vermehrt werden. Die Pflanzen in Kultur bildeten jetzt erstmals Blüten und Früchte aus. Die reifen Früchte werden im Laufe des Sommers zur Langzeitlagerung in die Saatgutbank überführt.


Verarmte Segge (Carex depauperata) in Erhaltungskultur des Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem


Foto: R. Hand, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem


Verarmte Segge (Carex depauperata): am weiblichen Blütenstand ragen die Griffeläste heraus; in Erhaltungskultur des Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem


Foto: M. Meyer, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem

Die Art ist damit in der Erhaltungskultur des Berliner Botanischen Gartens zunächst gesichert. Lebende Pflanzen und Samen stehen für eine Wiederausbringung am Fundort zur Verfügung, um die Population in der Natur zu stärken.

Die Verarmte Segge (Carex depauperata) galt bereits in Deutschland ausgestorben. Sie war in Deutschland nur von einem einzigen Fundort bekannt, im Sauertal bei Echternacherbrück (Rheinland-Pfalz), einem Dorf an der Grenze zu Luxemburg. Die Art galt dort seit über 40 Jahren als verschollen. Viele Botaniker aus ganz Deutschland haben immer wieder vergeblich nach der Art gesucht. Sie zählte lange zu den ausgestorbenen oder verschollenen Blütenpflanzenarten Deutschlands.

2011 wurde die Art von dem Botaniker Dr. Hans Reichert aus Trier wiederentdeckt, aber nur ein einziges Exemplar. Der Botanische Garten Berlin hat die Art in die Erhaltungskultur aufgenommen. Dieses ist ein weiteres Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Botanikern und dem Botanischen Garten Berlin-Dahlem. Um die Art zu schützen, bleibt der genaue Fundort in der Natur bislang geheim.

Die Verarmte Segge ist eine Art aus der Gattung Seggen (Carex), gehört zur Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae) und sieht grasähnlich aus. Der merkwürdig klingende deutsche Artname weist darauf hin, dass die Blütenstände der Verarmten Segge weniger Blüten aufweisen als die meisten anderen heimischen Seggenarten. Die reifen Früchte sind kugelige Gebilde mit einer schnabelartigen Spitze und werden in der botanischen Fachsprache „Schläuche“ genannt.

Die seltene Art ist atlantisch-mediterran vom Mittelmeergebiet bis England verbreitet. Typischerweise wächst sie in lichten, artenreichen und wärmeliebenden Laubwäldern in Regionen mit warmen Sommern und milden Wintern. Ihre Samen sind lange keimfähig und die Art ist offenbar daran angepasst, plötzlich entstehende Waldlichtungen wieder zu besiedeln.

Die Verarmte Segge ist inzwischen in weiten Teilen Europas im Rückgang und vielerorts verschwunden. Besonders in England wurden die Rückgangsursachen intensiv untersucht. Aufgrund geänderter Forstwirtschaft werden die Wälder zu dicht und schattig, so dass der geeignete Lebensraum für diese Art schwindet. Eine wissenschaftliche Publikation über den Fund der Verarmten Segge ist für Ende 2013 geplant.

In der Erhaltungskultur des Botanischen Garten Berlins werden in Deutschland hochgradig gefährdete Pflanzenarten kultiviert und vermehrt. Seit Jahren erfolgreich werden hier Arten erhalten, die ebenfalls nur noch von einem einzigen Fundort in Deutschland bekannt sind. Das ist beispielsweise die Grasart Patzkes Schaf-Schwingel (Festuca patzkei) und das Dickblattgewächs Rötliche Fetthenne (Sedum rubens).

Das Lebendmaterial und Sämereien werden vom Botanischen Garten Berlin vorgehalten, bis eine Wiederausbringung am Fundort erfolgen kann zur Stärkung der Population. Wiederausbringungen dürfen nur nach gewissen wissenschaftlichen Standards in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden erfolgen. Wann eine Wiederausbringung der kultivierten und vermehrten Verarmten Segge erfolgt, ist derzeit noch unklar. Wichtig ist, dass die ökologischen Bedingungen am natürlichen Standort der Pflanzenart verändert werden, um der Art dort eine Überlebenschance zu geben.

Pressekontakt:

Dr. Ralf Hand, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, GBOL / Koordination Blütenpflanzen,
Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
Tel. 030 / 838 50445, E-Mail: r.hand@bgbm.org
http://www.botanischer-garten-berlin.de
Der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin-Dahlem ist eine botanische Sammlungs- und Forschungseinrichtung mit Bildungsauftrag. Die 1679 gegründete Einrichtung ist eine der größten und bedeutendsten ihrer Art weltweit. 22.000 Pflanzenarten werden kultiviert und umfangreiche Sammlungen dokumentieren die globale Pflanzenvielfalt. Schutz und nachhaltige Nutzung der Pflanzen sind zentrale Themen sowohl in der Forschung als auch in der Bildungsarbeit dieser Einrichtung. Forschungsschwerpunkte betreffen die Evolution und Biodiversität von astern- und nelkenartigen Blütenpflanzen sowie von Kieselalgen (Asterales, Caryophyllales, Bacillariophyta) und die Flora von Europa und des mediterranen Raumes sowie der Insel Kuba. International führend ist die Einrichtung im Bereich der Biodiversitätsinformatik.

Weitere Informationen:

http://www.bgbm.org/bgbm/pr/archiv/pressimages/press_images.HTM#Carex - Pressebilder
http://www.botanischer-garten-berlin.de
- zum Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem

Gesche Hohlstein | idw
Weitere Informationen:
http://www.botanischer-garten-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik