Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstkontrolle des Immunsystems dämpft Krebsabwehr

21.12.2011
Regulatorische T-Zellen (Tregs), die zum körpereigenen Abwehrsystems gehören, drosseln die Aktivität anderer Immunzellen und verhindern so, dass Autoimmunerkrankungen oder Allergien entstehen. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum fanden nun heraus, welche Aktivierungsschritte die Tregs in den Abwehrzellen blockieren. Da Tregs auch die Immunabwehr gegen Tumorzellen unterdrücken können, sind die Ergebnisse der DKFZ-Forscher wichtig, um effizientere Krebsbehandlungen zu entwickeln.

Das körpereigene Abwehrsystem darf keinesfalls überreagieren: Geraten seine Hauptakteure, die T-Helferzellen, außer Kontrolle, kann dies Autoimmunerkrankungen oder Allergien zur Folge haben. Eine überschießende Immunreaktion gegen Infektionserreger kann sogar Organe und Gewebe direkt schädigen.

So genannte regulatorische T-Zellen („Tregs“) sorgen dafür, dass Immunreaktionen koordiniert verlaufen: Sie bremsen die Teilungsaktivität der T-Helferzellen und drosseln gleichzeitig deren Produktion von Immunbotenstoffen. „Das funktioniert über den direkten Kontakt zwischen regulatorischer Zelle und Helferzelle“, sagt Prof. Peter Krammer aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Was dieser Kontakt aber tatsächlich in den Helferzellen auslöst, wussten wir bislang nicht.“ Die Hypothese der Forscher war, dass der Kontakt mit den Tregs bestimmte Schritte der komplexen Signalkaskade beeinflusst, die zur Aktivierung der T-Helferzellen führt.

Ertastet der T-Zell-Rezeptor, ein Sensormolekül auf der Oberfläche der Helferzellen, fremde oder geschädigte Eiweißmoleküle, so löst dies eine Kaskade biochemischer Aktivierungsreaktionen aus. Die Signalkaskade mündet darin, dass im Kern der Helferzelle Gene abgelesen werden, die für eine Immunattacke notwendig sind.

Gemeinsam mit Kollegen aus mehreren deutschen Forschungseinrichtungen verglichen Peter Krammer, Angelika Schmidt und Mitarbeiter nun die Signalkaskaden in Helferzellen mit bzw. ohne Kontakt zu Tregs. Die Immunologen entdeckten, dass in der Kulturschale bereits ein kurzer Kontakt der beiden Zellarten ausreicht, um die Helferzellen zu dämpfen. Nach Treg-Kontakt kommt es nicht mehr zur typischen Ausschüttung von Kalziumionen ins Plasma der Helferzellen. Das hat zur Folge, dass die beiden wichtigen Transkriptionsfaktoren NFkappaB und NFAT nicht mehr funktionieren, die im Normalfall Gene für Immunbotenstoffe aktivieren und damit das Abwehrsystem in Alarmbereitschaft versetzen.

„Die Wirkungsweise der Tregs ist gerade für die Krebsmedizin von großer Bedeutung: Viele unserer Kollegen haben bei verschiedenen Krebserkrankungen gezeigt, dass Tregs die Immunabwehr gegen Tumoren dämpfen können, so dass entartete Zellen der Abwehr entschlüpfen. Das kann die Entstehung und Verbreitung von Krebs begünstigen. Wir suchen daher nach Wegen, solchen gedrosselten Helferzellen wieder auf die Sprünge zu helfen“, erklärt Krammer die Ziele seiner Arbeit. Auch bei der Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs ist ein Verständnis der Wirkungsweise der Tregs unerlässlich: Die Forscher versuchen zu verhindern, dass die in der Kulturschale mühevoll gegen Krebs aktivierten Immunzellen sogleich wieder von Tregs gedrosselt werden.

Angelika Schmidt, Nina Oberle, Eva-Maria Weiß, Diana Vobis, Stefan Frischbutter, Ria Baumgrass, Christine S. Falk, Mathias Haag, Britta Brügger, Hongying Lin, Georg W. Mayr, Peter Reichardt, Matthias Gunzer, Elisabeth Suri-Payer und Peter H. Krammer: Human Regulatory T Cells Rapidly Suppress T Cell Receptor–Induced Ca2+, NF-κB and NFAT Signaling in Conventional T Cells

Science Signalling 2011, DOI: 10.1126/scisignal.2002179

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt
22.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen
22.05.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics