Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sei mein Schwarm – Buntbarschschwestern schwimmen gemeinsam, um ans Ziel zu kommen

23.01.2015

Im Schwarm zu schwimmen bietet vielen Fischen Schutz. Wer aber mit wem schwärmt, ist von Art zu Art unterschiedlich.

Ein Forschungsteam vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna hat Buntbarsche im zentralafrikanischen Tanganjikasee untersucht. Die Forschenden beobachteten, dass Weibchen sich im Laufe ihres Lebens weiter vom Geburtsort entfernen als Männchen.


Buntbarsche im zentralafrikanischen Tanganjikasee

Copyright: Stefanie Schwamberger

Um Risiken zu minimieren und die Verbreitung der eigenen Erbinformation zu sichern, schwimmen die Weibchen dabei häufig mit ihren Schwestern im Schwarm. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Wie und wohin sich Tiere nach dem Verlassen ihres Nests verbreiten, hängt von der Tierart und den ökologischen Umständen ab. Viele Fische bilden einen Schwarm, um nicht vom nächstbesten Feind gefressen zu werden. Schwimmen Verwandte miteinander im Schwarm, ist der Vorteil noch größer, da der gemeinschaftliche Schutz den eigenen Verwandten zu Gute kommt. Das fördert das Weiterbestehen und die zukünftige Verbreitung der eigenen Erbinformation.

Franziska Lemmel-Schädelin, Wouter van Dongen, Yoshan Moodley und Richard Wagner vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung untersuchten Buntbarsche (Neolamprologus caudopunctatus) im zweitgrößten See Afrikas und zweit tiefsten See der Erde, dem Tanganjikasee. Seine Oberfläche beträgt rund 33.000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der Größe von Niederösterreich und Oberösterreich zusammen. Die Forschenden untersuchten dort, wie das Geschlecht und die Größe der Fische ihre Verbreitung und ihr Schwarmverhalten beeinflussen.

Weibchen verbreiten sich weiter als Männchen

Während zahlreicher Tauchgänge im Oktober und November 2008 untersuchten Lemmel-Schädelin und ihre KollegInnen das Migrationsverhalten und die Verwandtschaftsverhältnisse von mehr als 900 Buntbarschen. Dazu sammelten die TaucherInnen DNA-Proben der Rückenflossen und dokumentierten Körpergrößen sowie Geschlecht der Barsche. Nach Analyse der Daten zeigte sich, dass sich Weibchen im Laufe ihres Lebens viel weiter von ihren elterlichen Bruthöhlen entfernen als Männchen.

„Um Inzucht oder den Wettkampf um begrenzte Ressourcen zu vermeiden, ist es bei vielen Tieren grundsätzlich so, dass sich ein Geschlecht weiter vom Geburtsort weg bewegt als das andere. Bei Säugetieren sind das meist die Männchen, während die Weibchen eher in der Nähe der Nester bleiben. Im Gegensatz dazu sind es bei der untersuchten Buntbarschart offenbar die Weibchen, die abwandern “, erklärt Verhaltensbiologin Lemmel-Schädelin.

Verwandtschaft im Schwarm fördert Verbreitung der eigenen Gene

Ein weiteres Phänomen fanden die Forschenden bei der Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Schwärme. Kleine, und deshalb wahrscheinlich jüngere, Weibchen schwimmen im Schwarm eher mit ihren Schwestern. Kleine Männchen tun das nicht, sondern suchen sich Schwärme mit nicht verwandten Männchen. Bei größeren und somit älteren Fischen findet sich diese Bevorzugung von Schwärmen mit Verwandten nicht mehr.

Richard Wagner erklärt dieses Verhalten so: „Weibchen entfernen sich etwa elf Mal weiter von ihrer Elternhöhle als Männchen. Das ist natürlich mit einer gewissen Gefahr für die Weibchen verbunden. Wir beobachteten, dass sich Weibchen eher mit ihren Schwestern im Schwarm umgeben. Wahrscheinlich, um die Gefahren einer Reise in die Ferne möglichst gering zu halten und die Chancen, dass es wenigstens eine aus der Familie schafft, zu erhöhen.“

„Die Forschung an Buntbarschen ist aus evolutionsbiologischer Sicht besonders interessant“, meint Lemmel-Schädelin. „In den drei größten afrikanischen Seen, dem Victoriasee, dem Tanganjikasee und dem Malawisee leben Buntbarscharten, die von arten- und anzahlarmen Gründerpopulationen abstammen. Diese Stammtiere gelangten über Flüsse in die Seen. Sie fanden dort verschiedene ökologische Nischen vor und entwickelten sich daraufhin sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund lässt sich in diesen Gewässern sozusagen der Evolution über die Schulter schauen und besonders die Bildung neuer Arten sowie ein reiches Repertoire an unterschiedlichsten Verhaltensweisen erforschen“, schwärmt Lemmel-Schädelin.

Service:
Der Artikel “Sex biases in kin shoaling and dispersal in a cichlid fish” von Wouter F. D. van Dongen, Richard H. Wagner, Yoshan Moodley und Franziska Lemmel-Schädelin wurde im Journal Oecologia veröffentlicht.
doi: 10.1007/s00442-014-3079-3 http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00442-014-3079-3

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Franziska Lemmel-Schädelin
Konrad-Lorenz-Institut für Verhaltensforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +33 457 13 51 51 oder +43 650 601 9494
franziska.schaedelin@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Heike Hochhauser
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1151
heike.hochhauser@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2015/bar...

Heike Hochhauser | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt
16.10.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

nachricht Keimfreie Bruteier: Neue Alternative zum gängigen Formaldehyd
16.10.2017 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise